Unter neben über mir…

Das Wetter ist vielversprechend…
Gestern morgens um kurz vor vier Uhr aufstehen. Nieselregen. Ich mag keinen April als Langstreckenläufer. Fensterplatz im Flieger. Die Gedanken so müdetrüb wie der Himmel – wenn das Wetter den ganzen Tag so bleibt. Der Pilot lenkt den Flieger über die Wolken und mich für einen Moment ab. Sonne. Flughafen Tegel. Ich würde lieber auf dem Flughafen Tempelhof landen. Tempel-Hof. Alleine die Bilder, die dieses zusammengesetzte Substantiv vor das innere Auge zaubert.
Quer durch Stadt mit Bus und U-Bahn. Die träge Müdigkeit weicht der Freude und Neugier auf den Tag in der grossen Stadt.
Herzliche Begrüssung in Neukölln. Ich übergebe meine Sachen, die ich auf dem Frankfurter Flohmarkt gefunden habe. Anschliessend ein langer Fussmarsch quer rüber nach Kreuzberg. Überraschungen, Wiedererkennen, Rätseln  und grossäugiges Erstaunen. Soviele Veränderungen. Auch ein feines Frühstück~~. Von SO36 zum Kudamm, denn wir wollen uns einige Sachen ansehen in der Stadt. Laufen macht Durst. Wir sind die einzigen Gäste im Zillemarkt in der Bleibtreustrasse (da kannst du rüber spucken zum Savignyplatz, Herr Svoboda). Apropos Herr Svoboda. Wenn man den Blick über das Plaster streifen lässt, fällt auf, welche Mengen an Kronkorken hier zertreten und verstreut zu sehen sind.
Am frühen Nachmittag steigen wir in eine Parallelwelt, die „Schutzräume“, die sich neben den Gleisen und hinter den Fassaden eines U-Bahnhofes befinden. Diese Bunker sollten die Berliner im Falle eines Bombenangriffes schützen. Für 1.300 Menschen und 14 Tage Aufenthalt war die Kapazität ausgelegt; im Wedding wohnten jedoch schon in jenen unseligen kotbraunen Zeiten weit über 200.000 Menschen.
In Zeiten des Kalten Krieges wurden diese Schutzräume reaktiviert und um die Komponenten A,B und C erweitert. Atomar, biologisch und chemisch. Unser Schutzraumführer erklärt wie die Funktionsabläufe im Ernstfall geplant waren. Da er dies mit ebenso grosser Sachkenntnis wie auch intelligentem Witz tut, wird jedem Teilnehmer der Führung der Irrsinn und die Menschenverachtung kalter Technokratenhirne an den politischen Schaltstellen gestern wie vorgestern klar. Heute haben unsere Politiker angeblich nichtmal mehr eigene Bunker unter dem Regierungsviertel.
Um die Erkenntnisse auch an der Oberfläche der Erde nochmals sichtbar zu machen besuchen wir die Gedenkstätte Bernauerstrasse.
Nach den beeindruckenden Besichtigungen meldet sich am Nachmittag der Magen mit Geknurre. Wir nehmen die S-Bahn raus an Müggelsee. Im „Fährhaus“ in Rahnsdorf gibts Bier und gutes Essen satt. Den Abend lassen wir bei einem Bierchen in einer Neuköllner Eckkneipe ausklingen.
   (zum Vergössern auf ein Foto klicken)
 
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5 Gedanken zu „Unter neben über mir…

  1. Der Müggelsee sieht gemütlich aus, so weit raus gekommen bin ich in Berlin leider noch nicht, in der Stadt selber gibt es zu viel zu entdecken.
    Viel Spaß in der Hauptstadt.

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