Der Würger kommt zur Mittagszeit

Hochsommer, Wochenende: alles in Ordnung…
Das Tal der Mühlen geistert noch immer durch die Phantasien. Krabat lässt grüssen. Die von der Natur durch starkes Gefälle und niederstürzendes Wasser terassenartig angelegten Naturbecken locken. Bei diesen sommerlichen Temperaturen eigentlich genau das richtige. Unten an den Stränden der Adria ist am Wochenende eh der Teufel los. Leiber braten auf dem Kies, Bum-Tack-Bum-Tack Musik und überhaupt. Wir haben Zeit. Ab Mitte August werden die Strände wieder leerer, die Musik leiser und Kellner noch freundlicher. Dann kommen wir auch am Wochenende wieder mal vorbei.
Heute wollen wir ein anderes Tal entdecken. Das gerade gekochte Gläschen mit feiner Brombeermarmelade als Gastgeschenk bleibt zuhause. Das schenke ich dem freundlichen Gastgeber vom letzten Sonntag beim nächsten Mal (wenn wir wieder nach dem Weg fragen ;-).
Unterwegs entscheiden wir uns dennoch spontan noch einmal in das Tal der Mühlen zu fahren. Wir wollen diesmal ein Stück am Fluss entlang laufen. Zum Abschluss dann in einem Naturpool abkühlen.
Der Weg führt steil bergab. Aus dem reissenden Wasser ist ein gemächlich fliessender breiter Bach geworden. Ein schattiger Weg entlang des Ufers. Wir laufen durch das Dorf. Still und verlassen liegt es. Nach dem letzten Haus öffnet sich das Tal und der fast versiegte Fluss plätschert gemächlich durch eine Bruchlandschaft Richtung See.

     (Auf ein Foto klicken und gross gugge 😉

Bevor der Boden morastig wird, kehren wir um. Es ist still auf dem Weg zwischen den Häusern. Dösige Mittagsruhe. Die Sonne drückt. Nix los. Fast jedenfalls. Zwei Meter vor uns auf dem Boden wird gearbeitet. Und gestorben. Elaphe Quatuorlineata. Eine Vier-Streifen-Natter. Würger. Die merkwürdig verknotete Schlange hat einen felligen Knäuel in der Mache. Nach der Farbe des Fells zu urteilen eine Maus. Aber zu gross dafür. Gegen eine Ratte spricht der fehlende Schwanz. Wir schauen uns das seltene Schauspiel an. Das fiepsende Tierchen tut uns leid. Die Natter bewegt sich geschmeidig. Hin und wieder eine zuckende Bewegung des stramm eingewickelten Tierchens. Die Schlange scheint durch unsere Schritte und Stimmen gestört, zumindest abgelenkt. Ich will sie mit einem Stock umdrehen, um dem Graufell eine Chance zu geben. Frau Waas hat das bessere Argument.


Der Natter scheint der Fotograf nicht geheuer zu sein. Sie dreht und windet sich und schaut nach den Störenfrieden. Kein Entkommen für ihre Beute. Vier-Streifen-Nattern wickeln sich nach dem Biss blitzschnell um ihr Opfer und erdrosseln es dann.


Die verunsicherte Schlange verändert mehrfach ihre Lage und zischt dabei feindselig. Bei einer dieser Bewegungen verliert sie die Kontrolle und wir sehen wie der kleine Siebenschläfer instinktiv seine Chance nutzt. Etwas zerzaust klettert er eine Hauswand hoch und verschwindet hinter der Hausecke. Die Vier-Streifen-Natter schaut sich um und wir sehen, dass sie ungefähr 1,20 Meter lang sein muss. Ein ein jüngeres Exemplar also, denn ausgewachsene Tiere werden bis zu 2,40Meter lang.

Sie kriecht am Boden hin und her und an der Hausecke schnellt sie in die Höhe und verfolgt den Weg des Siebenschläfers. Der ist sicher über alle Berge und wir freuen uns für ihn.
Jetzt wollen wir uns abkühlen. Eines der Becken, das wir uns vorher ausgesucht haben, ist mittlerweile besetzt. Schade drum, aber es gibt zum Glück noch andere. Wir entscheiden uns für eines der unteren Becken und auch dort herrscht reges Leben.

Erstaunlich ist die Furchtlosigkeit eines leuchtend grünen Frosches. Es ist ein Skutari-Wasserfrosch (Pelophylax shqipericus). Normalerweise sind diese schnellen Schwimmer erdbraun und haben einen grünen Rallyestreifen auf dem Rücken. Nur jetzt während der Laichzeit färben sich die Körper der Männchen hellgrün. Ein Glück, das jetzt sehen zu können.



Der Wasserpatscher ist ein Prachtexemplar. Die schöne Nymphe, die in sein Becken abtaucht, scheint ihn nicht zu interessieren. Schmetterlinge und Libellen schwirren umher. Die vielen Motive lassen mir keine Zeit für eine Kühlung. Die Zeit vergeht zu schnell.
Auf dem Rückweg sehen wir eine weitere zerfallene Mühle, die fast schon wieder von den Pflanzen überwuchert ist. Kaum noch sichtbar. Die Natur schafft unablässig. Hier müssen vor Jahren sicher zehn bis fünfzehn Müller das Korn der Bauern gemahlen haben.


Wir nehmen diesmal einen anderen Weg aus dem Dorf zurück nach oben. Jahrhunderte lang sind hier Menschen gegangen. Haben Lasttiere Waren transportiert.


Auf der Strasse sehen wir dann, dass es für Vier-Streifen-Nattern grössere Unglücke geben kann als einen Siebenschläfer zu verlieren.

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7 Gedanken zu „Der Würger kommt zur Mittagszeit

  1. Na das scheint mir ein interessanter Ausflug gewesen zu sein.
    Mit dem Siebenschläfer hätte ich in diesem Fall aber kein Mitleid gehabt, so ist nun mal die Natur. Nagetiere stehen halt in der Nahrungskette nicht ganz oben, sondern zählen zu den Beutetieren.
    Bild 5 lässt einen wieder fast neidisch werden, da mich zumindest sofort das Bedürfnis ergreift dort baden zu wollen.
    Schöne Fotos von einem schicken Plätzchen Erde 😉

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  2. „Krabat“… danke, dass das mal wieder in Erinnerung gerufen wird. Habe Anfang der 90er an einer Partitur mitgearbeitet, um eine Kinderoper basierend auf der Geschichte zutonen.

    Dass Ihr kein leeres Naturbecken gefunden habt, ist nur die gerechte Strafe für das Eingreifen in den Fortlauf des Lebens. Der Siebenschläfer wird's Euch nicht danken und die Natter hat jetzt Magengrummeln 🙂

    Ich glaube, das Tal der Mühlen wäre auch ein Ort für mich. Die Kombination aus Grün, Wasser und Fels spricht mich an…

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  3. Mit dem Eingriff in die Natur berührst du ein sensibles Thema. Die Landschaft rund um den See ist selbst den Einheimischen mehr oder weniger unbekannt. Darf ich davon in meinem Blog überhaupt berichten und Fotos zeigen? Dieses (von mir so genannte) Tal der Mühlen ist nur eines von zahlreichen anderen am Skutari-See. Ich werde dich sicherlich bei weiteren „Entdeckungen“ auf dem Laufenden halten …

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  4. Darf man davon Fotos veröffentlichen? Ich finde man muss! Schon damit die Leute, die sich das grad nicht leisten können dort hinzufahren, etwas von der Schönheit dort haben. Ich zum Beispiel *g*
    Den Massentourismus wirst Du damit nicht heraufbeschwören, das machen ganz andere. Bisher beschränkt sich die Mehrheit der Touristen gottlob auf Strände und Bars.

    btw: Klasse Fotos, und wenn sich die olle Natter von Deiner Anwesenheit stören lässt hat sie selber schuld wenn der Magen knurrt. Wie nah musstest Du denn ran an das Vieh?

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  5. Um einige Eindrücke live zu haben könntest du dich auf ein längeres Wochenende einladen lassen, zum Beispiel *g* —
    Der Abstand zur Natter? Auf den ersten beiden Fotos ca. 50-60cm. Als sie den Siebenschläfer verloren hatte, gab mir Frau Wass gute Ratschläge – ca. 1,20-1,50m

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