Sensibles Paradies

Die Sonne erbarmt sich, mildere Temperaturen knapp über 30° machen Freude…

Der Hinweis auf einen Wasserfall macht neugierig. Zumal er nur durch den Fluss selbst erreichbar sein soll. Die beeindruckende alte Brücke aus osmanischer Zeit kennen wir schon. Trotz der austrocknenden Flüsse rund um den See soll also noch ein Wasserfall rauschen. Wir schlagen den bekannten Weg ein und stellen fest, dass die Natur unablässig tätig ist. Innerhalb eines Monats ist er stellenweise schon nur noch halb so breit begehbar. Er wächst langsam wieder zu.

      (Foto anklicken und gross gugge)
 
Bis vor wenigen Jahrzehnten war das Tal noch vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Jetzt sind lediglich einige wenige freie Flächen zu sehen. Die werden privat vorwiegend für den Tomatenanbau genutzt. Der Rest ist inzwischen weitgehend undurchdringliche Macchia mit Laubbäumen. Kein Durchkommen zum Fluss ausser an wenigen Stellen auf dem markierten Wanderweg.
 

 

 
An der alten Brücke legen wir eine Pause an. Grosse Augen und Erstaunen unsererseits als drei daherwandernde Touristinnen plötzlich an „unserem Fluss“ auftauchen.
 
 
Man gewöhnt sich zu schnell an das scheinbare Privileg eines eigenen Paradieses. In dieses Tal kann man sich eigentlich nur verirren. Selbst einheimische Nachbarn kennen die Täler rund um den Skutari-See oft nicht. Unternehmungen in der Freizeit finden meist unten an den Stränden der Adria statt. Oder Bootsfahrten auf dem See. Wandern ist noch nicht in Mode. Und im Winter geht man zum Skilaufen in die Berge.
Selbst die Einwohner im nahen Dorf wissen nichts von einem Wasserfall. Und dabei liegt der nur wenige Kilometer oberhalb ihres Dorfes.
Das Wasser ist trotz der hochsommerlichen Temperaturen höchstens 17°. Ein kurzes Bad bringt angenehme Abkühlung. Aber einen Fussmarsch über rutschiges Gestein und durch Untiefen bei dieser Wassertemperatur? Wir entscheiden uns, einen trockenen Zugang zum Wasserfall zu finden. Es geht an den steilen Hängen des Tales entlang. Der Weg ist schwierig. Brüchiges Kalkgestein gibt kaum Trittsicherheit. Hartholzige Büsche und Sträucher hinterlassen Spuren auf der Haut. Endlich stehen wir ca. 30 Meter über dem Wasserfall. Man muss sich weit über eine Felswand lehnen, um wenigstens das aufschäumende Wasser im Fluss zu sehen. Teilweise mächtige Felsbrocken liegen drunten im Fluss. Da wir kein geeignetes Schuhwerk haben, um am Fels abzusteigen, brechen wir die weitere Erkundung ab. Bis zum nächsten Mal. Auf dem Rückweg gibts noch was zu sehen.
 

 

 
Man merkt, dass man der Zivilisation nahe kommt, wenn man die Strasse fast wieder erreicht hat.
 

 

 
Eine Zündkerze auf dem unbefahrbaren Weg ist eher kurios. Bendenklich ist dagegen die Abfallentsorgung im Dorf. Wobei die Einheimischen nur eine alte Tradition fortsetzen. Sie werfen ihren Abfall in den Fluss. Früher bestand der Müll aus Nahrungsmitteln und Abfällen, die als Fischfutter dienten oder im Wasser über kurz oder lang verrotteten. Der moderne Müll dagegen besteht meistens aus Plastik und verwittert im Wasser nicht. Die regionale Verwaltung stellt keine Müllabfuhr zur Verfügung. Argument: die Strassen sind zu schmal, um sie mit einem Müll-LKW zu befahren. Ein nichtswürdiges Argument, denn ich sehe auch andere LKWs auf dieser Strasse fahren. Paradiese sind vergänglich.
 
 
Wenn ich mir vorstelle, dass nur wenige Kilometer oberhalb dieser Stelle der Fluss noch sauberstes Trinkwasser führt…
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9 Gedanken zu „Sensibles Paradies

  1. Umweltprobleme sind in den vermeintlichen Paradiesen leider immer noch kein Thema, was wohl auch daran liegt das die vermeintlichen Paradiese einfach kein Geld dafür übrig haben. Bis sie keine Paradiese mehr sind, wenn wir Pech haben.
    Schicke Bilder, besonders der Flieger ist goldig *g*

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  2. Ja, da kann man nur hoffen das das Umweltbewusstsein kommt, bevor es zu irreversiblen Schäden am Paradies kommt. Wäre schade um dieses Fleckchen.
    Der Flattermann ist echt gut getroffen 😉
    Da bin ich mal gespannt auf die Fortsetzung mit vernünftigem Schuhwerk.

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  3. Das Umweltbewusstsein wird kommen. Da bin ich sicher. Die Menschen dort werden es irgendwann verstehen und von selber etwas gegen die Verschmutzung unternehmen. Wir können nur hoffen, dass sie damit nicht so lange warten, wie wir es getan haben bzw immer noch tun und vielleicht von unseren Fehlern lernen

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