Das italienische Wochenende ist vorüber

Ein Tag in der Dunkelkammer…
Das Schöne am Leben im Ausland ist für mich neben anderem, dass man sehr einfach und meist unkompliziert mit unterschiedlichen Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen zusammentreffen kann. Da ist jeder Ausländer und das verbindet die Menschen dann doch wieder.
Letzte Woche trudelte eine Mail ein mit einer Einladung zu einem Kochkurs sizilianischer Gerichte in kleiner Runde. Wir trafen uns in der itzekleinen Wohnung eines Sizilianers. Der hatte bereits alles eingekauft und erzählte informativ über die sizilianische Küche und was wir heute gemeinsam zubereiten würden.
In der kleinen Küche wurden abwechselnd die benötigten Zutaten für ein einfaches Menu geputzt, geschnippelt, gebraten, gebacken – gekocht halt. Ein trockener roter Montenegriner erleichterte das kennenlernen und die Stimmung war prächtig. Das Timing haute zwar nicht so hin, aber es war des Kochs erster Kurs, da sieht man über kleine Unebenheiten gerne hinweg.
Es gab zum Appetit anregen vornweg eine herzhafte Bruschetta, dann folgte eine Aubergine caponata mit dunklem Brot, danach käsegefüllte Fleischbällchen. Den Hauptgang bildeten Spacciatelle Concettina Nonna (Grossmutter!) mit einem kräutrigen Orangensalat und zum Abschluss lockten feine in Vanillezucker gewälzte kandierte Mandeln.
Bei diesem Dessert wurden dann ob der guten Stimmung gleich Pläne für den folgenden Sonntag gemacht.
Bei dem Sonnenschein der beiden letzten Tage gewann der Strand klar gegen einen Ausflug in den Schnee.



Also trafen wir uns sonntags morgens bei strahlendem Sonnenschein am osmanischen Glockenturm und fuhren runter zum plevika plaža (grosser Strand) bei Ulcinj, der sich über etliche Kilometer bis zur albanischen Grenze erstreckt. Feiner Sandstrand. Unendlich scheinendes blaues Meer. Das lässt den Winter und einige der Beschwernisse der letzten Wochen vergessen. Ich dachte an ein ruhiges Dösen, ein wenig fotografieren.

Da hatte ich mich wohl mit den italienischen Freunden verrechnet. 
Ein uraltes Urlaubsbild stieg vor mir auf. Ich war mit meinen Eltern manchmal in den Sommerferien in Italien. Dort spielte ich mit anderen – meist italienischen – Kindern am Strand. Damals waren Plastikkugeln in Mode, die eine Hälfte war farbig, die andere durchsichtig. In der Mitte war auf einem runden Stückchen Pappe das Portrait eines Radrennfahrers. Wer erinnert sich noch an Rudi Altig, den alten Oberdoper?
Dann wurden im Sand Bahnen gebaut und man schnippte mit dem Finger seine Kugel im Kurs vorwärts, wenn man an der Reihe war. Wer seine zwei, drei Runden ohne Fehler zuerst hinter sich gebracht hatte, war der Sieger.
Was mir allerdings mehr in Erinnerung geblieben ist als das eigentliche Spiel, das war die Zeremonie vornweg. Regeln, Bauplatz, Baupläne – kommt hier eine Kurve hin oder dort – mir schienen die Diskussionen der Kinder damals endlos. Mag sein, dass es auch daran lag, dass ich mangels Sprachkenntnis eh keine Chancen hatte. Hauptsache war für mich, dass sie mich, den tedesco, mitspielen liessen.
Ich machte es mir gerade in der Sonne gemütlich, da gings los. Was wird gespielt? Wo? Fussball also. Was für ein Glück, dass ich nicht mehr Fussballspielen muss in meinem Alter. Obwohl, die anderen waren auch nicht viel jünger und hatten schon ihren Spass am abstecken des Spielfeldes, der Festlegung der Regeln, soll das Tor breiter sein oder doch vielleicht schmaler. Ab wo darf man aufs Tor schiessen, denn auf Torwarte wurde verzichtet. Zwei Tore, Strafräume, Mittelkreis. Ich steckte mir eine Zigarette an und fotografierte in der Gegend herum. Da hörte ich meinen Namen rufen.
Es hat Spass gemacht, aber in dem tiefen lockeren Sand war es eine ziemlich schweisstreibende Angelegenheit. Nach einer halben Stunde in der prallen Sonne verabredeten wir schnaufend und schwitzend eine Pause – wir sind nicht mehr die jüngsten. Als wir noch aushandelten, wie lange die Pause dauern sollte, sprangen schon einige Leute zur Abkühlung ins kalte Wasser.
Dann die weise Entscheidung! Wir gehen jetzt lieber frische Fische essen. Was ohne langes Für und Wider einstimmig angenommen worden ist. Auf dem Rückweg setzten wir uns noch in Café an die Strandpromenade in Bar, da gabs ein lecker Eis und einen feinen tiefschwarzen Espresso. Und eine schöne Abendstimmung…

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6 Gedanken zu „Das italienische Wochenende ist vorüber

  1. Ich muss erst lesen, eh ich kommentieren kann ! Dazu muss ich im Bett liegen. JETZT ! Aber dann schlafe ich gleich. Also morgen oder so, ok ?

    ;-)))

    Grüße aus Pappenheim *g*

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  2. Klingt nach einem perfekten Tag.
    Und! Ich kann mich noch an Herrn Altig erinnern. Weiß sogar, wie er zu seinem gelben Trikot kam (wurde ja später gern vergessen) und dass er im greisen Alter recht seniles Zeugs von sich gegeben hat. *grins*
    Aber ich gehörte in jüngeren Jahren ja auch selbst dazu, da kennt man sich halt aus im Kollegenkreis, auch wenn diese älter sind *breitgrins*

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  3. @ anonym: wünsche wohl geruht zu haben ;-))

    @ skFFM: erste Sahne würde ich sagen

    @ Zaphod: recht erfrischend? Mir hats bereits gereicht, als das Wasser meine Knie erreichte…

    @ Inchtomania: da gelbe Triktot leuchtet auch in meiner Erinnerung noch dunkel auf

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  4. Als halber Wikinger ist man anderes gewohnt, hier springen die Leute zum Neujahrsbaden in die vereiste Nordsee *g*.
    (Okay, ich nicht, nur die Wahnsinnigen, aber im Mai war ich immerhin auch schon mal drin)

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