Lost Place zwischen Himmel und Meer

Morgens und abends beginnt es, frischer zu werden…

      (Foto anklicken und gross gugge)


Kaum ist der freundliche hessische Herr wieder nach Belgrad zurückgeflogen, gehts erneut zum Flughafen. Wir freuen uns auf König Alfons den Viertelvorzwölften und das Urmel. Die beiden wollen ein paar schöne Tage am Strand geniessen.
Auf dem Weg hinunter zu unserem kleinen Lieblingsstrand, geht ein Weg links ab. Den will ich mir schon seit längerem ansehen. Er könnte militärischen Zwecken gedient haben, denn er ist befestigt. Der alte Küstenweg der Habsburger soll inzwischen als Wanderweg markiert sein. Was muss in den Wiener Köpfen vorgegangen sein, als man Pläne schmiedete und davon träumte, auch einmal eine Seemacht zu sein. Viele Überreste von Befestigungsanlagen und Beobachtungsstationen sind noch heute vorhanden. Der schmale Weg ist jedenfalls nicht als Wanderweg markiert. Dennoch macht er mich neugierig. Ausserdem will ich auf den Hügel steigen, der den kleinen Strand begrenzt. Vielleicht kann man von dort oben aus eine versteckte lauschige Bucht für kommende Strandtage entdecken.
Ich begleite unseren lieben Besuch hinunter an den Strand und gehe dann ein Stück zurück um zu sehen, wohin der Weg wohl führen mag.
Ich biege in den Weg ein und vertreibe dabei eine Schlange, die in der Sonne hindöst. Es ist heiss und für die hundert Meter Luftlinie entfernte Spitze des Hügels brauche ich kreuz und quer und auf und ab fast eine Stunde. Dann stehe ich vor einer Garage. Daneben eine Tür mit einer Art Korridor, der am hinteren Ende in die Garage mündet. Ich bin vorsichtig, denn es raschelt rundum auf der Erde und ich habe keine Lust auf Schlangen, Spinnen und stachelige Gewächse. Aber die Neugier treibt an.
Ich betrete die Garage und gehe durch die hintere Tür. Ein langer Gang der parallel zur Küstenlinie verläuft endet irgendwo in der Finsternis. Seitengänge sind durch den Lichteinfall zu erkennen. Ein ehemaliger Beobachtungsposten? Gleissendes Licht dringt in einen Gang der direkt zum Meer mündet. In der Öffnung, einer Art Balkon, ist die Verankerung für eine Kanone im Boden. Die Installation für den Tarnvorhang samt den dazugehörigen Haken könnte man schnell reaktivieren. Unter mir bewegen sich sanfte Wellen. Ein einzelnes Fischerboot verliert sich fast in der Weite der türkisblauen Adria.
Ich erkunde die Anlage. Irgendwo führt eine Treppe nach oben ins Licht. Leider bin ich alleine und ohne Werkzeuge. Stollen enden im Nichts. Ich  habe keine Lampe dabei. Auf einen Lost-Place bin ich nicht vorbereitet. Unter manchen Tritten klingt es trotz des felsigen Untergrundes hohl.
Nach einer knappen Stunde mache ich mich auf den Rückweg. Diesmal nehme ich einen anderen Weg und komme dabei an Überresten des untergegangenen Jugoslawien vorbei. Eine militärische Einrichtung, die vielleicht mit dem Tunnelsystem im Felsen zusammenhängt. Schade, dass überall Unrat herumliegt. Andererseits erzeugt der müllige Verfall Stillleben ganz eigener Art. Nach drei Stunden wandern, entdecken, staunen und fotografieren erreiche wieder den Strand. Die Früchte der Kakteen sind auch langsam reif. Ich bin reif für ein ausgedehntes Bad im Salzwasser.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
———-
Und weil heute der 3. Oktober ist, ein Zitat von Stefan Berg:
„Je länger ich unter Westdeutschen arbeitete, desto mehr verflog mein Ärger über die Mitläufer von einst. Opportunismus war in der DDR ein Produkt der Angst vor dem Abstieg, im Westen ein Produkt der Hoffnung auf den Aufstieg“.
 
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen anregenden Feiertag.
Advertisements

8 Gedanken zu „Lost Place zwischen Himmel und Meer

  1. Tztz jetzt hat er auch noch lost places in allerbester Strandlage, Herz was willst du mehr 😉
    Interssante Foddos, das schreit ja fast nach einem 2.Besuch dort mit etwas mehr Zeit im Gepäck.

    Gefällt mir

  2. Festes Schuhwerk ist wohl auch anzuraten, am besten kniehoch und aus dickem Leder, damit das rascheln im Gebüsch seinen Schrecken verliert. Also ich finde Schlangen in freier Wildbahn recht beunruhigend, wir haben als Kinder zwar auch welche beobachtet, aber das waren halt nur Ringelnattern, trotzdem aus respektvoller Entfernung *g*.

    Gefällt mir

  3. Hiermit erteilen wir Leser Herrn Ärmel den hochoffiziellen Auftrag, nach dem neugierigmachenden Vorbericht die (Bunker)Anlage ein zweites Mal zum Zwecke der Erkundung aufzusuchen und uns darüber Bericht zu erstatten!

    PS: Bei der Treppe auf Bild 7 kam mir sofort der Gedanke an die Gänge in Moria, wie sie Tolkien beschrieben hat 🙂

    Gefällt mir

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s