Falsche Nummerschildhalter

Das Wetter war zweideutig…



Ein letzter Blick auf die feine Skyline von Frankfurt. Die Buggelwutz war gepackt, der Fahrer frühstücksmässig gut versorgt, die Musik war prima – fehlte bei dem gemächlichen Reisetempo lediglich ein wenig Abwechslung.

Auf dem Weg Richtung Südosten war erfreulich wenig Verkehr.
Zum Glück sind auf deutschen Autobahnen Deine Freunde und Helfer unterwegs, manchmal hinter irgendeinem Gebüsch halb verborgen, manchmal im fliessenden Verkehr mitschwimmend. Deutsche Autofahrer neigen beim Anblick dieser gestreiften Fahrzeuge (unabhängig von der jeweiligen Farbgebung) merkwürdigerweise zu spontanen Bremsungen, obwohl sie die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit keinesfalls überschritten oder sonst irgendeine Schuld auf sich geladen hatten. Das scheint eine Art kollektives schlechtes Gewissen zu sein. In anderen Ländern habe ich ein derartiges Rudelbremsen bisher nie beobachten können.
 
Irgendwo im tiefbayerischen Hinterland stand denn auch so ein Urenkel eines Barockengels im grünen Dreieck zwischen Aus- und Auffahrt. Ich bremse nicht spontan, ich habe eher spontane Ahnungen. Als ich mich einige Kilometer später gerade fragen wollte, ob ich meinem eigenen Vorurteil aufgesessen sei, sah ich die grün-weissen Streifen in weiter Entfernung im Rückspiegel. Vielleicht doch die richtige Ahnung? Nee, der Engelenkel überholte die Kolonne, in der ich fuhr und entschwand. Etliche Kilometer später sah ich ihn mit eingeschaltetem Warnblinker auf der Standspur stehen. Vielmehr fiel er mir erst durch mehrere Spontanbremsungen auf. 
Als ich kaum neben dem Streifenengel war, gab sein Fahrer Gas und fuhr erneut auf der rechten Spur, diesmal mit rotierenden blauen Lichtern auf dem Dach.
Das Spiel hatte also schon begonnen. Rote Buggelwutz mit arabischem Kennzeichen gegen BMW grün-weiss gestreift mit blauer Lightshow auf dem Dach. 
Die beiden Uniformierten waren aber auch sowas von ungeduldig und wollten das Spielchen wohl schnell beenden; ein zusätzliches leuchtendes STOP im Rückfenster ihres Gefährtes war dann quasi der KreuzBube – wir scherten in den Parkplatz ein. 
Letzthin in einem nördlichen Bundesland waren die beiden Zivilen mit ihrem schwarzen BenzKombi wesentlich stilvollere Spieler und hatten, als sie uns dann auf einen Parkplatz hinausgebremst hatten, wenigstens Humor bewiesen. Immerhin wurden wir gefragt, ob wir deutsch sprechen würden. 
 
Nicht so die beiden im niederbayerischen Hügelland: Blafft gleich auf deutsch los, was ich zum Glück verstehe und spreche. Also Papiere raus. Wo issn do die Zualassung? Eine Carte Gris wie in Frankreich hatte er noch nicht gesehen. Wie auch: I hob do jetzat seit zwonzig Johr Dienst owa sowas hob i noch nia gsegn. Glückwunsch, lieber Mann – irgendwann ists immer das erste Mal.
Der Mann war keineswegs unfreundlich, eher auf eine gewisse Weise neugierig, die geradezu herausforderte. Der zweite schlich hinten ums Autochen rum und schien etwas zu suchen, jedenfalls liessen das die in Kritik gelegten Stirnfalten vermuten. 
Dem Mann an der Fahrertür erklärte ich nun geduldiger und weitschweifiger, was es mit dem Nummerschild auf sich hatte. Und noch ein zweites Mal, dieses mal von der anderen Seite. Und dann einige Details nochmals etwas langsamer und deutlicher widerholen: ein bayerisches Bier hat ja schliesslich auch einen ordentlichen Schaum obendrauf und ein Pils braucht angeblich auch sieben Minuten.
Und immer bei der Wahrheit geblieben. 
Ich dachte eben das Wort Wahrheit, als mir der gute Mann mit einer geradezu vertrauensvollen Miene zuraunte: Wos moanen dann sie, wos mia uns ollas fia Liagn ohöarn müssen.
Ich glaubs ihm und denke mir, dass ich längst weg wäre, wenn ich mal eine kleine Notlüge… Mache ich aber ungern.
 
Er war endlich beruhigt und wollte mir gerade Tschüass sagen, als Patachon von hinten kam: Wieso hot der Wagn um des ausländische Nummernschild den Nummerschildhalter aus Frankfurt?
Sein Kamerad schaute ihn verständnislos (-voll?) an und sagte zu mir: Gute Fahrt. 
Sag ich doch, es war ein netter Freund und Helfer. Von hinten hörte ich nur noch ein barsches: Weiterfahren!
Was ich auch tat – denn ich hatte jetzt genug Abwechslung gehabt für den nächsten Streckenabschnitt…
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6 Gedanken zu „Falsche Nummerschildhalter

  1. Boah, bayrische Bullen, ich kann Dir sagen, davon hab ich auch die Schnauze voll *g*.
    Dabei waren meine auch nicht direkt unfreundlich, aber enorm lästig das Volk da unten.
    Klasse Foto(montage) übrigens 😀
    und gute Reise 😉

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  2. Ja, gute Reise wünsche ich auch. Und es gibt auch in Rumänien und Frankreich aufdringliche Bullen, die unnütze Sachen wollen.(Was natürlich keine Entschuldigung für die in Bayern sein soll.) Da brauchts nicht mal ein arabisches Autokennzeichen

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