Übernachtung, Frühstück und TÜV

Schneeschmelze, Frühlingsgefühle und Sonnenschein…

 

Wer länger in einem anderen Land leben möchte, muss es lernen; wers schon mal probiert hat, kennt das. Man muss mehr oder weniger die gleichen Prozeduren abwickeln wie in Deutschland. Ämter, Papiere, Anträge, Stempel und wenn dann alles seine Richtigkeit hat gibts den ersehnten Segen von höherer Stelle.
Dabei finde ich es immer wieder interessant, wie die Dinge jeweils ablaufen. Wie sich das vielleicht vom Gewohnten in Deutschland unterscheidet. Wie man zum Beispiel sein Telefon anmeldet oder den Strom. Und wie werden die Rechnungen bezahlt. Da hat fast jedes Land seine eigenen Regelungen. Mit den vorgeschriebenen Regeln lässt sich jede Staatskasse füllen.
In Montenegro gibt eine jährliche Registrierung für Autos. Die kostet Geld. Wie würde da der ADAC aufstöhnen, wenn seine Millionen Mitglieder ihre Heiligtümer jedes Jahr neu bei der Zulassungsstelle neu zulassen müssten.
Der hiesige TÜV und die entsprechende Verordnung gilt natürlich auch für nette rote Buggelwutzen, die untersucht, gewogen und für gesund befunden werden müssen, bevor das neue Brandzeichen am Stossstängelchen angebracht und ordnungsgemäss im Strassenverkehr mitgemischt darf.
 
Der TÜV (Tehnički Pregled »Pronto« Boljević) ist erstaunlicherweise in einer Art Tordurchfahrt in einem Hotel untergebracht. Warum das so eingerichtet ist, ist mir unbekannt. Dass einer der drei anwesenden Prüfer einige Worte englisch sprach, kam meinen (derzeit) 17 montenegrinischen Worten entgegen.
Zuerst muss man ins Kanzleramt (Kancelarija) und den Papierwust durchstehen.  Das dauerte eine gute halbe Stunde, schliesslich ist die Buggelwutz Ausländerin und Montenegro braucht noch einige Zeit, um Mitglied der Europäischen Union zu werden. Normalerweise wird das sicherlich nur kurze Zeit beanspruchen. Lief aber alles glatt und abschliessend waren 58 Eurotaler an Gebühren fällig. Die Prüfung hingegen ging fast glatt. 
Ein Prüfer riss der Wutz den Rachen auf, und versenkte sich im Motorraum. Dann kam ein zweiter, ich sass im Autochen, dass zu wackeln anfing. Schliesslich kam der dritte Mann dazu. Ich sehe zwischen hochgeklappter Motorhaube und Lenkrad hindurch eine mächtige Zange im Motorraum. – – Der Sau die Zähne ziehen? Nein, die Motornummer suchen und finden war einfach, sie entziffern stellte sich als Problem heraus. Vielleicht man dem Hersteller empfehlen, bei kommenden Modellen etwas mehr Logik walten zu lassen, denn an dieser Stelle ist sie bestenfalls von Artisten zu lesen. Nachdem alle Augenpaare ihr Bestes gegeben hatten, fand die eigentliche technische Prüfung statt: Auf dem Rollenstand den Nachweis erbringen, dass man auch aus dem Schweinsgalopp promt zum Stehen kommt – finito!
Lenkung, Licht, Abgase? Man sieht dem Wutzchen doch an, dass es schnittig durch die Kurven nehmen kann, und der dermassen schöne Augen können nicht lügen – na, und dass hinten kein unangenehmer Duft entströmt, versteht sich von selbst.
Noch einige freundliche Grüsse und ab ging die Post. Auf der Rückfahrt zur Dunkelkammer stellte sich mir die Frage, ob man in Deutschland Ausländern ohne Sprachkenntnisse ebenso freundlich und geduldig in der gleichen Situation begegnet wäre wie mir.
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4 Gedanken zu „Übernachtung, Frühstück und TÜV

  1. In Frankreich braucht man für alles einen Wohnsitznachweis, aber den gibts nicht vom Amt. Gasrechnung, Telefonrechnung, Stromrechnung. Aber irgendwo muß man ja anfangen, denn auch Energieversorger und Telekom wollen einen Wohnsitznachweis sehen. Also bleibt für den Anfang der Mietvertrag – blöd ist das bei Dienstwohnungen, da gibts ja keinen. Und mit Bescheinigungen, daß man irgendwo mietfrei wohnt, wird man blöd angeguckt. Die Postbank hat mir daraufhin seinerzeit erst mal die Kreditkarte verweigert, bis ich regelmäßiges Einkommen nachweisen konnte – ein paar Monate später also.

    Contrôle Technique hab ich hier auch schon gehabt, auch mit ausländischem Auto. Aber der ist vom deutschen Dekra entwickelt worden; da war nix zu beanstanden. Und ich hab ja den Vorteil, die Landessprache zu beherrschen, bis auf Fachwörter.

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  2. @Wolfram – Die Beherrschung der jeweiligen Landessprache macht wirklich vieles einfacher. Andererseits laufen über 60% der Kommunikation ohne Sprache ab. – – –
    Interessant sind aber die Gründe für verschiedene Regelungen, z.B. in Frankreich die Sache mit den Wohnsitznachweisen.
    Hier musste ich beim TÜV den Namen von Vater und Mutter (nur) ganz einfach angeben. Das ist wahrscheinlich ein Relikt der uralten Vererbungstradition auf dem Balkan (patrilinear).

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  3. „Wie würde da der ADAC aufstöhnen, wenn seine Millionen Mitglieder ihre Heiligtümer jedes Jahr neu bei der Zulassungsstelle neu zulassen müssten.“

    Fände ich gut. Vielleicht würden dann einige Besitzer überlegen, ob es nicht besser wäre, ihre Stinkmorcheln aus dem Verkehr zu nehmen.

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