Auf den Strassen von Frankfurt (und anderswo)

Die Läden halb runter, die Fenster (noch) offen…

Das Thema „Street-Photography“ oder zunehmend auch „Strassen-Fotografie“ scheint sich wachsender Beliebtheit zu erfreuen. Dass es seit langem eine Szene gibt, kann man im Internet schon seit einigen Jahren verfolgen.
Aber inzwischen scheint sich auch ein regelrechter Markt zu etablieren, wie man an den Büchern zu diesem Thema sehen kann. In Frankfurt (und anderswo wahrscheinlich auch) werden mittlerweile Kurse für „ambitionierte Amateure“ angeboten. Was man ebenfalls mitverfolgen kann, sind teilweise ziemlich kontrovers geführte Diskussionen um die moralischen Grenzen der Strassen-Fotografie, wenn z.B. Menschen überraschend und aus nächster Nähe portraitiert werden (candid portraits). Schlagworte und Begriffe wie Persönlichkeitsrecht bzw. das Recht am eigenen Bild, Dokumentation städtischer Lebenswirklichkeiten, urban life etc. sorgen somit für Gesprächsstoff.
Die Themenvielfalt ist ungeheuer weit gefächert und der Kreativität hinsichtlich der Motivwahl sind kaum Grenzen gesetzt.
Wenn ich das richtig verstehe, unterscheidet sich die Strassen-Fotografie dadurch, dass eher die „kleinen Dinge“ des städtischen Lebens im Fokus des Interesses stehen. Was in Blogs und anderen Publikationen im Internet immer wieder zu sehen ist, sind Momentaufnahmen mit Menschen oder Graffities (und Strassenkunst) aller Art. Es werden viele Fotos mit „Nebensächlichkeiten“ präsentiert, an denen man im Alltag meist achtlos vorübergeht.
Mir stellt sich dabei neben anderem die Frage nach der Abgrenzung zu anderen fotografischen Genres.
Die klassische urbane Architekturfotografie würde sich wohl kaum zur Szene der Strassen-Fotografen zählen. Der Tourist, der im Urlaub eine Szene auf einem exotisch anmutenden Markt knipst – ist er ein Strassen-Fotograf? Im engeren Wortsinn sicherlich.
Es scheint inzwischen sogar eine Diversifikation innerhalb der Szene stattzufinden. Ich schliesse das daraus, dass so etwas wie ein Kodex erkennbar ist. Dabei geht es darum, was man wie macht, also welche Ausrüstung wird verwendet, können Fotos improvisiert oder gar inszeniert werden oder werden nur spontan aufgenommene Fotos anerkannt und welche Prozesse sind bei der Entwicklung (noch) zulässig. Grundsatzfragen werden offenbar auch darüber geführt, ob man Strassen-Fotografie in S-W oder Farbe, mit kurzen oder langen Brennweiten macht.
Viele Fragen also und ebenso viele Antworten. Inspirierend ist das Thema allemal. Für mich habe ich meine Grenzen abgesteckt. Ich habe entschieden, was ich aufnehmen würde und was nicht und was ich auch hier auf meinem Blog nicht präsentieren würde. Mich reizt vor allem die Herausforderung noch genauer hinzusehen und schneller eine mögliche ästhetische Komposition zu erkennen.
Auf Blog-Times, einem Fotografieblog, den ich verfolge, wurde letzthin ein Beitrag präsentiert, bei dem auf vier e-Books im *.pdf Format zum freien Download hingewiesen worden ist. Ich empfehle sie hier weiter, weil sie meiner Meinung nach einen guten Einstieg bieten, um sich mit dem Thema Strassen-Fotografie auseinanderzusetzen.
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4 Gedanken zu „Auf den Strassen von Frankfurt (und anderswo)

  1. Ich hab mich grad zwei Tage auf den Straßen der Altonaer Altstadt herumgetrieben und wie wild fotografiert. Bin ich jetzt Straßenfotograf? 🙂
    Bücher lesen ist mir zu viel Theorie, ich hau lieber in der Praxis mal daneben und lerne daraus. Wahrscheinlich bin ich nicht ambitioniert genug, ich will nur meinen Spaß haben 🙂

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  2. Ich habe schon vor über 30 Jahren Strassen-Fotografie betrieben, allerdings wusste ich das nicht, denn es gab den Namen damals noch nicht ;-))
    Mich hats einfach mal interessiert, was da heute abgeht und wie das systematisiert wird. Am Ende gehts um Berühmtheit (Eitelkeit des Fotografen) und ums Geschäft (spezielle Kameras, Workshops, Bücher etc.). Die meisten Fotos, die ich im Internet sehe, gefallen mir nicht. Und Menschen überfallartig zu fotografieren finde ich auch nicht so prickelnd. Bruce Gilden ist damit bei Magnum gelandet – seis drum.
    Ich will meinen Spass bei fotografieren und am Ende ein Bild, das inhaltlich und technisch qualitativ so gut ist, wie ich das eben hinkriege.
    Ich kümmere mich wenig um Theorie, schon garnicht um das technische Gewixxe. Manchmal habe ich aber doch auch Hinweise gefunden, die mir halfen, etwas zu verändern und Fehler zu vermeiden, mit denen ich mich bis dahin lange herumgeschlagen habe.

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