Quetschekuche und Badenixen

Bald werden sich die Strände wieder leeren…

Man kann nicht alles haben. Sommersonne, Wochenende, Strandgenuss, Lust zum Fotografieren und einen feinen Kuchen.

      (Foto anklicken und gross gugge)

Für einen handfesten Quetschekuche (für Nicht-Hessen ->Pflaumenkuchen) kann ich den Strand locker sausen lassen. Mir sind auch Diskussionen über den Unterschied zwischen Pflaume und Zwetsche (oder Zwetschge) schnurz und ich beende Diskussionen normalerweise mit der lässig hingeworfenen Frage, wo ich denn in dieser Systematik nun Pfluder, Spilling oder Zwispitz verorten soll. Was solls.
Ich backe zum erstenmal auf einem Alublech. Ich mag Alubleche im Backofen nicht, prinzipiell und wegen der Wärmeleitfähigkeit. Ist aber billiger herzustellen und die feinen alten emaillierten Backbleche findet man bestenfalls noch beim Spermüll oder auf einem Flohmarkt als antike Artefakte vergangener Küchenästhetik. Vorbei.
Schön lockerer Hefeteig ist eine andere Angelegenheit, doch davon am Ende des Posts mehr.

Die Abstimmung fällt gegen den Quetschekuche und für den Strand aus. Wir wollen zu einem der wenigen Sandstrände hier im Land. Fotos davon sehen verlockend aus. Aber Fotos sind die eine Seite der Medaille und Sandstrände an Wochenenden und zudem in der Hochsaison eine andere. Wir sehen leicht enttäuscht über die dicht in Reih und Glied stehende Sonnenschirmarmee. Frau Waas lässt den Blick schweifen und entdeckt scharfsinnig einen schmalen Weg am Rande des Strandes, der sich im Strauchwerk verliert. Wir folgen ihm und sehen bald an verschiedenen Stellen betonierte Wege, die von der Landzunge hinab in die Felsen und zum Meer führen. Der felsige Boden ist scharfkantig und ziemlich zerklüftet, aber man hat dort gut verteilt betonierte Liegeflächen geschaffen, eine prima Idee. Noch besser ist, dass es hier ruhig zugeht. Ich sondiere das Gelände. Die meisten Langzeitbelichtungen von Wassern werden an Bächen und Flüssen gemacht. Mal sehen, was dabei herauskommt, wenn man die leicht bewegte Adria in Szene setzt. Als ich endlich einen guten Platz finde, mache ich einige Probeaufnahmen. Licht und Schatten stimmen auch. Ich baue Stativ und Kamera auf, stelle ein, überprüfe hier und da. Als ich soweit bin und einen letzten prüfenden Blick duch den Sucher werfe, sehe ich sie mitten im Bild herumwuseln. Drei Seejungfern beginnen ihre eigene Session mitten in meiner Location. Probieren hier und da. Garnicht so einfach in den Felsen. Posieren, räkeln und sitzen sind auf diesem Untergrund reichlich unbequem. Und sie werden nicht mehr fertig mit all ihrer Schönheit. Anschliessend langwierige Fachgespräche.

Ich setze mich hinter mein Stativ und sehe dem Schattenwurf nach, der sich merklich verändert und denke an den Quetschekuche in der Dunkelkammer. Gut, wenn man bei solchen Geduldsproben eine zweite Kamera zur Hand hat. Aber zum Glück hat alles mal ein Ende. Drei Versuche sind hier zu sehen als erste Kostprobe.


Apropos Kostprobe. Hier das Rezept für einen 1A-Quetschekuche. Ich erinnere mich gerne daran, dass es den früher an Samstagen zum Mittagessen gab. Er begleitet, noch lauwarm, eine dicke Kartoffelsuppe hervorragend. Andere bevorzugen ihn mit Schlagsahne.
Das Rezept.
Für den Teig (das Blech ist 30x40cm): 500gr. Mehl, 1 Würfel frische Hefe, 1 Ei, 60-75gr. Zucker (je nach Geschmack), eine Prise Salz, 100 gr. Butter, 250ml Milch.
Mehl in eine Schüssel sieben, die Hefe so fein wie nur möglich zwischen den Fingern in das Mehl reiben (mehlige Finger sind dabei sehr hilfreich!). Butter zerlassen und dann die Milch zugeben. Zucker und die (lauwarme!) Flüssigkeit zusammen mit dem Ei über das Hefemehl schütten. Mit Knethaken mindestens 5 Minuten gut kneten. Wem dabei langweilig wird, hält den Handrührer so schräg wie möglich, da kann man zusehen, wie der Teig schön elastisch wird. Dann die Schüssel mit einem Tuch abdecken und den Teig ruhen lassen. Wenn er ungefähr zum doppelten Volumen aufgegangen ist, ist er fertig.
Für den Belag: 2kg Quetsche (2,5kg für dickeren Belag). Während der Teig ruht, das Obst waschen und entsteinen. Halbieren oder vierteln je nach Grösse der Quetsche und ästhetischer Vorliebe.
Das Backblech mässig einfetten, den Teig gleichmässig darauf verteilen (mehlige Finger helfen ungemein!) und mit den Früchten belegen.
In die mittlere Schiene des vorgeheizten Backofens (180°) schieben und je nach Ofen und Reife der Früchte zwischen 30 und 45min. backen.
Wenn der Quetschekuche gut gelungen ist, umgehend Herrn Ärmel zur Verkostung einladen ;-
(btw: die nächsten Flüge nach Frankfurt sind gebucht, dann wirds zwar keinen frischen Quetschkuche mehr geben, dafür kommt der neue Äppler)
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16 Gedanken zu „Quetschekuche und Badenixen

  1. Direkt zwei ganz dicke Beswchwerden:

    Bei der Ansicht von Bild 7 konnte mich Madame gerade noch von einem Köpper vom Balkon abhalten. Ich versah mich mit einemmal hautnah an die Adria versetzt.
    Zudem verspüre ich jetzt als zweiten Negativpunkt einen Heißhunger auf Quetschekuche mit Äppelwoi.

    Die drei „Schönheiten“ diskutieren wohl gerade über die Pixelzahl ihres I-phones 😉

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  2. Vom Quetschkuche sind noch Reste da, falls du dich also beeilst 😉
    Die drei „Schönheiten“ (wie gut, dass es Gänsefüsschen gibt) habe ich ertragen – schlimmeres folgte: demnächst in diesen Blog mehr darüber.

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  3. Soso, Dir laufen die Blondinen also ins Bild. Du Armer auch? Und Frau Waas glaubt Dir das? Oder ist sie nur klug?
    Bild 5 und 7 gefallen mir am besten.
    Und der Pflaumenkuchen! Das ist ja derselbe, den wir hier auch machen. Oder machen täten, hätten wir uns endlich mal um einen neunen Herd gekümmert

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  4. Jetzt machste mich aber feddich ey. Seit der Bembel erzählt hat es gäbe Bühler Quetschen in FFM bin ich hier auf der Jagd, immerhin ist das die wichtigste Zutat zu meinem Leibgericht. Und? Nix! Nur ungarische Kackpflaumen, weil Geiz billig ist oder die Höker auf dem Markt nur ihren eigenen Kram verkaufen wollen und nix aus Baden. Heute hab ich es endlich geschafft zum Obsthändler des Vertrauens, und der erzählt mir die Zeit für Bühler Frühquetschen aus Baden wär vorbei. Und dann kommst Du hier mit so einem Leckerschmecker um die Ecke.

    Die eine der „Strandschönheiten“ erinnert mich übrigens fatal an Paris Hilton, übel wenn man so gezeichnet ist *g* und die Bilder sind sehr seltsam irgendwie, fehlen nur zwei Monde am Himmel, dann könnte man das für einen fremden Planeten halten. Irre gute Effekte, hast Du für solche Späße einen Graufilter? Ich überleg nämlich auch gerade ob ich mir einen leiste, anders kommt man bei dem Wetter ja kaum auf solche Belichtungszeiten.

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  5. Sliva (Pflaume) gibts als Frucht oder als Schnaps (slivovic). Es gibt grosse, kleine und mittlere Pflaumen. Der nächste Quetschekuche wurde bereits gefordert und ist terminiert. Vorbereitungen für den Lattwersch sind getroffen ;-))

    Graufilter? Klar, nimm den 1000er von Haida. Gute optische und beste preisliche Qualität. Ausserdem ist er schön flach. Gibts in der Bucht. Und wenn dud dich dranhälst, hast du ein Superfoto vom „Theodor“ bevor ich das mache…

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  6. You makes me hungry, Mr. Ärmel !
    Und ich meinte jetzt NICHT den Quetschekuche, nein. 😀

    @Zaph: nimm bitte nicht den von HAIDA.
    Wenn schon, dann B+W, RODENSTOCK oder wenigstens HELIOPAN. Ne gute Linse duch Billigglas zu versauen um 30-40 € zu sparen finde ich doof. Auch wenns für das Statement jetzt vielleicht Haue vom Herrn Ärmel gibt… ;p

    *flücht*

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  7. Haue gibts da nicht, aber vielleicht ein Argument. Klar, kannst du zwischen 80 und 120 Taler ablatzen, um einen kaum sichtbaren Unterschied herzustellen. Rodenstocks sind rotstichig und Haidas sind blaustichig. Den Weissabgleich kriegt in aller Regel bei Blaustichen (da vorwiegend [Wasser-]Landschaften) anschliessend in der Dunkelkammer leichter weg. Um mal anzufangen und zu experimentieren muss da imho nicht Rodenstock draufstehen.
    Ansonsten: komm mal vorbei und wir machen unten am See mal ein schönes Haida gegen Rodenstock 😉

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  8. Abährrr isch abe doch ga keine Rrrodenstock. 😉
    B+W ND 1,8 64x 58mm F-Pro gebraucht (neuwertig) 30 Öcken auf einem Dir bekannten „Marktplatz“.
    Neu kostet der -glaub ich- um die 60 Tacken.

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  9. Mir fällt grad noch was ein: ich hab zwar keine Rodenstock aber dafür uuuuuuralte getragene Birkenstock. 😉
    Wenn Du die ins Wasser wirfst, hast Du den gleichen Effekt. Es fängt an zu dampfen. Und das alles zu einem günstigen Preis ! *fg*

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