Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…

Graue Weihnachten nach wie vor..
 
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Das ist der Titel eines aus dem ostpreussischen stammenden Weihnachtsliedes. Auch in diesem Jahr waren wieder ca. 1/3 der Menschheit unterwegs in der Welt. Auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung und Naturkatastrophen. Auf der Suche nach einer erhofften Verbesserung der eigenen Lebensverhältnisse oder schlicht nach Arbeit und Sicherheit suchend. 
In Libyen sind letzte Woche 6000 Fliehende aus Syrien eingetroffen. Eine schwierige Situation für die Syrer aber natürlich auch für die Libyer. Dort flammen noch immer Gefechte auf zwischen verschiedenen Brigaden. Probleme der Entwaffnung grosser Teile der Bevölkerung und Streitereien zwischen dem TNC (transitional national council), der Interimsregierung und den unterschiedlichen Interessen der Bevökerung komplizieren die Situation.
In Tunesien beruhigt und normalisiert sich die Lage scheinbar. Eine Regierung wurde gewählt und man muss abwarten was die Zukunft bringen wird. Der Tourismus, die Haupteinnahmequelle des an Rohstoffen armen Landes, läuft langsam wieder an.
Tunesien hat auf dem Gipfel der Flüchtlingsströme über eine Million Flüchtlinge aufgenommen und anfänglich aus eigenen Ressourcen unterstützt bis dann die internationale Hilfe floss.
Diese eine Million Menschen auf Europa umgerecht wären ca. 50 Millionen Migranten – damit könnte eine neue europäische Nation entstehen.
Wenn man bedenkt, welche „Sorgen“ hier im Lauf des Jahres von der europäischen Presse verbreitet worden sind. Die Insel Lampedusa wurde zur Metapher für die Tür und das Tor, durch das die Flüchtlingswellen nach Europa strömen und den Kontinent überfluten. „Flüchtlingswelle“. Ein Wort, das Naturgewalten assoziiert. Über die Wandlung des Wortgebrauchs vom Moslem zum Islamisten in den Medien könnte man in diesem Zusammenhang trefflich spekulieren.
Dabei ist Europa der verschlossene der fünf Kontinente.
Wenn man in einem mitteleuropäischen Land lebt, bemerkt man die Abgeschlossenheit gewöhnlich kaum . . wer sieht schon die eigene Brille auf der Nase. Ex-Pats, die durch ihr Leben in anderen Ländern ständig „Migranten“ und „Heimatlose“ sind, haben da sicherlich andere Sehgewohnheiten….
Drei historische Ereignisse so will es scheinen, haben sich für alle Zeiten so tief eingeprägt und Urängste geschaffen, dass sie bis heute nachhaltig wirken. Die Arabische Invasion ( von 711 – 1492 (in Spanien)), die Einfälle der Ungarn im 10. Jhdt. und der später sogenannte Mongolensturm (1240 – 45) haben ein europäisches Verständnis geschaffen, dessen Nachwirkungen noch heute das Bewusstsein und die Politik bestimmen.
Die Historiker sind uneins, ob die Europäische Expansion der Portugiesen und Spanier seit dem frühen 15. Jhdt., später ab der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. hauptsächlich der Holländer, Engländer und Franzosen lediglich eine Gegenbewegung gewesen ist oder ob wirtschaftliche und religionsstrategische Interessen ausschlaggebend für die Unterwerfung und Ausbeutung weiter Teile der anderen vier Kontinente gewesen sind.
Den eigenen europäischen Kontinent behielten sie jedenfalls für sich und achteten streng darauf, wen sie hereinliessen. Im 19.Jhdt. teilten die europäischen Mächte auf der Berliner Konferenz 1884 dann die afrikanische Welt unter sich auf.
Heute nennt sich die Schildwache Europas schlicht Frontex. Diese europäische Grenzschutzagentur hat ihren Sitz in Warschau. Frontex bewacht unter anderem auch das südliche Mittlemeer gegen Einwanderer aus der Subsaharazone.
In diesem Zusammenhang ist vielleicht interessant, dass während der Hochphase des innerlibyschen Konfliktes sehr viel vom Öl und den daranhängenden europäischen Interessen zu lesen war.
Das drängende Problem europäischer Interessen war allerdings weniger das libysche Öl, auch wenn man zeitweise meinen konnte, unsere Einergieversorgung wäre bedroht.
Das wirkliche Problem war und ist die Südgrenze Libyens und nicht das libysche Öl, denn bei uns brannten alle Lichter gleich hell weiter und aus den Schläuchen der Zapfsäulen an den Tankstellen floss kein Tropfen Benzin oder Diesel weniger. Viel mehr Sorgen bereitet(e) der Zustrom von Migranten, die durch die Sahara von Süden kommend die libysche Grenze überqueren. Diese Grenze ist ca. 4500km lang und schwer zu kontrollieren.
ÖL!!! – – ist halt als Bild für den Durchschnittseuropäer gedanklich besser verdaulich und schafft die erwünschten Emotionen – zuviel denkende Bevölkerung ist nun mal hinderlich für die Herrschenden und ihren kalten Geschäftssinn.
Und deshalb und unseren Politikern und ihren Reden von Demokratie in der sogenannten Dritten Welt zum Trotz: nicht Demokratie ist unser Exportartikel Nummer eins sondern die sogenannte freie Marktwirtschaft. Wohl nicht umsonst bekennen sich über 170 Staaten weltweit zur sogenannten freien Marktwirtschaft. Und der europäische Kolonialismus – auch wenn er in wissenschaftlichen Kreisen gerne Postkolonialismus genannt wird – blüht und gedeiht weiterhin, auch wenn er in unseren Tagen subtiler angwandt wird.
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2 Gedanken zu „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…

  1. Und selbst wenn wir meinen, Demokratie sei unser Exportschlager.
    Wer gibt uns das Recht zu glauben, dass Demokratie die alleinseelig machende Droge sei? Und wieso sprechen wir anderen, vorrangig nicht in Europa und Nordamerika lebenden Menschen die Intelligenz und Kompetenz ab, für sich selber herauszufinden, wie sie leben wollen und ihre Gesellschaft aufbauen und gestalten wollen. Oder ist das, wie ich ja stark vermute, auch wieder nur die Angst davor, dass jemand etwas besseres als die Demokratie genannte freie Marktwirtschaft finden und etablieren?

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  2. @ inchtomania – ich frage mich manchmal, was ein europäischer Regierungschef wohl sagen würde, wenn er „dringende Empfehlungen“ von Regierungen aus Afrika, Asien oder Südamerika bekommen würde. Dass Europäer sich in anderen Ländern einmischen, wird wohl als normal angesehen…

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