Richtung Frankfurt

Unverschämt blauer Himmel…

Als ich sonntags mal ein Vorchecking am Hafen machte, kam gleich einer der hilfreichen Männer auf mich zu, der fragte, ob ich auf die Fähre wolle. Ich wollte nur mal sehen, wie die Abläufe so sind, wo man welche Papiere abholen oder präsentieren muss… da sass er schon neben mir im Wägelchen und lotste mich über das Gelände der Fährgesellschaft. Mein kleines Bakschisch war offensichtlich zu klein, also verabreden wir uns für Mittwoch, um zu sehen, was das Wissen wirklich wert ist. Der Mann ist mittwochs morgens zur Stelle und bringt mich direkt vor die zu dieser Zeit noch verschlossene Einfahrt zur Polizei- und Zollkontrolle. Die Uniformierten stört das keineswegs – sie wissen um die vielen kleinen Jobs, die da neben der regulären Fährabwicklung laufen. Der Mann kriegt jetzt ein würdiges Bakschisch und einen Kaffee.
Einem der vielen fliegenden Händler gefällt, wie ich eine Zigarette drehe und er fragt, ob er sich auch eine drehen könne. Er schaut mir zu, wie ich das mache. Kann er, denke ich, mit dem vielen blechernen Schmuck an beiden Handgelenken, und gebe ihm die Tabakdose und die Blättchen. Er hat sich ein Unikat angefertigt und sagt stolz, es sei seine erste Selbstgedrehte. Nun staune ich doch über das Ergebnis.
Andere Händler bieten ihre Waren an. Der junge Mann kommt mit einem Tütchen zurück und bittet um etwas mehr Tabak, er wolle mal seiner Familie zeigen, wie man Zigaretten dreht. Kein Problem sage ich, und fülle ihm etwas ab und gebe ihm noch einige Blättchen dazu.
Er freut sich, wir lachen und schenkt mir einen seiner Schlüsselanhänger. So verbindet sich mit einem an sich wertlosen Gegenstand eine Anekdote.
Als ein anderer Verkäufer zwischen CDs und Zigarettenstangen etwas Haschisch auspackt, öffnet sich das Tor zur Einfahrt.
Die kleine rote Buckelwutz fährt als erste auf die Fähre. Alles braucht seine Zeit und mit einer Stunde Verspätung verlässt die Fähre den Hafen von Tunis.
 
Ein letzter Blick nach drüben in die Bucht von Karthago und nach rechts auf den Hügel, der für ein Jahr ein Zuhause war. Die Überfahrt war wesentlich unruhiger als der Himmel vermuten liess, aber die Nacht war interessant und auch spassig mit den anderen Passagieren. Jeder hatte sich Sitzpolster aus den Sesseln besorgt und auf diese Weise war ein Lager für Jung und Alt geworden. Man kann viel sehen und erfahren wenn man sich eng auf dem Boden neben einander lagert.
Im Morgengrauen war kurz nach Sonnenaufgang in der Ferne die Küstenlinie Europas auszumachen. Die Fähre näherte sich Marseille.
 
Endlich ging das schwere Stahltor der Fähre auf. Freie Fahrt Richtung Bembeltown. 
An die Fahrweise auf der deutschen Autobahn muss ich mich erst wieder gewöhnen. Der durchschnittliche deutsche Autohorst fährt im Gegensatz zu seinem Verhalten bei Wahlen grundsätzlich links. Und ein arabischer Schriftzug auf dem Nummerschild ist offensichtlich eine Herausforderung für ganz besondere Witzchen. Aber sagt einem deutschen Mann mal, er könne nicht autofahren…
Advertisements

5 Gedanken zu „Richtung Frankfurt

  1. Bucht von Karthago- dort gestanden, dort gestaunt, dort das Grab des Mutterbruders gefunden. Von Karthago unerlaubterweise einen vom Regenguss aufgeschwemmten Amphorendeckel gefunden und mitgenommen, der nun hier die Fensterbank des Hauses nahe der Grabungsstelle des Senckenberg Museums ziert – alle und alles verwoben in unsichtbaren Netzen…

    Gefällt mir

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s