Am Flughafen – ein Lehrstück

Wohnungen und Häuser scheinen leer zu sein – alle Menschen sind draussen…
Ich mochte ihn schon, als ich das erste Mal dort war – den Flughafen von Podgorica. Eine moderne, klar strukturierte saubere Hallenkonstruktion. Keine 35 Duty-Free-Shops und überflüssiger Schnick-Schnack überall. Freie Parkplätze rundum und vor allem keine stylish businessmässigen Menschenmassen mit gestresstem Gesichtsausdruck. Ach ja, und die in Lateinamerika auf den Flughäfen allgegenwärtigen Trekking-Adventure-Survival-Touristen aus Deutschland, die immer so aussehen, als würden sie in einen Dschungelkrieg ziehen, scheinen glücklicherweise über das Land hier hinweg zu fliegen.
Deshalb freute ich auch mich darauf, einen lieben Menschen dort abzuholen. Der Zeitplan stand und in der Dunkelkammer wurden die letzten Vorbereitungen für eine angenehme Ankunft getroffen. Frischer Saft gepresst und dies und das, als das Klingeln des Telefons das Werkeln unterbrach.
Der Flieger sollte den Reisenden nach einem längeren Flug und dem Zwischenstopp in Belgrad am Nachmittag hier ankommen lassen.
Die Nachricht brachte unangenehme Neuigkeiten: der Flug von Belgrad sei storniert worden. Man suche nach Alternativen. Es gäbe da aber die Möglich via Dubrovnic. Allerdings gäbe es dann eine entsprechende Verspätung. Kurze Kalkulation (Zeit x Freude): ich hole dich in Dubrovnic ab. Kurze Diskussion: Man könnte aber auch ein Taxi nehmen etc… 
Fünf Minuten später war die Buggelwutz auf der Piste. Nach Dubrovnic sind es von hier aus schlappe 120km, eine vorwiegend gebirgig kurvige Strecke mit den schönsten An- und Aussichten. Und das Wetter tat ein Übriges. Schade nur, dass ich gegen die Uhr fuhr, denn der Reisende war zu allem Verdruss unterwegs auch noch erkrankt. Aus diesem Grund musste die Kamera diesmal zuhause bleiben. Unterwegs dann hin und wieder gegenseitige Anrufe über kleinere Ärgernisse wie z.B. erneute Verspätungen.
Die Fähre in Tivat erwischte ich problemlos. Die kurze Überfahrt erspart viele Kilometer, denn sonst müsste man die „Bucht von Kotor“ – den südlichsten Fjord Europas – umfahren. An der Grenze fehlte mir die grüne Versicherungskarte. Keine Einreise nach Kroatien möglich, sorry… Ein Anruf: der Flieger ist gelandet. Verhandlungen am Grenzerhäuschen, erklären, bitten, fragen, jammern… der Schlagbaum geht endlich hoch. Ich schätze es, mit Menschen persönlich zu sprechen statt mit einem Callman – oder girl Callcenter.
Jetzt kriegt die Wutz die Sporen für die letzten Kilometer zum Flughafen und als ich vom Parkplatz zum Flughafengebäude komme, schiebt der Reisende gerade sein Kofferwägelchen ins Freie….

An sich eine nette Anekdote, doch hinter all dem steckt eine bittere Realität. Man hatte den Reisenden vorab per Mail von der Stornierung des Fluges informiert. Dies war die Information des etwas erstaunt blickenden Mitarbeiters am Schalter in Belgrad, als der Reisende sagte, er wisse von keiner Stornierung und was man jetzt machen könne.
Man muss sich das in aller Ruhe vorstellen: Da will ein Mensch ein paar Tage seine Ruhe, entspannen, abtauchen und sich erholen. 
Ein Mensch, der noch nicht von Sozialaids (z.B. fetzbuch) infiziert ist, der sich keine Daumenarthrose durch unablässiges Tastendrücken auf seinem Handlich einfangen will; der sich wichtig vorkommen muss, indem er ständig irgendein unnützes Display anstarrt oder mit zugestöpselten Ohren geschäftig durch die Welt hetzt – er wird in einem Fall wie diesem wie ein Ausserirdischer behandelt, der die einfachsten Sachen „nicht drauf hat“.
In diesem Fall wars lediglich eine unangenehme Hetzjagd, die glimpflich ausgegangen ist (von der Erkrankung mal abgesehen), doch ich habe auch schon erlebt, dass da ganz widrige Probleme und vor allem erhebliche Kosten entstanden sind, weil teure neue Tickets gekauft werden mussten.
Wenn vor Jahren sowas passierte, handelten die Fluggesellschaften noch wesentlich flexibler und vor allem kostengünstiger.
Ob sich in Zukunft etwas zum Besseren wenden könnte? Ich habe da keine Hoffung, Hoffnung ist ja eher etwas für Verzweifelte…. Ich bleibe lieber Realist: da es nur um den Profit geht, darf man auf die nächste schöne Neuerung schon gespannt sein.
Advertisements

8 Gedanken zu „Am Flughafen – ein Lehrstück

  1. Da wird sich nichts zum Besseren wenden, solange Fluggesellschaften sich mit 19 Euro Tickets Konkurrenz machen.
    Ich kann mir grad überlegen von welchem Dorfflugplatz ich am besten nach Faro komme, denn wenn ich von Hamburg aus fliege kann ich in Lissabon noch eine Stadtbesichtigung einschieben, weil natürlich nur die Metropolen verbunden sind.
    Dagegen sind selbst Bahnreisen inzwischen entspannend, aber für größere Entfernungen leider keine Alternative.

    Gefällt mir

  2. Aus Gründen der „Übersichtlichkeit“??? ich glaube eher an „Freiheit“ als Slogan – da wir immer mehr von Systemen abhängig gemacht werden, taucht seit einigen Jahren immer häufiger das Wort „Freiheit“ oder Flexibilität“ auf 😉

    Gefällt mir

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s