Auf zu neuen Ufern (III)

Kalt, klar & sonnig – wie gewünscht…
 
Nach einem frühen Frühstück landete der Rucksack in der roten Buggelwutz, die in ihrem gesicherten Ställchen die Nacht ebenfalls gut überstanden hatte. 
Der blaue Himmel versprach ein angenehmes Reisewetter. Die Fahrt vom äußersten Nordosten Sloweniens nach Dubrovnic, das fast an der Grenze zu Montenegro liegt zog sich bedenklich in die Länge, wie ich dem Lallfritz, unserem Navigationsapparat entnahm. Zum Glück hatte ich mir noch einen Routenplan von Guurgel ausgedruckt nur so für alle Fälle. (In Zukunft werde ich auch Landkarten an Bord haben!).
Anfänglich verlief die Route noch ca. 30km durch lange dunkle Täler, die seinerzeit auch  Johann Gottfried Seume auf seinem Weg nach Syrakus durchwandert hatte. Beim Anblick der wunderschönen wilden Landschaft nahm meine Hochachtung für den Mann erheblich zu, denn vor über zweihundert Jahren alleine hier im Winter gegangen zu sein, erforderte sicherlich einiges an Kühnheit.
Lallfritz nannte mir inzwischen eine Reisezeit von ca. 18 Stunden. Ich musste aber bereits um 14:30 eine Fähre von Polče nach Trpnje erreichen, um einen zeitraubend lästigen Umweg zu vermeiden, der eine weitere Übernachtung bedingt hätte. Da die Autobahn fast leer war, übertrat ich die Höchstgeschwindigkeit ebenso konstant wie konsequent.
Der Lallfritz war inzwischen ständig mit neuen Berechnungen zugange, da er statt der offensichtlich erst vor kurzem fertiggestellten Autobahn noch die fast parallel dazu verlaufende Landstrasse auf dem Schirm hatte. Dennoch blieb die angegebene Reisezeit fast unverändert gleich. Irgendwo hinter Split nach ca. 400 gefahrenen Kilometern wurde dann für das Zwischenziel Polče als Ankunftszeit 14:30 angezeigt. Das war der Ansporn etwas mehr Gas zu geben.
Erinnerungen an vergangene Zeiten und eine Oldtimerrallye mit dem guten alten Morgan wurden wach, als Minute um Minute gewonnen wurde. Der Guurgel-Plan stimmte seit Zeiten schon nicht mehr und versagte jetzt vollends, denn die Autobahn runter nach Ploče hörte unversehens 80km vor dem Ziel auf, lediglich die geplante Trasse war als hässliche Narbe an den Bergen noch sichtbar.
Dafür hatte der Lallfritz jetzt wieder den vollen Plan und zeigte die Ankunft für 13:45 an. Von nun an gings nicht enden wollende Serpentinen bergauf bergab und fast auf die angegebene Minute war ich im Fährbüro, um das Ticket zu kaufen.
Auf der Überfahrt konnte man die zerklüftete Küste unter einem blauen Himmel bei frühlingshaft warmen Temperaturen geniessen und Arme auspendeln lassen.
Nach Dubrovnic warens dann weitere 90km auf der Landstrasse und der traumhafte Sonnenuntergang über der Stadt allein war schon die Anstrengung der Fahrerei wert.
In der Stadt wollte Lallfritz wieder das alleinige Kommando übernehmen und lotste mich zur Fähre nach Bari. Egal ob kürzeste, schnellste oder optimale Route, er wollte mit der Fähre nach Bari und von dort mit der Fähre nach Montenegro übersetzen. Den Flughafen von Dubrovnic verweigerte er ebenso wie die Grenzstadt in Montenegro. Bei den Hinweisschildern hatte die Stadtverwaltung offenbar gespart, dafür konnte ich auf der einstündigen Stadtrundfahrt einiges von der Schönheit der Stadt erahnen.
Irgendwo zeigte ein kleines bescheidenes Schild nach Kavtat, das nahe am Flughafen liegt; diese Richtung nahm ich und nach kurzer Zeit gab der Lallfritz endgültig nach und zeigte für Podgorica nur noch 2 ½ Stunden Fahrzeit und 120km an.
Der Zöllner in Montenegro fragte (wie alle anderen vorher auch) nach dem arabischen Schriftzug auf dem Nummernschild. Die Abfertigung dauerte dennoch nur wenige Minuten und als ich ihm sagte, dass ich länger in Montenegro bleiben würde, entschuldigte er sich höflich, dass er noch einen Moment brauche, um meinen Pass zu stempeln und hiess mich herzlich willkommen in Montenegro – ein feiner Empfang.
Obwohl ich durch verschiedene Reiseführer ebenso wie durch Leute im Land gewarnt worden war, wegen der montenegrinischen Autofahrer und besonders deren Fahrweise keinesfalls nachts die Küstenstrasse oder gar den Weg übers Gebirge zu nehmen, wollte ich endlich am Ziel ankommen. 
Zur Risikominimierung entschied ich mich gemeinsam mit dem Lallfritz zur Hälfte an der Küste entlang und dann über die Berge zu fahren.
Um 21:00 und nach 13 Stunden Fahrt konnte ich endlich Frau Waas begrüssen, die aus ihrem Kaufladen bereits etwas zu essen besorgt hatte. Und zwei, drei Bierchen gabs natürlich auch noch dazu….
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4 Gedanken zu „Auf zu neuen Ufern (III)

  1. Aber Obacht. Ich hab grad gelesen, dass die Aladschi Brüder wieder auf freiem Fuss sein sollen. Die Beine sind dran, der Arm vom einen ist noch immer ab. Die haben es auf fremde Reisende abgesehen. Immer das Empfehlungsschreiben von der Großkanzlerin bereithalten. Gute Fahrt!

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  2. Du hättest beim Lallfritzen eventuell Ploče eingeben sollen, denn wenn ich in Gugelmaps Polče eingebe will er mich tatsächlich nach Italien schicken, die Fähre nach Bari ist da sehr sinnvoll.
    Überhaupt hat mich Deine Route etwas verwirrt, denn das mit der Fähre von Ploče nach Trpanj erschien mir als merkwürdiger Umweg. Wenn Gugel Maps aktuell ist kann man aber tatsächlich nicht durch Bosnien-Herzegovina fahren, da werden weder Straßen noch Ortschaften angezeigt, nur ein blanker Fleck.
    Die Strecke von Orebič nach Dubrovnik kenne ich nur aus 40 Jahre alten Erinnerungen, damals war es eine an Abgründen entlang führende Schotterpiste, heute wirds wohl etwas gesitteter sein. Da muss ich in diesem Leben wohl noch mal hin.

    Respekt jedenfalls für 13 Stunden Buggelwutz, das ist selbst in nem richtigen Auto auf deutschen Straßen anstrengend genug.

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  3. @Inchtomania:
    welches Bier es gab? Die gelbe Schaumbrühe nennt sich „Bavaria“ und kommt aus den Niederlanden….brrrr…

    Es gibt hier aber auch nationale Biere, z.B. Jelen, Lav oder Niksicka. Das Niksicka ist weitaus schmackhafter als die Tulpensuppe 😉

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