Café des Nattes

Der Himmel ist schmieriggrau sprühregnend…

 

Am 7. April 1914 legte die Fähre Carthage aus Marseille kommend in Tunis an. Unter den Reisenden an Bord waren die drei Maler Louis Moilliet, Paul Klee und August Macke. Das intensiv flutende Licht, die leuchtenden, manchmal scharf kontrastierenden Farben und die arabische Atmosphäre inspirierten die drei Maler ungemein. Während der zwei Wochen währenden Studienreise entstanden viele Werke, die heute in internationalen Museen und Sammlungen zu sehen sind. 
Das Café des Nattes in Sidi Bou Said, einem Vorort von Tunis, erlangte durch  Mackes Aquarell „Blick auf eine Moschee“ Berühmtheit. Sowohl der Ort wie auch das Café haben sich kaum verändert seitdem, lediglich die Touristenströme erinnern daran, dass fast hundert Jahre vergangen sind seit dieser Reise, die zu einer der bedeutendsten der deutschen Kulturgeschichte geworden ist. Die nach ihrer Rückkehr erfolgte Verbreitung der  in Tunesien entstandenden Aquarelle und Gemälde löste in den kommenden Jahren geradezu einen „orientalischen Boom“ in Mitteleuropa aus.
Der aromatische Minztee mit Mandeln und der noch immer von Hand gepresste frische Orangensaft im Nattes sind ein Gedicht. Die wenigen kleinen Tische vor dem Café sind meist besetzt, aber im Innern des Cafés findet man fast immer einen Platz. Zu ungewöhnlich ist es für die meisten Touristen, in diesem Ambiente die Schuhe auszuziehen, bevor man es sich auf den Strohmatten um die flachen Tische herum bequem macht.
 
Am 20. April 1914 reisten die Maler zurück, überwältigt von den vielen neuen Eindrücken, die Koffer voller Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle. Paul Klee wirkte später u.a. am Bauhaus in Weimar und Dessau. Louis Moilliet kann man noch heute als „Louis der Grausame“ in Hermann Hesses „Morgenlandfahrt“  begegnen. Alle drei Maler erzielten durch die auf dieser Reise entstandenen Werke ihren künstlerischen Durchbruch.
August Macke starb am 26.9.1914 auf einem Schlachtfeld in der Champagne im Alter von 27 Jahren.
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13 Gedanken zu „Café des Nattes

  1. Ich habs für Spezi mit Erdnüssen gehalten und mich gewundert wie man so etwas trinken kann. Sieht sehr interessant aus, auch wenn ich kein Teetrinker bin, würde ich das schon gerne probieren wollen. Aber nur in diesem Café.

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  2. In einem Ort am Rande von Tunis fand ich endlich das Grab meines Onkels. Auf dem Soldatenfriedhof über der Buch von Carthago, herrlich gelegen.
    Im Soldatenfriedhofgästebuch standen horrende und rührende Dinge.
    Schön: Mein lieber Alfred, es ist so lange her und immer noch komme ich jedes Jahr….
    Schlimm: Jungs, das habt Ihr gut gemacht, in Verteidigung unseres Vaterlandes….
    Es war ein Abenteuer, dorthin zu kommen. In einem beinahe auseinanderfallenden Sammeltaxi, das mitten auf der wenig befahrenen Autobahn hielt, wo Leute ein- und ausstiegen, usw. Aber es hat sich gelohnt….

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  3. Wir haben auch einen gesucht, der dort verschütt ging. Ein Foto habe ich da noch: zwei Brüder neben Panzer. Der ältere (Überlebende) erzählte häufig „vom Krieg“, vom Eierbacken auf den kochendheissen Panzerplatten. Er kam gerade rüber von Neapel. Das Foto zeigt die letzte Begegnung der beiden. Ein paar Tage später war der kleine Bruder tot.
    Der Friedhof hat in der Tat eine besondere Atmosphäre. Nicht so wie der englische, der amerikanische… Einzige Konkurrenz ist vielleicht der französische in La Marsa über Tunis.

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  4. Ich sehe, damals haben Sie noch zu den feinen Getränken noch eine Zigarette genossen. Ein interessanter Hinweis von Ihnen kürzlich: Dass jemand „aus Zorn“ das Rauchen aufgibt, hört man nicht so häufig als Grund. Wohl bekomme Ihnen Ihr Entschluss.

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