Wenn Wahnsinn Methode wird….

Die Stürme und die grauen Regenwände der vergangenen Tage haben sich beruhigt und verzogen.

Ich betrat den Laden erstmals mit einem meiner besten Freude, der dort sein elektronisches Notizbuch für eine Reparatur auf Garantie abliefern wollte. Schon am Eingang versperrte uns ein Bube mit einem jener Zeitvertreibmaschinchen, die niemand wirlich braucht zum überleben (gerade in solchen Situationen sind sie sicherlich am überflüssigsten) den Zutritt und wollte unsere Namen und Begehr wissen.
Da ich mich derlei Belästigungen durch Anzüglichkeiten meinerseits erwehre, schafften wir es durch das Lokal bis zur Treppe im hinteren Teil des Ladens. 
An der Treppe stand die nächste Hilfskraft ebenfalls mit einem dieser Elektrotabletts (ein Tablett mit einem Kaffee oder dergleichen hätte mich ergötzt) und verwehrte uns mit den gleichen aufdringlichen Fragen den Aufgang.
Ich belästigte ihn nun seinerseits mit bohrenden Gegenfragen (…haben Sie das wiriklich nötig, hier…?) und gleich betraten wir nach 29 Stufen das Obergeschoss.
Nette modischmodern sich gebende Menschen mit ihrem SchnickSchnack standen an Theken, kuhle junge Typen lehnten lässig hinter stylischen Theken und redeten und zeigten und gestikulierten. Ablenkegedröhne aus Lautsprechern erschweren die Konzentration. Wartenummer erbitten, warten, überflüssige Geräusche ins Ohr lassen, denn immerhin wollen wir unseren Aufruf keinesfalls verpassen. – – Endlich – – 
Der Entgegennehmer hinter der Theke fasst das hingereichte Teil sichtlich angewidert mit spitzen Fingern an, bemerkt auch sofort: „das ist ja unheimlich verschmutzt“. 
Jetzt die passende Erwiderung?
„Klar, damit wird gearbeitet. Oder meinen Sie etwa, dass wir im Strassencafé draussen sitzen und abwarten und rumschauen , dass wir mitsamt diesem Teil bestaunt werden?“. So ging das noch einige Freundlichkeiten weiter bis die Annahme beendet war.
Als wir den Laden verliessen, war mir klar, dass mir keine Produkte dieser Marke ins Haus kommen werden. Vom Preis mal ganz abgesehen.
Vor einigen Wochen verstarb der Erfinder dieser lohnenden Vermarktungsstragie. Mir persönlich tun die Kinder leid, die ihren Vater so früh verloren haben.
Wenn Wahnsinn zur Methode wird, kann man mit einiger Kreativität immerhin noch Sand ins Getriebe streuen.
Was aber, wenn aus einer Methode Wahnsinn wird? Oder andersrum: wer legt dem Metzger Müller nach seinem Hinscheiden Blümchen und ein angebissenes Stück Fleischwurst mit Trauerschleifchen vor sein Ladenlokal?
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