Abenteuer Autoverkauf

es stürmt ganz ordentlich…


Als Schüler und Student war das Geld knapp, der Wunsch nach Mobilität gross, guter Wille und Werkzeuge reichlich vorhanden. Aus diesen Gründen verbrachte ich zahlreiche Tage und Stunden auf Schrottplätzen und in Autogruben. Wenn eine Karre absolut nichts mehr taugte oder der über allem drohende TÜV uns schied, begann die Jagd jeweils von neuem. Die Samstagszeitung als Informationsquelle Nummer eins raschelte beim Frühstück und man lernte unter Umständen sogar bis dahin unbekannte Landschaften durch die anschliessende Fahrt zum Objekt der Begierde kennen. Manch attraktives Gefährt fand so den Weg in die heimische Garage. Ein Mercedes 170 der Forschungsgesellschaft Graf Zeppelin ebenso wie die extravagante Borgward Isabella im orginalen weinroten Lack mit poppigen silbernen aber absolut unnötigen Sternen rundum. Mehrere Karmann Ghias, von Kennern damals liebevoll Sekretärinnenferraris genannt; Enten im maroden Zustand aber mit unglaublich witzigen Accessoires im Fahrgastraum. An den Opel A Admiral, bei dem innerhalb von drei Wochen drei Zylinder niedergingen, denke ich noch heute mit Grausen.

 
Und den Jaguar Mk2 mit dieser feinen Holzkiste im Kofferraum, in welcher der Motor in öligen Einzelteilen lag, liess ich in Wuppertal ungekauft stehen. Und daneben gab es da ja auch noch die Motorräder. Die Liste könnte ich jetzt fortsetzen, denn da gäbe es manche Anekdote erzählen.
 
Ebenso spannend waren in jenen Zeiten auch die jeweiligen Verkäufe. Interessante Menschen, witzige Verhandlungen (meistens). Und meist rechnete sich das Ganze auch noch unterm Strich und eine Fahrt nach Italien oder Südfrankreich war auch noch drin.
 
Manches hat sich verändert seitdem. Vor allem wohl die Preise für die alten gebrauchten Gurken. Damals war ein alter Benz auch für einen Schüler oder Studenten erschwinglich. Das gleiche Modell im gleichen Zustand wird heute allerdings offensichtlich mit Gold aufgewogen. Wenn man denn ein solches Modell überhaupt noch findet. Meistens liegen die ja in Einzelteile seziert in den Lagern von Sammlern und Händlern.
 
Mit dem kleinen Nissan Micra bin eher zufällig in Berührung gekommen. „Könntest du den für mich verkaufen?“ wurde ich gefragt und sagte zu. Vor allen aus Interesse, wie das heute so läuft. Läuft ja alles per Internet inzwischen.
Also habe ich mich heute auf einer Seite für gebrauchte Autos registriert und ein Verkaufsangebot mit zwei Fotos eingestellt und auch den Zustand exakt beschrieben.
Es dauerte kaum eine Stunde, da begann die Mailbox zu klingeln. Den ersten drei, vier Interessenten erfüllte ich den Wunsch nach mehr Information und einem Rückruf.  Das war dann schnell vorbei und die Mailbox klingelt immer weiter.
Eine Erfahrung machte ich dabei sehr rasch – die Welt hat sich weitergedreht!
Trotz Internet und Farbfoto fragen Leute nach der Wagenfarbe. Für ein kleines Wägelchen für ganz kleines Geld rufen Leute aus dem Ruhrgebiet an (mind. 250km einfach Strecke). Wenn man Leuten auf ihre Kontaktmail ebenfalls per Mail antwortet und sie zum Anruf auffordert, entsteht häufig Funkstille. Leute legen mitten Gespräch einfach auf. Aber es gibt noch immer nette Menschen, mit denen in wenigen Minuten der Kern der Dinge besprochen ist.
Morgen werden die ersten Besichtiger / Probefahrer kommen und zwei werden sich am Ende freuen.
Manches bleibt eben doch wie es war. 
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4 Gedanken zu „Abenteuer Autoverkauf

  1. Das klingt eigentlich relativ entspannt, dieser Autoverkauf übers Internet. Meine letzte Kiste hab ich auch im Netz gefunden, allerdings bei einem Händler. Macht vieles einfacher.
    Was ich seit ein paar Jahren allerdings nur noch mit Bauchschmerzen machen würde, ist der Verkauf eines angemeldeten Fahrzeugs. Seit ich weiß, dass die Versicherung des Vorbesitzers noch 3 Monate in der Nachhaftpflicht ist, sollte der neue Besitzer die Karre nicht auf seinen Namen anmelden und versichern.

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  2. Klar gibts auch nervige „Kaufinteressenten“. Wenn z.B. trotz Fotos gefragt wird, welche Farbe das Auto hat, oder jemand anfragt, ob das Wägelchen auch zu verschenken sei…
    Dennoch liefs tatsächlich entspannt, denn der Wagen ist bereits weg.

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