Vorläufig geschafft….

14° sind für Morgen angesagt – das hört sich doch gut an

 

 

Avaritia  ist meist leider keine vorübergehende Erscheinung, im Gegenteil, sie hält sich durchaus hartnäckig. Am vergangenen Mittwoch waren die grossen Strassen in Bosnien wieder weitgehend befahrbar. LKWs wurden zu Karawanen zusammengestellt und von der örtlichen Polizei eskortiert, um einem vorauszusehenden Verkehrchaos vorzubeugen. Somit war auch „unser“ LKW wieder geortet.
Für Freitag um 12:00 war das Treffen bei der hiesigen Zollstation terminiert. Aufatmen!!! Wir hatten allerdings schon im Voraus darauf hingewiesen, dass nach 10:00 morgens die Zollabwicklung kaum noch am selben Tag stattfinden kann. Da man das Deutschland offensichtlich besser weiss, klappt das dann schon.
Donnerstags abends sind die beiden Mitarbeiter der deutschen Spedition eingeflogen. Also am Flughafen abgeholt und zu einem von uns ausgesuchten Hotel gefahren. Konnte der „international tätige Spediteur“  von Deutschland aus offensichtlich nicht selbst organisieren. Ich habe zu wenig Avaritia im Blut.
Also alle Papiere eingetütet und pünktlich am Zoll eingelaufen. Kein LKW da. Erneuter Anruf beim Fahrer: 13:00 wegen einer zusätzlichen Entladung. Man erinnert sich, dass man uns zweimal einen Komplettservice zugesagt hatte. Beipacks sind dabei nicht drin, deswegen wird unsere Fracht auch nicht weiter kontrolliert und bevorzugt abgefertigt.
Inzwischen sitze ich beim Zollabwickler, der den Zollservice macht. Der sieht alle Papiere durch und sagt: Auf den Packlisten stehen ja keine Preise pro Kiste und auch die Stückzahlen würden noch fehlen. Unsere Vorabinformationen waren aber so, dass diese Angaben nicht notwendig sein würde. Wurden jetzt aber doch benötigt.
Also schnell Kopien von den acht Seiten machen, rüber ins Kaffee, der Zollstation, Taschenrechner raus und den Gesamtpreis auf 184 Positionen verteilen. Ausserdem knobeln, wieviel Besteckteile wohl in dem Karton sein mögen, oder wieviele Kleidungsstücke in einem Kleiderkolli…
Um 14:15 fuhr der Fahrer auf den Zollhof und die Listen waren fertig.
Glück muss man haben: wegen der besonderen Situation des Wintereinbruchs und der vielen erwarteten LKWs wird heute ausnahmsweise länger gearbeitet. In ca. einer Stunde könnten wir mit LKW rechnen.
Wir fahren schon mal zur neuen Dunkelkammer. Als der Fahrer um 16:00 nicht kam, riefen wir ihn an. Der stand noch auf seiner Position, allerdings hatte ihm der Zoll die Papiere abgenommen. Da würden die Zahlen nicht stimmen. Ratlosigkeit. Warten bis Montag. Zurück in die provisorische Butze. Niedergeschlagenheit. Und ich war mir sicher, alles richtig gerechnet zu haben. Nicht verzagen, Frau Waas fragen! Die fand denn auch des Rätsels Lösung und die war ebenso einfach wie uncool: ein Zahlendreher. Wir hatten auf den Originalpapieren 16.500€ angegeben und auf der Einfuhrgenehmigung standen 15.600€. Lange Gesichter allerorten. Rumtelefonieren.
Erneutes Glück: An diesem Wochenende würden die Zöllner auch samstags arbeiten… Also samstags morgens die Papiere erneut zur Hand genommen, ein wenig drechseln und feilen und siehe da, die Zahlen stimmten. Ab zum Zoll. Warten.
Ein Schwätzchen mit den Frachtabwicklern. Als Deutscher wird man von fussballinteressierten Einheimischen meist über den merkwürdigen Aufhänger „Bayern München“ in ein Gespräch verwickelt. War alles sehr witzig, da mir diese Aktiengesellschaft notorisch unbekannt ist.
Dann endlich die Auskunft vom Zoll: Zollabwicklung unmöglich, da das Original der deutschen Ausfuhrerklärung noch immer die andere Zahl hätte. Also doch bis Montag warten, denn Originalpapiere sind nun mal Originalpapiere. Am Montag gegen Mittag wurde das Problem dann von höherer Stelle mit grosszügiger Unterstützung bereinigt.
Um 15:00 fuhr der LKW endlich bei uns vor. Die beiden deutschen Möbler waren guter Dinge, denn die hatten ein verregnetes Wochenende im Hotel verbracht.
Zwei Tage sind zum auspacken und aufbauen veranschlagt. Wie soll das alles in der kurzen Zeit gehen? Als ich dann frage, wie die Entsorgung des Packmaterials erledigt werden soll, war im Gesicht des Bestimmers zu lesen, dass auch daran noch niemand gedacht hatte.
Und dann kamen die Beschädigungen ans Tageslicht. Keine Katastrophen aber immerhin.
Klar, dass Glasbehältnisse mit hohem Wasseranteil durch den Frost in Bosnien geplatzt waren. Einzig eine Ration Äppler erwies sich als Frostresistent. Aber auch Metallmöbel waren durch die Umladerei beschädigt worden, denn die Verpackung war ziemlich dünn ausgefallen. Uns war ja versprochen worden, dass alles „so ankommen würde, wie das jetzt hier aufgeladen wird.
Tja, und da wurde aus dem Heiligenschein des Bestimmers mit den locker vertraulichen Sprüchen („…mach dir da mal keine Sorgen…///…das haben wir alles im Griff…) plötzlich ein reichlich scheinheiliges Gesabbel („..das sind doch Gebrauchtmöbel“ // dich stört ja nur, dass das mal umgeladen worden ist…“). 
Da können wir dann aber unangenehm standhaft bleiben. Da ging das Gejammer aber erst richtig los. Ich sage noch, reg dich nicht auf, das wickeln wir über die Versicherung ab, du musst das ja nicht aus deiner Tasche zahlen. Ich vermutete zuerst, dass vielleicht die Versicherung, für die wir gezahlt hatten, auch noch in die Tasche des Spediteurs geflossen ist.
Da ging das Geflenne aber erst richtig los: „Du musst mich doch verstehen, ich bin doch selbstständig“.
Also hatte der Spediteur uns nicht nur mit der Abwicklung belogen, sondern auch noch einen Mitarbeiter als „Selbstständigen“ losgeschickt. Und der zweite Mann war „sein Mann“. Gnadenhalber einigten wir uns vor Ort auf einen Betrag in bar, der natürlich „grosszügig bemessen, zu unserem Vorteil war. Denn wir müssen ja jetzt keinen Brief an die Versicherung schreiben.“ Klar, und den sauberen Firmen kommt zum Glück keiner auf die Schliche. Zum Kotzen.
Endlich war alles fertig und das Packmaterial entsorgt. Dafür hatte der Bestimmer einen Müllmann gefunden, der alles „kostenlos“ entsorgte. Es gibt Leute, die haben mit ihrem Raffzahn auch dabei noch Glück.
Ein letzter Handschlag, da rief wie bestellt die Chefin aus Frankfurt an und fragte/sagte, wir seien doch sicherlich mit dem Service zufrieden gewesen. „International Movers“: Worte können sich nicht wehren…
Ab heute scheint der Frühling mit Macht einkehren zu wollen.
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9 Gedanken zu „Vorläufig geschafft….

  1. @Zaphod – Äppler rulez!

    @Inchtomania – zwischendurch waren meine Kleider nicht da. Das war eine unruhige Nacht. Am nächsten Morgen öffneten wir einen Karton mit der Aufschrift „Gesellschaftsspiele“ und siehe da: da waren sie, die Klamotten…

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  2. Um die Firma sollte man also einen großen Bogen machen…
    aber den Namen hab ich nicht wahrgenommen.

    Wie gut, daß wir nicht von Frankfurt umziehen werden, sondern aus Lothringen… und ohne Grenzübertritt.

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