Nach Norden und dann immer rechts und links

Die Hundstage enden morgen – was störts den Sonnenschein… 

Komm doch mit. Ich habe gerade eine Arbeit beendet und hätte eigentlich Zeit.  Nimm deine Kamera und fahr einfach mit. Wir machen unsere Arbeit und du kannst dich ein wenig mit deinen Fotoapparat umschauen. Fotoapparat, wer sagt das heute noch? Netten Einladungen kann ich ebensowenig widerstehen wie süssen Versuchungen. Die Freunde müssen zwei Tage im Norden des Landes arbeiten.
Ich packe meinen Rucksack und los gehts ins Dreiländereck. Ab jetzt also eine ca. 170km lange Kurvenstrecke. Erschwert das fotografieren aus dem Auto erheblich. Für Motorradfahrer wahrscheinlich Freude pur. Zuerst fahren wir durchs Tal der Moraca mit den schroff skurrilen Felsformationen. In Mojkovac gehts links ins Tal der Tara. Dort sind nach der Hitze der letzten Tage wieder Waldbrände zu sehen.

Pljevlja, den Namen muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, um ihn fehlerfrei auszusprechen.  Pljevlja ist die drittgrösste Stadt des Landes. Ca. 30.000 Einwohner. Besiedelt ist der Platz schon seit der Steinzeit. Die Römer hatten auch auch eine Siedlung. Die einzig nennenswerten Vorkommen von Bodenschätzen rücken die Stadt zu allen Zeiten in den Blickpunkt von Eroberern. Die jahrhundertlange osmanische Regierung legt Zeugins ab in den vielen Moscheen und einem interessanten Waldfriedhof mitten in der Stadt. Die braune Horde hat sich hier mit Partisanen eines der blutigsten Gefechte während ihres Rückzuges aus Südosteuropa geliefert.
Das Leben in der Stadt fliesst fast gemütlich dahin. Viele kleine Läden. Das Angebot orientiert sich vorwiegend am täglichen Bedarf. Schöne alte Häuser lassen den (ehemaligen) Reichtum noch erkennen. Manche zerfallen. Fallen einfach in sich zusammen. Etwas ausserhalb von Pljevlja liegt an einem Talende ein Kloster. Beeindruckend renoviert. Die Geranien an den Geländern erinnern merkwürdig an Bayern. Das mag auch an der Landschaft selbst liegen. In der Kirche sind die fast alle Fresken aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Kommunikation unmöglich, alle Prospekte in kyrillischer Schrift. Niemand spricht zumindest englisch. Der positive Aspekt daran: hier gibts noch so viel zu entdecken. Tourismusprojekte laufen langsam an: Demnächst wird es eine fast 300km lange Mountain-Bike-Strecke geben.
Die Hitze drängt mich in einen Biergarten. Ich warte bei einigen Bieren auf die Freunde. Eine kleine Weile noch, dann werden wir zurückfahren. Die Fernfahrerkneipe kurz der berühmten Tarabrücke. Das Fleisch ist – was hier eigentlich unvorstellbar ist – ungeniessbar. Draussen lungert eine überaus scheue kleine Hündin. Ich werfe ihr einige Stücke durch offene Fenster zu. Sie flüchtet, kommt aber dann doch jedesmal wieder zurück. Wir zahlen und ich lege ihr ein grosses Stück neben die Kneipe. Sie schnappts und bringt es in Sicherheit.

Wir steigen ein und machen uns auf den Rückweg. Der Blick von der Brücke. 150 Meter unter uns fliesst die Tara mit niedrigem Wasserstand. Dort werden wir nächsten Mai raften gehen. Auf einem Holzfloss.

      (Ein Klick aufs Foto öffnet die Galerie)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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4 Gedanken zu „Nach Norden und dann immer rechts und links

  1. Sehr stimmungsvolle Bilder, ne nette Schlucht zum raften habt ihr euch da ausgesucht, das wird im Mai wohl anders aussehen *g*

    Und das erste Foddo ist ja wohl moderne Kunst oder so, allein schon diese großen eckigen Ohren. Davon versteh ich nix.

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  2. Im Mai geht da die Post ab, die Tara ist dann fast doppelt so breit.
    Zum 1. Foto – ich bin meist leider Mitfahrer und man kann fast nirgends anhalten. Diese Schluchten sind wirklich zu beeindruckend zum durchrauschen.

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  3. In Bild 1 erkenne ich sowas wie Mount Rushmore – jedoch mit nur zwei Köpfen! 🙂

    Das scheint eine tolle Landschaft zu sein. Die zerfallenden Häuser – liegt's (wie so oft) an der Landflucht der jungen Menschen?

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  4. Gesichter in Felsen verfolgen mich langsam 😉
    Landflucht? Einerseits ja, andererseits ist das ein Tribut an unsere schöne westliche Welt. Die Menschen lassen alte Gebäude zerfallen und errichten auf dem Grundstück oder anderswo einen hübsch-hässlichen Neubau.

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