Schreiner für Schubladen – ein Beruf mit Zukunft

Neil Young – Americana (2012)…

   (zum vergössern auf ein Foto klicken)

Wahrscheinlich ist es den Menschen eingeboren. Jedes Kind braucht einen Namen. Vielleicht tragen wir dafür aus Urzeiten die Fähigkeit oder Notwendigkeit in uns, Reviere zu markieren. Aus welchen Gründen auch immer.
Das heute oft beklagte „Markenbewusstsein“ besonders der Jugendlichen wäre hinfällig ohne diese instinktive Veranlagung.
Was immer Menschen produzieren oder schaffen wird so sortierbar und (wieder-)erkennbar. In der Antike waren die Reviermarkierungen noch sehr grobe Einteilungen – „Wir“ (die kultivierten!) und „die Anderen“ (die Barbaren), Daraus wurden später die Christen und die Heiden. Dann teilten sich die Christen in Katholen und Reformierte. Innerhalb dieser Gruppen gab und gibt es die Orden und Missionsgesellschaften.
Heute gibt es eine unübersichtliche Vielzahl an Kategorien, um Menschengruppen zu unterscheiden. Dass wir am langen Ende eine Menschheit sind, kann man da leicht aus den Augen verlieren.
Diese Entwicklung geht seit einigen Jahrhunderten mit der Spezialisierung in den jeweiligen Bereichen einher. Und die Tendenz ist absehbar steigend. Wäre in der Politik oder im Konsumbereich auch ziemlich schlecht fürs Geschäft wenns anders wäre.
In der populären Musik gibt es mittlerweile eine schier unüberschaubare Vielfalt an Stilen. Welcher Hirnschreiner ist heute noch in der Lage, all die neuen Schubladen zu tischlern, die benötigt werden, um all das zu sortieren?
Genauso ist es in der Fotografie. Fotografierte man vor einigen Jahrzehnten auf der Strasse, so war das ein Bild von einer Strasse. Heute wird das unter „Strassen-Fotografie“, oder noch stylischer „street-photography“ verschubladisiert.
Ich habe für die obige Fotostrecke eine Schubalde aufgezogen, auf deren Etikett stand „lost-places“.
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9 Gedanken zu „Schreiner für Schubladen – ein Beruf mit Zukunft

  1. Etikett passt. Vor ein paar Monaten gab es in einem meiner kleinen sozialen Netzwerke einen Fotowettbewerb mit diesem Thema, leider fand ich nur ein altes verlassenes Einkaufszentrum.
    Die letzten beiden Aufnahmen erinnern mich spontan an Tarantinos Inglorious Basterds, nur der Himmel scheint nicht ganz zu diesem Planeten zu passen.

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  2. Lost places haben wir hier ja auch ne Menge. Kind hat mir sogar mal einen Fotoband geschenkt. Was da so vor sich hinsiecht… Kind treibt sich auch gern selbst an solchen Plätzen rum. Leider nur zum Abhängen, nicht zum Fotografieren. Kleines Kind, meine ich natürlich, nicht das schwangere
    Ich bin ja immer etwas zwiegespalten. Einerseits mag ich sowas mehr als nach der Sanierung, weil man da den Charakter des Hauses besser erspüren kann. Nach der Sanierung sind Gebäude ja oft „zweckentfremdet“ oder sie verschwinden unter dem neuen Weiß. Andererseits tuts mir körperlich weh, zuzusehen, wie die alten Damen vor sich hinsetreben.

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  3. Ich habe inzwischen herausgefunden, dass es da sogar eine „scene“ zu los-places gibt. Offensichtlich ist es garnicht so ohne, diese Lokalitäten aufzusuchen.
    Meine Fotos spiegeln ja bis auf das letzte nur Aussenansichten. Aber irgendwie bin ich jetzt doch neugierig geworden…

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  4. HDR? Ich? Ich bin doch nur ein Fotograf von geringem Verstand und mach mit farbigen, digital fotografierten Bildern genau das, was ich früher mit analog fotografierten in der Dunkelkammer auch gemacht habe. Viel Kontrast, Die Lichter in den Grenzbereich aufhellen, Kanten abwedeln und ein bisschen Sättigung raus. Aus die Maus… Brauch ich spezielle Softwhere? Bücher? Ne neue Kammer-ah? Ich kanns dir ja mal zeigen 😉

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  5. Die Christenwelt teilte sich zuerst in Ostkirche (Orthodoxe) und Westkirche (Papst, „katholisch“), die Orthodoxen unter sich – äh. Können sich gegenseitig nicht ausstehen. Die Westkirche teilte sich dann in Katholiken und Protestanten, die Protestanten wiederum in Lutheraner, Reformierte und Täufer, die Reformierten setzen sich aus Calvinisten und Zwinglianern zusammen… aus allen Zweigen gibt es Pietisten. Dazu gesellen sich seit dem 19. Jahrhundert die Neucalvinisten („Evangelikale“).
    Missionsgesellschaften haben sie alle mal gehabt. Orden gibts evangelischerseits eigentlich nicht, nur Diakonissenmutterhäuser.
    ups, zuviel getippt.

    Was ich eigentlich sagen wollte: die Brücke sieht aus wie auf einer Modellbahn, wo einfach ein Teil zusammengebrochen ist. Ich wußte nicht, daß „in echt“ auch Brücken einfach wie Bauklötze nebeneinandergestellt werden können; ich hätte gedacht, das Gemäuer wäre immer aus einem Guß.

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  6. Diese Rheinbrücke ist echt und sieht immer noch so aus – sie wurde 1945 das Opfer von Leuten, die damit einem Österreicher mit viel brauner Scheixxe im Hirn eine Freude machen wollten.

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  7. LOST PLACES …. ein, wie ich finde, sehr treffender Titel für diese (ganz tolle) Fotoserie.

    Diversifizierung und Spezialisierung sind Bausteine der letzen Entwicklungsstufe des Menschen.
    Dies schließt auch krude Etikettierungen ein, die die Feinheiten unserer Wahrnehmung beschreiben.
    Der westlich orientierte Mensch strebt nach Anerkennung, die meisten Afrikaner streben nach Nahrung.

    LOST PLACES – Wüste

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