Kaum zu glauben: Junge Pädagogin ausgeschlossen

Die Sonne zeigt, was sie kann…

   Die Zukunft unserer Jugend?

 

Zeigen, was sie gelernt haben und können, möchten auch viele junge Menschen gerne. Wenn man sie nur liesse.
Kurz vor Ende des zehnten Schuljahres stehen eines Morgens dezent gekleidete, lächelnde Herren vor der Klasse. Unser Lehrer stellt sie vor. Danach ergreifen die Herren das Wort und stellen die Firmen vor, in deren Auftrag sie heute hier sind. Die Schüler, die mit dem Realschulabschluss die Klasse verlassen werden eingeladen, die Firmen kennen zu lernen. Wir anderen, die wir uns bis zum Abitur weiter von der Schulbank drücken lassen werden, fahren eine Woche später auch mit, um je nach persönlicher Neigung einen der Betriebe zu besichtigen. Einen freien Tag verachtet kein Schüler. Ich fahre mit zu einem Automobilhersteller in der Nähe. Die Werksbesichtigung ist in der Tat interessant. Eine Cola und Streuselkuchen werden auch gerne genommen. Es geht darum, Schulabgänger für die Firma anzuwerben. Ja, anwerben. Gut ausgebildete Schüler sind gesucht als Lehrlinge. Lehrling darf man damals noch sagen, ohne sich dem Vorwurf der Diskriminierung auszusetzen.
Das Wort „Arbeitsplatzsicherheit“ ist noch nicht erfunden, das wird noch gut fünfzehn Jahre dauern. Am Ende des Schuljahres haben alle Realschüler ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche.
Das ist lange her.
Auch heute redet niemand (mehr) von „Arbeitsplatzsicherheit“. Keine Herren kommen in die Schule kurz vor Schuljahresende und werben mit Kuchen und Getränken. Vitamine sind ja soviel gesünder. Besonders Vitamin C. Connections. Beziehungen und Hintertürchen, ohne die scheinbar garnichts mehr geht.
Konkret: Ein junge Frau studiert Pädagogik, Schwerpunkt Erwachsenenbildung. Hat ein gutes Diplom in der Tasche und will nun zeigen, was sie gelernt hat. Sucht nach offenen Stellen und bewirbt sich. Im Vergleich zu anderen Mitbewerbern landen ihre Papiere nicht gleich im Papierkorb und sie hat das „Glück“, fast jedesmal zu Gesprächen eingeladen zu werden. Macht aber schnell eine schmerzliche Erfahrung dabei: trotz eindeutiger Zusagen im Vorstellungsgespräch erfolgt einige Wochen später unter fadenscheinigstem Drumherumgerede eine Absage.
Fazit: nach einem Jahr hat die junge Frau dank ihrer Energie und ihres guten Willens zwei Jobs. Arbeitsplätze wäre übertrieben. Jobs als „freie Mitarbeiterin“ versteht sich. In zwei Städten, die zweihundert Kilometer voneinander entfernt sind. Ohne Sozialversicherung und Urlaubsregelung versteht sich. Arbeitsverträge gegen bestehende Gesetze. Die enormen Fahrtkosten zahlt sie aus der eigenen Tasche obendrein. Vorsicht jetzt mit dem spontanen Vorwurf an die profitorientierte Industrie oder raffgierige Banken.
Die junge Frau arbeitet für eine Institution im kulturellen Bereich und für eine im Bundestag vertretene Partei.
Ich frage sie, warum sie sich das gefallen lässt, warum sie diese erniedrigenden Bedingungen hinnimmt. Die Antwort kommt ebenso schnell wie schlicht: draussen vor der Tür steht eine Schlange von Leuten, die warten nur darauf, dass (m)ein Platz frei wird.
Ich bin entsetzt darüber, das junge Menschen mit einer abgeschlossenen gut fundierten Ausbildung von dem ausgeschlossen sind, was die grossen Parteien mit wortreichem Pathos immer wieder im Munde führen: das Bürgertum. Wie sollen junge Menschen heute ein bürgerliches Leben (im positiven Sinne) planen können? Berufswege, Partnerschaft, Kinder eventuell und eine Wohnung oder gar ein Häuschen vielleicht.
Die jungen Menschen werden zu Arbeitsnomaden degradiert, unterwegs von Job zu Job. In dürren Jahren ist die Arbeitslosigkeit bereits eingeplant.
Was mich aber meisten erschüttert an dieser himmelschreienden Unmenschlichkeit, ist, dass diese Zustände den meisten jungen Menschen mittlerweile als normal erscheinen.
 
Was bleibt: Ich möchte dieser jungen Frau so gerne eine positive Perspektive vermitteln. Allein, mir fehlt eine Menge Vitamin C. Deshalb frage und bitte ich die Leser um Mithilfe. Wo wird eine junge, engagierte Pädagogin gesucht? Am liebsten natürlich in der Erwachsenenbildung. Die Frau ist jedoch flexibel, das stellt sie jeden Tag unter Beweis. Wer kennt eine Organisation mit offenen Stellen? Wer hat hilfreiche Tipps? Wie kann man ihr weiterhelfen?
Ich bin für jeden brauchbaren Hinweis dankbar ( herr.aermel at gmx.net ). 
„Statt in die Zukunft fuhr mein Schiff, schon im Hafen auf ein Riff“. Die Zeile eines Liedes von Salvatore Adamo. Ich will einfach nicht glauben, dass dies die traurige Hymne unserer Jugend werden soll.
Herzlichen Dank für die Mithilfe.
Advertisements

11 Gedanken zu „Kaum zu glauben: Junge Pädagogin ausgeschlossen

  1. Werde mich auch gerne umhören und Vitamin C einsetzen. Dieser Trend zu freien Mitarbeitern, befristeten Stellen und Praktikantenjobs ist ein Unding. Alles hervorgerufen durch die unselige Hartz4- und Arbeitsmarktreform…

    Gefällt mir

  2. Hi Jazzy,
    ich danke dir für deine Bereitschaft zur Unterstützung. Da muss doch auch ohne Riesenaktionen mit Showeinlage bei Fetzbuch was zu machen sein…
    Seit die SPD und die Grünen die arbeitende Bevölkerung endgültig verraten haben mit ihrem vorbestraften Freund Hartz ist es kalt geworden für die jungen Menschen im Land, eiskalt. Diese Politiker und ihre Verbündeten in der Wirtschaft tragen die Verantwortung dafür, dass selbst gut ausgebildete jungen Menschen ohne positive Aussichten in ihr Berufsleben starten müssen.

    Gefällt mir

  3. Erwachsenenbildung? Wer macht denn auch sowas? Wo man sich gerade bemüht die Bevölkerung völlig zu verblöden ist das doch total kontraproduktiv. Und Pädagogen? Engagierte Pädagogen? Hätte man die vor 40 Jahren gehabt wären wir jetzt nicht in einer so misslichen Lage, von wegen Bevölkerungsverblödung. Heute isses zu spät, die Blöden haben die Macht. Wer braucht denn schon engagierte junge Leute? Hier werden gerade reihenweise welche rausgeschmissen, weil sie aus Armenien und sonstwo herkommen, obwohl sie nicht einmal die Sprache sprechen, weil sie hier aufgewachsen und zur Schule gegangen sind. Engagiert, aber da nutzt halt auch ein tolles Zeugnis nix wenn du aus Armenien kommst.
    In diesem Land muss sich einiges ändern, wenn das besser werden soll. Ansonsten seh ich schwarz für die nachfolgenden Generationen.
    Eigentlich sind die jetzt schon ziemlich in den Hintern gekniffen, sieht man ja an Deinem Beispiel.

    Gefällt mir

  4. … seh ich so wie Zaphod. Die alten Lehrer dürfen nicht mehr in Vorruhestand, dadurch kriegen die jungen keine Arbeitsplätze… Klassenstärken um 30 Mann bleiben Norm entgegen allen Untersuchungen, die seit Jahrzehnten anderes empfehlen… dazu noch, — ach was: Schnauze halten, Managergehälter erhöhen und an die „Selbstheilungskräfte des freien Marktes“ glauben wie früher an den „Siech“ des Sozialismus.Amen.

    Gefällt mir

  5. So so…. so nennt sich das heute, Vitamin C.

    Früher hieß das Vitamin B. B wie Beziehungen. Ich mag diesen neumodischen Sprachschnickschnack nicht.

    Das, was du in diesem Beitrag thematisierst, ist ein trauriges Kapitel aus dem Bereich Beschäftigungspolitik.
    Der Mensch zählt nicht mehr, nur noch seine Arbeitsleistung. Es geht nicht mehr um Arbeitnehmer, sondern um
    'human capital'. Allein diese Wortschöpfung – von wem? – ist an Menschenverachtung nicht zu überbieten.
    Der Terminus ist zur Gewohnheit von Top-Managern geworden und kein einziger Politiker regt sich darüber auf.
    Alles Lackaffen!

    Hilfe für die Pädagogin:
    Wenn sie es schafft, Bewerbungstermine zu bekommen, danach aber scheitert…
    Vielleicht könnte ein Coaching helfen? Manchmal liegt es einfach daran, eine bessere Figur abzugeben.

    Gefällt mir

  6. …jawoll „Coaching“ also „Heucheltraining“, denn nur um dieses Unwort zu vermeiden beließ man es beim englischen Begriff: Hau auf die Kacke, tu so als ob, (not)lüge das blaue vom Himmel – und sei auf keinen Fall du selbst – denn das ist, was „alle“ von dir verlangen. Witzigerweise wird der Vorgang als „Profilierung“ oder gar „Profil schärfung“ getarnt. Aber – ach was … Schnauze halten (siehe oben; hat bloß wieder nicht geklappt)

    Gefällt mir

  7. Verkäufer A hat frische, köstliche Erdbeeren zu verkaufen. Er geht auf den Markt, baut seinen Stand auf und wartet.

    Verkäufer B hat auch frische, köstliche Erdbeeren. Doch anstatt nur zu warten, ruft er ab und an:“ Frische, köstliche Erdbeeren!“

    Wer wird am Ende des Tages mehr verkauft haben? 😉

    Gefällt mir

  8. Der Verkäufer mit den billigeren Erdbeeren – zumindest in Deutschland. Ist das nicht merkwürdig? In Deutschland hat fast jeder diesen Spruch drauf: „Für was Gutes gebe ich gerne etwas mehr aus“. …Und sucht dann nach dem billigsten Angebot….

    Gefällt mir

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s