Dioklea – Diocletian – Duklja

Drei Stunden Sonne am Stück…

Wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt und schon ganz in ländlicher Gegend liegt Duklja, das antike Doclea. In dieser Stadt soll angeblich Diocletian (ca. 240-312) geboren worden sein. Diocletian ging als Reformer des spätrömischen Reiches in die Geschichte ein, das im dritten Jahrhundert allerdings bereits auf seinen Zerfall zusteuerte.
Das heutige Duklja ist ein überschaubares Ruinenfeld, das hauptsächlich aus Mauerresten besteht. Vereinzelt liegen Fragmente verstreut, für einen Laien ergibt sich kaum eine erkennbare Struktur der ehemaligen Anlage. Des Wetters wegen war es dort sehr ruhig am Sonntag, bis auf eine kleinere Schafherde, die dumpf das frische Gras abäste. Vielleicht lag es an der Atmosphäre des Ortes, vielleicht am Nieselregen; jedenfalls fiel mir beim fotografieren Bert Brecht ein, bzw. ein Gedicht von ihm aus dem Jahr 1935, das ich sehr schätze, weil es noch immer aktuell ist:
Bertold Brecht – Fragen eines lesenden Arbeiters
Wer baute das siebentorige Theben
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon,
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die chinesische Mauer fertig war,
Die Maurer? Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Über wen
Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten doch in der Nacht, wo das Meer es verschlang,
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte, 
So viele Fragen.           
(aus: Bertold Brecht – Kalendergeschichten. Rowohlt, 1983)
Die Schafe jedenfalls waren ohne Frage zufrieden. Ihnen dienten einige der niedrigen Maueröffnungen als idealer Platz, um sich das Fell zu scheuern.

 

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2 Gedanken zu „Dioklea – Diocletian – Duklja

  1. Nach Diocletian kommt eigentlich nur noch Ovid. Hat er nicht da irgendwo in den Bergen seine letzten Tage verbracht? Nachzulesen in „Die letzte Welt“ (Ransmayr)
    O wie beneidt' ich dich da du solche ehrwürdige Welt schauen darfst!

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  2. Ovid war schlappe 200 Jahre vor Diocletian und in der Tat lebte er
    in der Verbannung in Tomi, dem heutigen Konstanza am Schwarzen Meer.
    Nb: deinen Neid werde ich – so sich das Wetter ändern sollte – durch
    weitere Fotos anfachen 😉

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