Schön sein…

So kanns bleiben…

 

Es gibt so Themen, da kann mir das Messer im Sack aufgehen. Mode ist eins davon.
Eben noch schnell einen dieser leckeren Sandwichs reinziehen, die hier so beliebt sind – das war angesagt. Natürlich läuft in dem Laden ein TV ohne Ton, dabei brauchen sich die Speisen auf dem Teller keinesfalls zu verstecken. Die Musik aus den Lautsprechern rumort dafür umso schlechter und lauter. Die Augen der Gäste verfolgen das Geschehen im TV.
Auf dem grossen Flachbildschirm an der Wand lief eine arabische Modenschau.
Die Badenazüge der gläubigen tunesischen, besonders aber der libyschen Frauen, konnte ich ja nun im letzten Sommer ausgiebig bestaunen, jedenfalls bei denen, die ein deartiges Outfit trugen und sich nicht gleich mit ihrer normalen Alltagskleidung in den Pool senkten. Diese Bademode besteht aus einem hautengen schwarzen Plastikgewebe, das vom Hals bis zu den Knöcheln ragt – und die Arme inklusive bedeckt und dennoch jede Körperfalte zeigt (honi soit qui mal y pense). Über den Hüften flattert als Zierrat ein Wedelfetzchen in pink oder giftgrün. Und als Krönung das schwarze Badehäubchen, unter dem die üppige Haarpracht verschwindet, und das liess schon öfter Assoziationen an Kürbisse und ähnliche Gewächse aufkommen.
Da gefielen mir die alten Frauen besser, die ihre glaubensentsprechende Kleidung trugen. Für die wurden gelegentlich am Strand diese sattsam bekannten weissen Plastikgartenstühle gemietet und männliche Familienmitglieder trugen die Frau dann auf dem Stuhl sitzend ins seichte Wasser gerade so weit, dass die Oberkante der Rückenlehne gerade noch aus dem Wasser ragte. Da sassen die Frauen dann und schauten dem fröhlichen Treiben der Jüngeren in den Wellchen des südlichen Mittelmeeres zu.
Zurück zur Modenschau. Dünnärschige Bürschen tänzelten über den Laufsteg – nicht Fisch nicht Fleisch – zwischen den weiblichen Schönheiten, die den Dernier Cri für die Schönseinwollenden zwischen Mekka und Casablanca vorführten.
Wenn ich dann am Ende dieser peinlichen Auftritte die „Modeschöpfer“ sehe, diese Kunstgestalten, die sich weiss der Himmel warum, an Männern und Frauen mit ihren unsäglichen und im täglichen Leben meist völlig unpraktischen zusammengeflickten Fetzwerk rächen müssen, geht mir jedesmal die Galle über.
Man stelle sich vor, diese Leute benutzten ihre Kreativität für etwas, das den Menschen wirklich dient und nutzt. Wahrscheinlich sind sie dazu aber weder Willens noch in der Lage.
Ich bin jedenfalls froh, dass die Menschen in Lummerland sich den Sinn für das wirkliche Leben noch erhalten haben und sich kreativ und ihrer Persönlichkeit entsprechend zu kleiden verstehen.
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4 Gedanken zu „Schön sein…

  1. Der Lagerfeld-Gaultier-Versace-Chose steh ich auch ziemlich verständnislos gegenüber, viel schlimmer finde ich die Joop-Boss-Hilfigerklamotten, die einem gleich mit dem Schriftzug ins Auge stechen.
    Andererseits muss man, um sich kreativ und seiner Persönlichkeit entsprechend kleiden zu können, auf Mode zurückgreifen, die irgend ein kreativer Kopf mal erschaffen hat. Ich versteh nicht genug von Mode um zu erkennen, ob der nicht vielleicht von der Lagerfeld-Gaultier-Versace-Chose beeinflusst wurde, ähnlich wie Clapton von Cale.
    Man könnte natürlich alles kreativ selber schneidern, aber ehrlich, wer macht das schon. Die werden dann meistens Modeschöpfer *g*

    Ich müsste mal meine Holde fragen, die trägt so Zeugs.

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  2. Sehr schön beschriebene Badeszene. *grins*
    Und zur Mode und diesen Kunstfiguren, magersüchtigen Männern und Frauen (die ich übrigens nicht als Schönheiten bezeichnen würde, viel zu mager) kann ich Dir nur Recht geben

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  3. …und am allerschlimmsten finde ich es, wenn Leute gleichzeitig untaugliches Zeug anziehen und dann mit ihrem Brandzeichen (Tatze!) auf der linken Schulter aller Welt zeigen, zu welcher Herde sie gehören. Beim kühnen Recken Siegfried zeugte das Lindenblatt wenigstens noch von Individualität – „follow the flock“, wie es schon die Hillfigger Reklame zeigt.

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