Erinnerungen im Advent

Kalt und klar…

Ob man mit Weihnachten etwas am Hut hat oder nicht – jeden packts jedes Jahr erneut. Eine Nachbarbloggerin macht mit ihrem aktuellen Post die Leinen der Erinnerungen los. An frühe Geburtstags- oder Weihnachtswünsche kann ich mich im Gegensatz zu ihr nicht erinnern. Vielleicht hatte ich keine konkreten Wünsche. Oder ich habe sie schlicht vergessen. Die elektrische Eisenbahn stand sicherlich nicht auf einem Wunschzettel, hingemalt in Krikelkrackelschrift. Die stand zwar seit jenem Weihnachtsabend in den kommenden Jahren für einige Monate wieder im Wohnzimmer, mein Herz aber habe ich nie daran gehängt.
Fasziniert hat mich allerdings das Drumherum. Autos, Häuschen und die kleinen Personen aus zerbrechlichem Plastik. Mit diesen Dingen konnte ich kreativ umgehen. In erträumte Situationen versinken, mit den kleinen Fingern Auto fahren, das Dreihäuserdorf immer wieder umbauen, LKWs am Güterschuppen beladen. Die kleinen Plastikmenschen wurden lebendig. Wie Buben halt spielen; Welten erschaffen und an der Lebenswirklichkeit abprüfen. Spielen „wie in echt“ eben. Die auf der Platte festgeschraubten Gleise waren dabei nur lästige Begrenzungen meiner kindlichen Fantasiewelten. Irgendwann habe ich meine beiden Züge in der hintersten Kurve abgestellt. Seitdem hinderten sie das ungestörte Spiel nicht mehr wenn ich mit den kurzen Armen beim Spiel dran hängengeblieben bin und Loks oder Wagen scheppernd aus den Gleisen gefallen sind.
Überhaupt auf festgelegten Schienen zu fahren. Lokführer zogen ebenso wenig wie Polizist oder Schwimmmeister ihre Bahnen am Horizont zukünftig möglicher Lebenswege. Auf Schienen in feste Bahnen gezwungen sein. Diese Metapher lag ausserhalb des kindlichen Reflektionsraums und dennoch: die beiden Stuhllehnen scheinen mir den heutigen Zäunen am Rande des Bahngeländes doch zu ähneln, wer weiss. Für die Eltern wars bestimmt kein billiges Vergnügen, das sei ihnen zugute noch heute gehalten.
Dieses Jahr freue ich mich auf Geschenke – nach all den vielen Jahren, in denen ich die Antwort auf jeweilige Fragen so ausdauernd schuldig geblieben, dass Wohlmeinende schon beim Stellen der Frage erkennend abgewunken haben. Irgend etwas muss sich ereignet haben zwischen der alten Märklin Eisenbahn, der ersten Weihnachtsgabe, an die ich mich bewusst erinnern kann und einem späteren Geschenk. Da bin ich mir inzwischen sicher im Unsicheren. Genau genommen interessiert mich das aber garnicht mehr. So rasseln die Erinnerungen zurück an der Kette in den Brunnen der Geschichte.
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23 Gedanken zu „Erinnerungen im Advent

  1. Hach ja die guten alten Erinnerungen an vergangene Weihnachtsfeste.
    Mit der Eisenbahn scheint sich ja dann eher der Traum des Herrn Papa erfüllt zu haben. Ist es aber nicht oft so, dass die Väter an Weihnachten dann mehr Spaß haben als die Kleinen?
    Meine frühste Erinnerung an Weihnachtsfeste ist ein Märklin Metall Baukasten an dem ich dann über Jahre hinweg meine Freude hatte.

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  2. Das sieht wenigstens nach Eisenbahn aus, bei uns fuhr die auf dem Teppich und wurde abends wieder abgebaut. Immerhin mit 3 Häusern und 1 Tunnel, dafür ohne Weichen, man konnte die festen Bahnen nicht einmal wechseln. Die Bahn empfand ich auch immer als Nebensache, wenn man heute mal ins Miniaturwunderland geht ist das ganze Drumherum auch wesentlich spannender als die fahrenden Züge.

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  3. Ich hatte auch zwei Märklin Metallbaukästen (1012 + Ergänzungskasten 1032). Leider fehlten immer Teile, um die grösseren Modelle zu bauen, die noch im Anleitungsheft abgebildet waren. (So wurden schon damals Kinder abhängig gemacht!). Als junger Mann hatte ich ca. 20 Kästen gebraucht gekauft mit einer Menge Motoren und konnte endlich den grossen Schwimmkran bauen. http://www.streichholzmodelle.de/Metallbaukastenmodelle/Seite007.htm (fremdes Foto aus dem Netz!)

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  4. Ja ja, ich habe heute zwei Stunden damit verwendet, im Netz alte Märklin Kästen zu suchen und anzuschauen. Der Anfall ist vorüber 😉 als ich aber den „Verwandlungsmotor“ in der Bucht gesehen habe ^^

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  5. Für Eisenbahnen hab ich mir um die Weihnachtszeit die Nase schier an den Schaufenstern der einschlägigen Spielwarenläden aufgerieben, das ging bei uns gar nicht, weil wir den Platz nicht hatten, es reichte im Wohnzimmer für eine „Targa Florio“ Carrerarennbahn mit Rundenzähler! Die stand dort 4 Wochen im Jahr, dann war sie runtergefahren, die Karosserien kaputt, die Schleifer zig mal ausgewechelt, Leitplanken kaputt. Hat aber gereicht, mit dem Rennsport und mit Autos an sich bin ich nie warm geworden.

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  6. Definitiv! Die vom Herrn Sleeper erwähnte Targa Florio in 1:24 stand ganz oben auf meinem Wunschzettel, als Kind macht man sich ja auch keine Gedanken wo das Ding aufgebaut werden soll. Leider ist es dann auch nur eine Bahn von Faller geworden, mit Käfer und Opel Rekord machen Autorennen nicht ganz so viel Spaß.

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  7. Ich hatte keine Eisenbahn, aber ein Kumpel. Und zwar ein richtig großes Diorama mit Ortschaft, Tunnel, Wald und Truppenübungsplatz. (Wurde nur Weihnachten aufgestellt.)Die beiden T54-Panzer fand ich spannender als die Eisenbahn. Eines Tages wollten wir einen echten „Russenunfall“ spielen. Panzer auf Schiene – Zug entgleist – Matchbox-Krankenwagen und Feuerwehr kommen usw. Aber der Panzer wurde einfach von der Lok von der Schiene geschoben… hmmmffff.

    Wir spielten dann doch lieber wieder mit Indianern. Züge im Kreis fahren zusehn war langweilig und Züge die Panzer von der Schiene schieben – einfach nicht real.

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  8. Das, Frau Inch, kommt schwer darauf an. Mein Papa hat seine bekommen, bevor ich mich dafür hätte interessieren können, und ich ein paar Jahre später meine eigene. Meine Kinder ebenfalls – die Jüngste allerdings noch nicht, aber die Zweitjüngste sagt jetzt meinen Loks abends Gute Nacht. Ihre eigene Lok ist aus Holz von Brio, und in ein paar Jahren fängt sie sicher mit Märklin an… aber zu Weihnachten ist vermutlich heuer nichts Bahniges dran bei uns.

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  9. Züge, die im Kreis fahren, verirren sich nie!
    Die Zugführer spielen mit ihrer Phantasie und dominieren die begeisternde Technik.
    Märklin ist ihre Gleisswelt, die Eisenbahn hat ihre festgelegte Bahn, wie schӧn war es…..

    Alles Gute zu Weihnacht und zum Neuen Jahr….

    Ärmel oder ärmelos, lieber Freund schreib weiter bloß
    Karl-Heinz

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  10. Brio hatten unsere auch, da koennen Kinder wenigstens „frei“ spielen. Spaeter hatten wir eine Menge LGB fuer draussen im Garten, das war auch ein spezielles Erlebnis. Aber jetzt sind altersgemaess andere Themen wichtig.

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  11. Bei Panzern kann ich nicht mitreden – hatte keines der Kinder in der nähereen Umgebung. Indianer? Ja, da erinnere ich mich. Und an die genialen Ritterfiguren von Elastolin (heute sicher ein Vermögen wert) vom Nachbarjungen, toll…

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  12. Oft genug, Frau Inch, ist das sicher so. Vor allem, wenn der hoffnungsfrohe Nachwuchs „seine“ Eisenbahn entdeckt, aber dann nicht mehr drandarf, weil ja der Papa und womöglich auch noch ein, zwei Opas und unter Umständen gar noch Onkels die schöne Bahn monopolisieren.

    Was immer noch harmloser ist, als wenn Mutter ihre Tochter zum Ballett oder Tennis scheucht, um sich ihren Kindheitstraum nachträglich zu erfüllen. Martina Hingis hats ja sogar geschafft, aber viele Mädchen zerbrechen daran.
    Aber das fällt dann doch weiter aus als der Blogeintrag hier.

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