Da lacht die Forelle

Draussen weiterhin sommerlich…


Die Reaktionen auf den letzten Post waren erfreulich zahlreich. Diskussionen um Wallerstein und die Weltsystemtheorie. Zusendungen mit Links zu youtube Videos. Spezialisten, Analysten, Professoren und Doktoren. Alles unglaublich gelehrt. Meist jedoch zielen alle diese scheinbar Wissenden auf Untergangsszenarien ab. Ich habe jetzt genug gesehen und kapiert: aus vergangenen Ereignissen wird die Zukunft vorhergesagt. Jede dieser zahlreichen Aussagen ist eine Möglichkeit. Ohne Garantie allerdings. Mir kommt bei diesen Aussagen inzwischen meine eigene (Dauer-)Frage in die Quere: qui bono? Wem nutzt die jeweilige Aussage? Warum gerade dieses Statement.
Und bei Zweitausendeins wird in der (mittlerweile inflationär versendeten) Merkmail wieder ein Gedicht zur Jahreszeit vorgestellt. Von Rainer Maria Rilke. Herbsttag. Nächstes Jahr wirds wieder von Hermann Hesse sein. Alles wie wir es kennen. Und dabei ist es hier noch sommerlich.
Netter Besuch ist in der Dunkelkammer immer gerne gesehen.
Im Nachbarland arbeitet ein Freund, der das Meer vermisst. Einladung, Zusage und Vorfreude gehen Hand in Hand. Und überdies stammt der Mann aus Hessen. Also erschallt das kernige heimatliche Idiom in der Dunkelkammer.
Wir haben uns etliche Jahre nicht gesehen und darum gibts viel zu erzählen. Am Strand zum Beispiel. Die Zeit fliegt. Und weil der Körper zwischen der dringend benötigten Flüssigkeitsaufnahme auch Feststoffe braucht, entscheiden wir uns für einen Ort am See.  Wir fahren in ein kleines Dörfchen, das auch wir noch nicht kennen. Dort soll die beste Fischsuppe am See gekocht werden. Die meisten Gastwirtschaften rund um den See kennen wir bereits und die riblija corba (Fischsuppe) schmeckt hier in der Tat erstklassig. Der kühle Weisswein passt genau dazu. Frau Waas ist von den Forellen entzückt. Wir sitzen auf der überdachten Terrasse und lassen unsere Blicke über den See schweifen. Ein Gefühl sorgloser Unendlichkeit stellt sich ein. Fischer kommen, halten ein Schwätzchen, Bier und Gelächter. Sonntagspaddler erkunden die versteckte Bucht am See. Ein Dorfbewohner verdient sich einige Euro mit einer Spazierfahrt für Neugierige.
Man zeigt uns einen Eimer mit frisch geschnittenen Wasserkastanien (auch: Wassernuss – trapa natans). Die sind jetzt offensichtlich bereit zum ernten. Wie gehabt, hört das Verstehen aller Erklärungen bereits damit leider auf. Noch. Der Ansporn zum Reden wächst. Auch als wir spontan an einem Haus anhalten und fragen, ob hier Wein verkauft werden würde. Klar, kommen Sie rein. Wollen Sie einen Kaffee, Rakija? Wir entscheiden uns für Rakija und die Wahl ist goldrichtig. Wir radebrechen und freuen uns, schon ein wenig mehr zu verstehen. Ein Teller mit frischen Trauben auf dem Tisch. Zwei Flaschen roten Vranac (spr. Wranaz) in den Rucksack und ab nach Hause, denn leider müssen wir schon wieder Abschied nehmen.
Der nächste Besuch wird morgen mit Freude erwartet. Danach werden wir selbst wieder Besucher sein. Im hoffentlich Goldenen Oktober. Sonst könnte es mich reuen. Noch gibts Kornelkirschen und die ersten Waldheidelbeeren habe ich auch schon gesehen. Ob die Forelle gelacht hat? – Ein bisschen aus der Welt, so fühlt sich das auf alle Fälle manchmal an.
     (Foto anklicken und gross gugge)

 

 

 

 

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6 Gedanken zu „Da lacht die Forelle

  1. Soso Wasserkastanien also, merkwürdiges Zeugs gibbet da unten *g*
    Sieht interessant aus,
    Wenn man die Berichte hier so liest wird einem schnell klar, was im Regenwäldle eindeutig fehlt. Das sind so die kleinen Händler und gastronomischen Einrichtungen, in die man bei einer Wanderung mal eben so einkehren kann.

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  2. Wasserkastanien werden gerne in chinesischen Fertiggerichten verwendet, sie sorgen für Volumen ohne den Geschmack zu verändern *fg* furchtbares Zeugs.
    Aber Deine Schilderung der Fischsuppe erinnert mich an die Steckmuschelsuppe, die wir auf einem Hof an der Spitze Pelješacs zubereitet bekamen, wenn wir genug Steckmuscheln mitbrachten. Mit Tomaten und viel Knoblauch, ein Traum. Hach, die ganze Gegend da unten ist ein Traum. Ich beneide Dich jedes mal wenn ich die Fotos sehe.

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