Vorhang auf – und die Musik spielt dazu

Heiter bis wolkig, aber schön warm…

Frau Waas hat das Glück in ihrem Kaufladen gelegentlich Ausländer zu bedienen, die hier im Land arbeiten. Auf diese Weise erfährt sie viel interessantes. Jetzt bekam sie für ihr zuvorkommendes Wesen zwei Karten für ein Konzert geschenkt. Zigeunermusik. Um spontane Aufschreie zu verhindern: Zigeuner ist für mich positiv besetzt und einfach zu handhaben. Hier im Land leben z.B. Roma, Ashkali und Ägypter. Was sind die Unterschiede, wie erkenne ich die Menschen verschiedener ethnischer Zugehörigkeit? Keine Ahnung und das deutsche Betroffenheitssyndrom mag ich nicht mitmachen. Die Leiden, die den Vorfahren der Menschen durch braunes Gesindel zugefügt wurden, verleugne ich nicht und finde sie abscheulich.
Zigeunermusik also. Ich gehe eigentlich nicht in Konzerte, mir ist das mittlerweile zu laut und auch zu anstrengend.
Zigeunermusik liebe ich seit ich das Häns´che Quintett anfang der 70er Jahre zum erstenmal live sah. Ich hatte auch das Glück, Schnuckenack Reinhardt live zu sehen. Bireli Lagrene empfehle ich jedem, der auf gute Gitarrenmusik steht. Und nun die Weiterentwicklung der verschiedenen Musikstile. Das interessiert mich natürlich.
Also doch ins Konzert. Es findet im Nationaltheater statt. Gemischtes Publikum – die gutbürgerlichen theatergewohnten und die „anderen“. Die, denen man in einem Theater normalerweise nicht begegnet. Schon das alleine gefällt mir. Veranstaltet wird das alles im Rahmen eines Projektes zur Integration. Montenegro hat viele Zigeuner aufgenommen, die im Rahmen der Wirren der Kriege hierher gekommen sind. Dadurch sind viele Integrationsschwierigkeiten entstanden. Das Projekt einer italienischen NGO wollte für eine verbesserte Integration arbeiten. Gestern zum Abschluss des Projektes fand das Konzert statt. 
Zwei Bands bestritten das Programm. Erster Star des Abends war Ezma Redzepova und ihre Band aus Mazedonien. Sie wird verehrungsvoll „Queen of Gypsymusic“ genannt. Ihr Leben hat sie quasi auf Bühnen zugebracht, Platten veröffentlicht und sie begeistert die jungen Zuhörer, die bald im Theater tanzen. Also nicht gutbürgerlichen jungen Zuhörer. Die Band ist spitze! Der Höhepunkt für mich waren weniger ihre wechselnden Kostüme, sondern der kleine „Wettbewerb“ der beiden Bläser, die zu guter Letzt lediglich auf den Mundstücken ihrer Instrumente die Melodien des Stücks spielten. Fantastisch.
Die zweite Band kam aus Italien. Alexian Santino Spinelli. Ein ganz anderer Stil. Intellektuell irgendwie. Weniger wild. Coverversion von Django Reinhardt. Dann die Besetzung mit Harfe und Violoncello statt Bläsern. Santiano Spinelli spielt meisterhaft Akkordeon, er ist hauptberuflich Professor für Kultur und Sprache der Roma und hat einen Lehrstuhl an der Universität Triest.
Ein toller Abend. Deshalb einige Fotos mehr (alle Fotos freihand, ohne Blitz) —
 
      (Foto anklicken und gross gugge)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Bonusfotos für den Bloggerkollegen Zaphod (der weiss warum)
Vielleicht kannst du mir aus deinem reichen Erfahrungsschatz einige Handreichungen für gut Konzertfotos geben – falls ich wieder mal eins besuche 😉
 

 

 

 

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13 Gedanken zu „Vorhang auf – und die Musik spielt dazu

  1. Zigeunermusik weiß wohl mitzureißen, gerade live macht das ungeheuren Spaß diese Spielfreude zu erleben.
    Ist auch schön eingefangen, ich glaub da brauchst Du keine Handreichungen. Das Problem sind eigentlich immer die Lichtverhältnisse, in der einen Sekunde ist es zu dunkel, in der nächsten zu hell, mal ist es blau, dann wieder alles rot, mal kommt das Licht von den vorderen und mal von den hinteren Scheinwerfern und am übelsten ist eigentlich Bühnennebel. Der kann aber wiederum äußerst stimmungsvolle Bilder liefern, wenn das Licht gerade richtig kommt.

    Wenn man den perfekten Moment einfangen will bietet sich Serienbild an, in digitalen Zeiten kost das ja nichts. Leider muss man bei dem Licht meist mit sehr hohen ISO Werten arbeiten um kurze Verschlusszeiten zu erreichen, erst recht wenn man mit Blenden von 4.5 bis 5.6 arbeiten muss, daher hätt ich gerne durchgängig 2.8. Denn ein bissl Bewegungsunschärfe will man ja manchmal haben, aber wenn man so ein Bühnentier fotografiert das ständig rumzappelt wirds problematisch. Doch wem erzähl ich das, das ist eigentlich Grundlagenwissen, Du bist mir da wahrscheinlich sogar um einige Jahre voraus..

    Ein Grund warum ich mir damals die Nikon zugelegt hab waren die besten Werte bei hohen ISO Zahlen was die Rauscharmut angeht, so ein 2000 Euro Fernrohr übersteigt einfach mein Budget. Selbst das Sigma 70-200 kostet noch 900 Öcken, und 70 ist als Anfangsbrennweite doch schon etwas lang wenn man direkt vor der Bühne steht.

    Bei Deinen Fotos fällt mir auch teilweise ziemlich heftiges Bildrauschen auf, seltsamerweise sind einige Bilder aber völlig sauber (13 und 15) obwohl sich an den Lichtverhältnisse kaum etwas geändert haben dürfte.

    Hätt ich gerne gesehen das Konzert, besonders der erste Teil hätte mir sicher gefallen.

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  2. Ja die Musik der ersten Band liesst sich wie ein Mitreisser. Obwohl wenn man sieht mit welcher Inbrunst die Harfenistin mitgeht wird auch die 2. Band hörenswert gewesen sein.
    Von den Bildern würde ich trotz starkem Rauschen Bild 4 nehmen, da passt es ganz gut zusammen.

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  3. Hey, vielen Dank für erleuchtenden Kommentar. Serienbild ist eine Idee, die ich eigentlich nie habe. Da merkt man, dass ich aus der analogen Fotografie komme (ressourchenschonend).
    Warum manche Bilder mehr rauschen als andere, frage ich mich auch – das ist alles durchweg ab ISO 800 aufgenommen. Das Rauschen stört mich einerseits, andererseits tröste ich mich damit, dass man früher eben grobes Korn hatte (z.B. Kodak Tri-X 27° und dann hochgekocht).
    Beide Teile waren absolut sehenswert, jeder auf seine Weise. Schade, dass die Jugend beim zweiten Teil anfing, den Saal zu verlassen.

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  4. Hachjaaaa… die Musik der „ziehenden Gauner“ *seufz* ;-)))
    Und btw, das Rauschen stört mich bei Konzertfotos nicht im Geringsten, im Gegentum. Das „grobe Korn“ ist ja bereits erwähnt worden. Feine Bilder und bestimmt ein sehr netter Abend.

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  5. Zigeunermusik mit Harfe? Kann ich mir auch nicht so richtig vorstellen. Vielleicht war der zweite Teil zu „kultiviert“, vielleicht mochte die Jugend eher das Wilde und ist deshalb gegangen? Wobei ich das immer etwas unhöflich finde, naja.
    Schöne Fotos

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  6. Der Sound-Check war mässig, so waren sowohl Harfe als auch Violoncello kaum zu hören. In der Tat war Alexian Santino Spinello sozusagen eher die klassische Variante im Vergleich zum ersten Teil: das war Pop – aber beides war klasse

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  7. … und da sag' einer: in Montenegro wäre nichts los! Wenn dort nur halb so viel geboten wird wie auf dieser Seite, dann nichts wie hin. Zigeunermusik hin und Belichtungen her, alles gut. Man muss die Materie nur beherrschen. Optimal hättens wir alle gerne.

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  8. War bestimmt ein stimmungsvoller Abend… ich tendiere seit Jahren immer mehr zur handgemachten Musik (annplaggt). Und ja – Schnuckenack Reinhardt ist mir auch noch ein Begriff (wenn auch nicht live, sondern durch LP's)!

    Aber ich staune: Herr Ärmel macht nicht nur Landschaft und Stilleben, Makro und Architektur… jetzt überraschst Du auch noch mit Veranstaltungsfotografie! 🙂

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  9. Da kannten wir uns noch nicht -> http://herraermels.blogspot.com/2011/11/bildstorung.html
    …aber im Ernst, ich hatte das ja beim lernen alles mal Themenvorgabe, weiss also prinzipiell, worauf es ankommt. Allerdings halte ich mich an die Begrenzungen meiner derzeitigen Ausrüstung. Müsste ich mein Geld mit Fotografie verdienen, sähe das anders aus.
    Aber so: ich kaufe nur, was anderen nicht mehr gut genug ist, d.h. gebraucht. Und bei Olympus 4/3 sind die speziellen Objektive dünn gesät und entsprechend teuer. Von einem „richtigen“ Weitwinkel und einem Makro träume ich noch immer 😉

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