Form folgt Funktion – was aber, wenn die Funktion nichts taugt?

Wie lange will der April noch dauern? – ich war auf einen sonnigen Frühling eingestellt…

Bestimmt hat jeder Mensch, der sich mal ein ausgesprochenes „Design-Objekt“ geleistet hat, schon seine eigenen überraschenden Erfahrungen damit gemacht. Man kauft ein „schönes Stück“ und muss dann im alltäglichen Gebrauch schmerzlich feststellen, dass es eigentlich nur eingeschränkt tauglich und eher für die Vitrine zum (re-)präsentieren geeignet ist.

Mein eigenes (frühes) Lieblingsbeispiel ist der Kugelschreiber (Colani NO1), den Luigi Colani zwischen 1979 und 1981 für Pelikan gestaltet hat. Er lag beim Schreiben prima in der Hand. Bei diesem „Designerkuli“ konnte man die wichtigen Funktionen zwar mit einer Hand bedienen, leider flog aber schon nach kurzer Zeit die geriffelte Schiene, die die Mine freigab als kleines Geschoss davon. Der Preis war klein, man konnte drüber lachen und kaufte einen neuen. Nach dem dritten Mal war der Spass dann aber vorbei.
Ein harmloses Beispiel. Arg wird das aber, wenn es ins Geld geht und man die Dinge nicht eben gerade mal ändern kann oder sie sogar alltägliche Abläufe behindern.

Zwei aktuelle Beispiele aus der Dunkelkammer. Waschmaschinen werden hier meist im Bad untergebracht. Unsere Waschmaschine haben wir mitgebracht, die hat normale Masse, wie sie auch hier verwendet werden. Nun haben wir an unserem Waschmaschinenplatz eine einfache Wahl – entweder man schliesst die Tür zum Badezimmer, dann muss die Waschmaschine weit geöffnet bleiben, oder man macht die Waschmaschine zu,…
Ich frage mich, was der Planer wohl gedacht hat, als er den Platz dafür zeichnete, denn uns fehlen gerade mal ein paar Millimeterchen für den ganz normalen Betrieb?
In der Küche wurde der Aberwitz dann gesteigert. Da ist eine Schiebetür zum Wohnzimmer, die praktischerweise immer offensteht. Immer? Nein, natürlich nicht, denn wenn man den Lichtschalter für das Küchenlicht bedienen möchte, muss man die Schiebetür schliessen, da sich der Lichtschalter direkt am Türrahmen und somit unerreichbar hinter der offenen Tür befindet. Erhebt sich die Frage, warum der Schalter nicht auf der anderen Seite der Tür installiert worden ist und gut wärs gewesen.

Überhaupt Küchen, da scheinen Heerscharen von Schildbürgern in den Planungsbüros zu sitzen. Es ist ohnehin auffällig, dass die meisten „kreativen Gestalter“ offensichtlich selbst kaum in den Küchen kreativ tätig sind, sonst wären mehr Küchen auf die wesentlichen Arbeitsabläufe hin konzipiert. So aber findet man allenthalben Küchen, die modulmässig zusammengestoppelt und zum kreativen Schaffen wenig geeignet sind. Und es gibt unter dieser Prämisse wenige wirklich brauchbare Küchen, von den zwei deutschen Marken mit den gepfefferten Preisen für die Besserverdienenden mal abgesehen.

Einer, der sich vor Jahren schon mit diesem Thema beschäftigt hat, war mein absoluter „Lieblingsgestalter“ Otl Aicher (1922-1991), einem der Mitbegründer der legendären Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm. Da er privat sehr gerne kochte, kam es wohl zwangsläufig, dass er sich mit der Problematik der Gestaltung einer idealen Küche auseinandersetzte. Seine klugen Überlegungen, die er auch in seiner eigenen Küche dann konkret umsetzte, kann man in einem sehr informativen Buch nachlesen. Dieses Werk empfehle ich jedem, der nicht nur kocht, weil das zum Leben dazugehört; sondern das, was er (gerne) tut, überdies auch hin und wieder reflektiert.

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15 Gedanken zu „Form folgt Funktion – was aber, wenn die Funktion nichts taugt?

  1. Hättste sie mal behalten, die Colanis. Die Amis scheinen da ganz wild drauf zu sein, in der US Bucht bringen die 150$, in Deutschland gibts die schon fürn 10er, hab aber keine Ahnung obs da unterschiedliche Ausführungen gibt.

    Das mit dem Lichtschalter hab ich echt nicht verstanden, liegt vielleicht auch an der Uhrzeit oder der Sportzigarette, aber meiner Meinung nach kommt man bei einer offenen Tür besser an die Türrahmen auf beiden Seiten der Tür, als wenn sie geschlossen wäre, denn dann ist ja nur eine Seite des Rahmens erreichbar.

    Ich wäre übrigens schon dankbar, wenn in meine Küche überhaupt so etwas wie eine Einbauküche passen würde, oder eine Waschmaschine in mein Bad. Solange „Form folgt Funktion“ nicht auch für Architekten von Genossenschaftswohnungen gilt taugt das alles nix 😀

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  2. Kann es sein, dass die Waschmaschine eigentlich andersrum stehen soll? Also mit der Seitenwand zur Tür? Oder passt das dann auch nicht?
    Aber vielleicht sind die in Montenegro auch nur kleinere Maschinen gewohnt.

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  3. Äh, Zaühod, ich glaube Herr Ärmel sprach von einer Schiebetür, wenn ich richtig gelesen habe.
    Was aber Designerstücke angeht. Sei froh, dass es n ur ein Kuli war. Ich hatte jahrelang so einen „Couchtisch“. Ich habe ihn eigentlich immer noch. Nur steht er jetzt im Zimmer des Kleinen Kindes, weil Gäste ihn regelmäßig in seine Einzelteile zerlegten, wenn sie ihn ein paar Zentimeterchen verrücken wollten, was sich als besonders ungünstig erwies, wenn Kaffee oder Saft oder Rotwein drauf stand.

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  4. Die Maschine steht schon richtig rum: Rückseite Wand, rechte Seite Wand, linke Seite Klo – bleibt also zum öffnen nur die Vorderseits 😉
    Es gibt allerdings hier auch kleinere Maschinen, da ist dann aber der Platz in den Bädern auch kleiner, wie wir bei Wohnungsbesichtigungen gesehen haben.

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  5. Ja das mit der Schiebetür hab ich auch gelesen, ich nahm aber an das die irgendwie in der Wand verschwindet oder sich ziehharmonikaartig zusammenfaltet, aber eine Tür die sich vor den Lichtschalter schiebt, mit so viel Blödheit hab ich nicht gerechnet.

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  6. Das ist der ganz normale Wahnsinn, Herr Ärmel. Für das Badezimmer empfehle ich eine klitzkleine Sprengladung, nur soviel, daß sich der Raum um die paar fehlenden Millimeter ausdehnt. Oder man wartet einfach ein wenig und nutzt die allgegenwärtige Expansion des Weltalls; das sollte auch erfolgversprechend sein. Dauert halt etwas länger… *g*
    Für den Lichtschalter finde ich auf die Schnelle leider keine praktikable Lösung.

    OT: mich beschäftigt allerdings gerade eine ganz andere Frage:
    Darf man eigentlich am Karfreitag staubsaugen, wenn man Besuch erwartet und bekennender Ungläubiger ist ?

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  7. Da ich keine Laubsäge in der Dunkelkammer habe, um ein kleines Stückchen Tür auszusägen (egal ob Badezimmer- oder Waschmaschinentür) werde ich so verfahren: ich schrappe die Türen solange aneinander vorbei, bis das passt. Dem Einstein habe ich eh nie geglaubt.

    Karfreitag staubsaugen? Aber sicher doch, wenn du dir fein das weisse Schürzchen vorbindest und auch das Häubchen nicht vergisst, wird dich der Kardinal eigens segnen.
    Was allenfalls (Katholiken zumindest) untersagt ist: der Gebrauch von Maggi freitags! Dies allerdings an allen Freitagen im Jahr. Die Erörterung dieser hochtheologischen Fragestellung stammt übrigens von Pater Leppich, dem „Maschinengewehr GOttes“.

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  8. Da die Waschmaschine eh offen stehen sollte, um nicht zu rosten, ist die Sache doch schnell gegessen, oder? Solang die Deckelmaße stimmen, geben die Hersteller mittlerweile gern den Maschinen irgendwelche Bäuche, da geht dann bißchen was mehr in die Trommel oder so – und die Tiefe stimmt nicht mehr. Außer am Deckel natürlich, der ist immer noch 60*60.
    Würde in die Nische ein Toplader passen?

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  9. Wow – du kennst den Colani-Kugelschreiber! Schade, dass du ihn in so schlechter Erinnerung hast.
    Ich hab' meinen ca. Mitte der 80er als Werbegeschenk bekommen, und er funktioniert heute noch,
    trotz intensiver Nutzung.

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  10. da hast du Pech gehabt und eine Fehlkonstruktion erwischt ;-))

    Ich hatte den hellgrauen mit schwarzem Geschoss – welchen hast du? // gib fein Acht: wie Zaphod schon schrieb, gibts da Leute, die zahlen richtig Asche dafür und Werbemodelle sind allgemein begehrt bei Sammlern

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  11. Ich hab' den schwarzen, mit Werbeaufdruck „Kontron Phystech“ (noch rudimentär lesbar).
    Farbe der Mine? K.A, hab' ich inzwischen sicher mal gewechselt.
    Danke für den Hinweis; mal kucken, was er auf eBay bringt.

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  12. Eure Kugelschreiber sind mir Wurst. Ich schreibe eh noch mit Gänsekiel und Eigenblut,
    zur Not auch mit Fremdblut.
    Kompjuter und/oder Kulis oder wie auch immer sich dieses neumodische Teufelszeug nennen mag, kommen mir jedenfalls nicht ins Haus. Niemals. Vallah!

    Überdies hinaus stelle ich fest: Ich werde staubsaugen ! Ja.
    Höchstwahrscheinlich. Oder so.

    Fröhliche Kreuzigung Euch allen… 🙂

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