Tonnenschwere Schmuckstücke

Zwischendurch ein Zwischenhoch…

Beim Verlassen der Dunkelkammer rief mir meine innere Stimme noch zu: „Nimm deine Kamera mit“. Natürlich widersprach ich ihr, da ich ja nur kurz um die Ecke musste; zehn Minuten höchstens würde ich brauchen. Ging auch alles ganz schnell. Auf dem Rückweg an der Ampel stand er aber plötzlich neben mir.
Rot und mit den sichtbaren Spuren eines langen Arbeitslebens rundum. Kipperaufbau. Eckhauber der zweiten Generation. Ein Magirus. Ob Saturn oder Mercur – keine Ahnung, ich bin ja kein Spezialist.
Alte LKWs faszinieren mich grundsätzlich. Sie erinnern mich jedesmal daran, wie ich als Kind die Lkwfahrer bewunderte. Sie strahlten eine gewisse Überlegenheit aus, ein Wissen um jede Schraube und eine gewisse Liebe zu ihren Fahrzeugen. Mag sein, dass ich das wegen der schieren Grösse der Lastkraftwagen so empfand und weil ich einige Male mitfahren durfte. Rückblickend habe ich eine Hochachtung für diese Männer schon alleine deswegen, wenn man sich ihre Arbeitsplätze genauer anschaut. Eng und unbequem, ohne Servolenkung und jeglichen Schnick-Schnack. Harte Arbeit muss das gewesen sein. Kaum vorzustellen, dass diese kernigen Männer die Füsse lässig auf dem Armaturenbrett ausgestreckt mit 110km/Std. auf einer Autobahn dahin cruisten, wie das heute öfter zu sehen ist… Ich erinnere mich noch an berühmt berüchtigte Autobahnabschnitte, wie z.B. die Geislinger Staige im Schwäbischen und wie die LKWs sich dort schwer hinauf arbeiteten. Dann fallen mir natürlich noch die Hochalpenstrassenüberquerungen zu den Urlaubsorten ein. Gross Glockner oder St. Gotthard. Da blieben selbst schwere Fernlaster ohne Hänger in den spitzen Kehren fast stehen. Oder die haarigen Situationen, wenn die Strassen so eng wurden, dass schwierigere Ausweichmanöver nötig wurden…
Als Kind hatte ich neben anderen mehrere Magirusmodelle von Wiking. Feuerwehrautos, Langholztransporter und ähnliche. Dass das grosse stilisierte M auf den Kühlergrills das Ulmer Münster symbolisierte erfuhr ich erst vor wenigen Jahren vom freundlichen Herrn Sloboda bei einem Besuch in Ulm. Mir fällt gerade ein, dass diese Zuneigung zu den alten LKWs auch durch die Fernsehserie Die Fernfahrer ausgelöst worden sein könnte, die von 1963 – 1967 von der ARD ausgestrahlt worden ist. Mein Hauptdarsteller war darin ein Büssing 8000.

Der wunderschöne Magirus ist mir heute früh zwar durch die Lappen gegangen, aber dafür habe ich dieses goldgelbe Schmuckstück in Cetinje gesehen. Die beiden Fotos zeigen einen Famos 1314 (Fabrika Motora Sarajevo) von Anfang der 60er Jahre. Schweizern wird besonders das Gesicht bekannt vorkommen, denn die LKWs wurden als Saurer Lizenz in Jugoslawien hergestellt. Einen genaueren Blick auf die Details, wie z.B. die Peilkugel auf dem Kotflügel verkneife ich mir jetzt, sonst komme ich erst Recht ins Erinnern und Träumen und am Ende würde ich mich dann noch auf die Suche nach dem roten Magirus machen; ein Nummernschild aus Podgorica hatte er ja, da kann er also so weit entfernt kaum sein….

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4 Gedanken zu „Tonnenschwere Schmuckstücke

  1. Knuddelig sieht er aus. Obwohl er's vermutlich nicht ist. Und ja, die alten Fortbewegungsmittel strahlen Charakter aus. Ob es heutigen Modellen dereinst auch so gehen wird? Werden heutige Modelle überhaupt so lange leben?

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  2. Jaaa, der Büssing 8000, das war noch ein LKW. Ein echter LastKRAFTwagen, der hatte Charakter, den fand ich als Kind auch ganz toll. LKWs brauchen eine große Motorhaube, von den Amis fand ich den Kenworth auch immer am coolsten. An Fernfahrer mit Pit Krüger (ich dachte immer das wäre Bum Krüger gewesen) kann ich mich auch noch dunkel erinnern, und das mein Vater damals über die Schauspieler gelästert hat, weil sie so übertrieben an den Lenkrädern gewackelt haben bei der Fahrt. Wahrscheinlich haben sie dabei noch eine Landschaftstapete am Fenster vorbeigerollt, ich müsste mir die Serie direkt mal besorgen 🙂

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