Sonntags am Strand

Sollte das Wetter wirklich so traumhaft bleiben, muss ich mir für diese Zeile in Zukunft etwas anderes ausdenken zur Abwechslung…

Sonntägliche Stranderkundungen. Angeblich soll man nur noch einige wenige Wochen problemlos und einigermassen stressfrei an die Strände gehen können. Dann entladen Flugzeuge ihre Touristenfracht, suchen Wohnmobile Parkplätze und Motorräder zerknattern die übliche Stille der schmalen und sonst eher verkehrsarmen Strassen. Viele Menschen drängeln sich dann an den meist kleinen Stränden in den engen Buchten. Und Sandstrände gibt es fast gar keine, da soll dann Gerüchten zufolge um die bequemeren felsigen Ablagen gerangelt werden.
Das Aufnahme zeigt einen der meistfotografierten Orte in Montenegro: Sveti Stefan.
Das war einmal ein Fischerdorf. Heute ist das ein Hotelkomplex. Zugang kontrolliert durch zwei Wächter. Da lebten einmal Fischer, die ihrer Arbeit nachgingen. Glaubt man den Reiseführern, haben dort illustre Gäste ihre Ferien verbracht, um von ihrem harten Arbeitsalltag auszuruhen.
Ich kann mir das nur schwer vorstellen: Da werde ich in einem Dorf gross, indem meine Familie vielleicht schon seit Jahrzehnten wohnt und dann kommt jemand und siedelt mich um. Solche Umsiedlungen oder gar Vertreibungen haben in einigen Balkanstaaten ja Tradition, vorstellen kann ich mir das dennoch nur schwer. Schauspieler und Schaustars, am Ende gar Politiker oder Banker liegen auf einer feinen Liege im ehemaligen Garten meiner Grossmutter und lassen sich bedienen. Paris Hilton benimmt sich den Erwartungen der Boulevardpresse gemäss im ehemaligen Wohnzimmer meiner Eltern daneben. Oder so einer wie Ackermann denkt sich den nächsten Coup auf der schattenspendenden ehemaligen Terasse meines Onkels aus.
Wie gut ist es dann für manche, dass man sich wenigstens noch ein bisschen das Gefühl, auch „dabei zu sein“ am Strand kaufen kann. Vorausgesetzt man ist willens oder in der Lage, den Eintrittspreis hinzublättern (der steht im Kleingedruckten).
 
 
Es ist schön, dass es in Montenegro auch noch viele andere wunderbare Strände mit türkis schimmerndem, kristallklarem Wasser ohne dümmliche Allüren gibt.
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3 Gedanken zu „Sonntags am Strand

  1. Ja, das ist übel. Paris Hilton hätte ich auch ungerne in meinem Wohnzimmer. Aber das passiert ja nicht nur an montenegrinischen Stränden, das passiert in jeder Stadt, besonders in den schönen bunten Ecken. Alteingesessene werden mit teuren Mieten vertrieben, dann wird „saniert“ oder gleich ganz abgerissen und der Wohnraum an den meistbietenden verscherbelt. Irgendwann ist es dann nicht mehr schön bunt sondern nur noch langweilig und man zieht weiter ins nächste bunte Viertel, wie die Heuschrecken.
    Oder beim Tourismus. Money follows the Hippie-Trail, überall wo sich das bunte Volk niedergelassen hat, weils schick und chillig war, kamen als nächstes die Reiseveranstalter, als die Hotels standen wars dann irgendwann nicht mehr so schick und chillig, die Hippies längst woanders und die Gegend versaut.
    Irgendwann werden wir hier auch abgeschottete Viertel für die Reichen haben, mit Wächtern vor den Toren, im „Land of the free“ ist das schon Standard.
    Sveti Stefan sieht ja (auf Deinem Foto jedenfalls) immer noch aus wie Sveti Stefan und nicht wie eine Hotelanlage, das kann man beinahe schon als Erfolg verbuchen.

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  2. Stimmt, das erinnert mich z.B. an Ibiza in den frühen 1970er Jahren.
    Und auf Amrum ist man vor achzig Jahren den Künstlern nachgezogen. Und….
    das ist wohl der normale Lauf der Dinge

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