Wenn Einer eine Reise tut…

Es regnet und regnet und regnet

wenn einer eine Reise tut…dann kann er was erzählen.

In Tunesien erlebte ich im Januar die Jasmin Revolution. Am 15. Januar war ich dann am Flughafen in Tunis, um einen Flug nach Frankfurt zu erwischen, denn die Situation war unkalkulierbar geworden. Davor hatte ich bereits zwei Staatsstreiche in anderen Ländern miterlebt. Da sammelt sich praktisches Wissen an.
Die Hallen auf dem Flughafen waren voller Menschen, neben anderen Expats waren da hauptsächlich Touristen, deren Urlaub unterbrochen worden war. Einige wuselten aufgeregt hin und her, andere wiederum ergaben sich in ihr Schicksal und wieder andere – besonders Deutsche – bestanden irgendwo nörgelnd auf ihrem Recht.
Viele deutsche Touristen teilten das gleiche Problem: sie waren zwar im „Recht“, doch half es ihnen nichts. Der durchschnittliche Deutsche hat normalerweise seine Rechtschutzversicherungspolice vor seinem Taufschein. In einer Krisensituation in einem fremden Land werden aber ganz andere Dinge schnell existenziell. Mir taten die Touris leid, die schon seit vier Tagen auf einen Flug warteten und deren Nervenkostüm entsprechend angegriffen war.
Wie verhält man sich am Besten?
Wenn ich von einer bevorstehenden Krise höre, besorge ich als erstes Wasser. Ohne Wasser geht garnichts und das fehlt erfahrungsgemäss als erstes in den Läden (besonders an Flughäfen). Aufs Essen kann man tagelang verzichten (wenns auch schwerfällt); Kekse oder Chips meide ich, da sie zusätzlichen Durst verursachen.
Zweitens sorge ich sofort für Bargeld. Das ist hilfreich, wenn man z.B. einen Arzt brauchen sollte, denn die werden auch im Alltag meist sofort nach einer Konsultation in bar bezahlt. Auch Einheimische belagern schnell die Geldautomaten, sodass Bargeld schnell knapp ist. Hält man sich länger in einem Land auf, ist eine Telefonkarte der grössten lokalen Telefongesellschaft hilfreich, man kann damit notfalls ein Flugticket online buchen. In Tunesien z.B. standen viele Touristen für ein Ticket an, die Schalter aller Gesellschaften waren aber geschlossen. Ist man mit einem Auto unterwegs, muss der Tank voll sein, denn Benzin ist meist ebenso schnell knapp wie Wasser oder Bargeld. Der Rest ist Glück.
Freundlichkeit? Wie gesagt, es nutzt nichts, dass man vielleicht „im Recht ist“ und damit versucht, aufzutrumpfen: absolut sinnlos, es interessiert Niemanden wirklich.
In Krisensituationen kommt man mit Freundlichkeit und einem bisschen Jammern („bitte helfen Sie mir, was soll ich denn jetzt mit meinen Kindern machen?“ o.ä.) jedenfalls viel weiter und manchmal öffnen sich so ganz erstaunliche Möglichkeiten.
Von all dem, was in den jeweiligen Reiseführern so alles angeraten wird, ist das Meiste meiner Erfahrung nach schlicht nutzlos; von einer kleinen Taschenlampe und ein, zwei Aspirin mal abgesehen.
 
Ich hoffe, dem einen oder anderen Leser mögen diese Tipps mal was nützen.
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11 Gedanken zu „Wenn Einer eine Reise tut…

  1. Tunesien kam quasi über Nacht…
    In Gebiete, in denen Bürgerkrieg oder eine Naturkatastrophe herrscht, bereist man besser nicht. Da haben selbst Leute, die da aus beruflichen Gründen hinmüssen ganz schön zu schaffen.

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  2. Wasser – Bargeld – Benzin

    Aha. Interessnter Tip…

    Erinnert mich schwer an eine Alexander MacKenzie zugeschriebe Regel, wie man Reisegepäck zusammenstellen sollte:

    „Teile das vorgesehene Gepäck in 3 Stapel: Nützliches, Notwendiges und Lebensnotwendiges. Beschränke dich auf die Hälfte des letzten Stapels und verdopple dafür das Bargeld.“

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  3. Danke für die Anleitung in Krisenzeiten. Wasser als Nummer 1, das sollte so selbstverständlich sein und ist es trotzdem nicht. Die (fast) permanente Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Waren wie hier in der Kesselstadt, macht nachlässig und nicht unbedingt krisensicher. Wenn man dazu (was hier in D ja prima geht) den Großteil seiner Flüssigkeitsaufnahme über den Wasserhahn bestreitet – rund um die Uhr, ohne Abkochen, Filtern, Reinigen -, erst recht.

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