Von Osterhasen und roten Eiern

starke Sonne – starke Wolken…

 

Frau Waas hatte ihres Kaufladens wegen in Kotor zu tun. Da bot es sich an, die Kameras einzupacken, um die Stadt zu erkunden. Kotor liegt am Ende des südlichsten Fjords Europas gut versteckt durch eine gebirgige Barriere, welche die Stadt von der Adria her unsichtbar verdeckt.
Kein Wunder also, dass Kotor nicht nur in militärischer Hinsicht seit jeher ein interessanter Standort war. Über diese wunderschöne kleine Stadt aber genaueres in einem folgenden Posting.
Am kommenden Wochenende, also eine Woche später als andere christliche Kirchen, feiern die orthodoxen Christen das Osterfest. Rein konsumtechnisch und verweltlicht gibt es kaum Unterschiede zu dem, was auch der Rest der europäischen Christenheit kennt – Süsskram, Rabatte in den Läden und überflüssiger Schnick-Schnack, der für eine Weile als Staubfänger dient und früher oder später in der Tonne landen wird.
Ein Pope, der mir mir meine Fragen zu den Besonderheiten bzw. Unterschieden der orthodoxen Kirche nennt, habe ich noch nicht gefunden. Durch Gespräche und Nachfragen bin jedoch auf einige spezielle Eigenheiten aufmerksam geworden. Ostereier gibt es eigentlich nur in Rot, wobei die Farbe Rot das Blut des Christus symbolisiert. Ostereier für die Kinder werden nicht versteckt und dan gemeinsam gesucht. In den Läden habe ich keine besonderen süssen Ostereier (Fondanteier, Geleeeier, Krokanteier usw.) entdeckt. Eier werden hartgekocht und dann angemalt, gelegentlich auch an Sträusse im Haus gehängt. Bei einem Treffen der Familie oder mit Freunden werden die roten Ostereier dann gemeinsam gegessen.
Auch Osterhasen sind bekannt, haben aber offensichtlich keine weitere Bedeutung wie bei uns als Ostereierfärber und -verstecker. Ich gehe nach vorläufigem Kenntnisstand davon aus, dass sie als Konsum- respektive Geschenkartikel verwendet werden. Auf dem Marktstand in Kotor, dem einzigen übrigens, wo ich Osterartikel sah, sind sie neben anderen Plastikstofftieren fernöstlicher Produktion zu sehen.
Religiös praktizierende Menschen grüssen sich gegenseitig an Ostern mit dem Satz „Christus wird auferstehen“, worauf der Begrüsste antwortet „Er wird auferstehen“, statt der uns geläufigen schlichten Formel „Frohe Ostern“. An Karfreitag und Ostermontag haben die Menschen auch hier arbeitsfreie Tage.
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7 Gedanken zu „Von Osterhasen und roten Eiern

  1. Achte in der Nacht von Samstag zu Sonntag auf die Kirche! Da müsste gegen Mittenacht ordentlich was los gehen. Gottesdienst, Prozession mindestens um die Kirche herum, viele Lichter in der Nacht, evtl ein lauter Knall gegen Morgengrauen (die Auferstehung Christi soll das symbolisieren, weil das wir eine Befreiung ist) evtl auch noch eine Prozession am frühen Morgen. So jedenfalls kenne ich die orthodoxen Osterfeierlichkeiten. Da ist Ostern nämlich mindestens genau so viel wert wie Weihnachten, in der Russisch-Orthodoxen sogar viel wichtiger.
    Rote Ostereier symbolisieren übrigens das Blut Christi

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  2. Meines Wissens – aber ich bin in slawisch-orthodox nicht sehr firm – steht die Formel nicht im Futur, sondern im Perfekt: „Christus ist auferstanden“ – „Er ist auferstanden.“
    Die gibts auch in der Westkirche, weil sie älter ist als das Schisma: Christus resurrexit – vere resurrexit. Auf deutsch „Christus ist auferstanden“ – „er ist wahrhaftig auferstanden.“ Und man kann noch „Halleluja“ hinzufügen.

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  3. Ist der orthodoxe Christus eine Woche später gestorben/auferstanden, haben die eine andere Zeitrechnung oder warum sind die so spät dran? Und was würde passieren wenn man auf den Gruß „Christus ist auferstanden“ mit einem freundlichen „nee also wirklich? das glaub ich jetzt aber nicht“ antwortet? Gerne auch mit einem kräftigen „Halleluja“ hintendran. *fg*

    Bei Aldi sieht es übrigens eine Woche nach Ostern immer noch so aus wie eine Woche vorher, überall bunte Eier. Ich dachte erst die müssen verramscht werden, aber vielleicht nimmt Aldi auch nur Rücksicht auf die hier lebenden Orthodoxen.

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  4. Manchmal sogar zwei Wochen! Genau wie die Oktoberrevolution erst im November…
    Das Stichwort heißt „Julianischer Kalender“, der ist in der Orthodoxie immer noch aktuell.

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