Ein nasskaltes herzerwärmendes Wochenende

Ekelhaft nasskalt…

     (Zum betreten der Galerie Foto anklicken)

Wir statten den seinerzeit hier versprochenen Gegenbesuch ab. Professor Zwengelmann (wer erinnert sich noch?) steht am Flughafen Nikola Tesla in Belgrad und nimmt unsere Köfferchen entgegen. Ein gemeinsames Wochenende ist angesagt. Kollege Zwengelmann lehrt und logiert derzeit in Belgrad. Als Gastprofessor im hiesigen Lehrbetrieb und ausgewiesener Spezialist für Wein, Wanderungen und Wohlleben stellt er uns sofort seinen exqusit ausgefeilten Plan für die beiden kommenden Tage vor. Alles klingt verlockend. Er mag sich in der Jahreszeit geirrt haben. Unsere müden Blicke zeigen fragend zum tief verhangenen Himmel. Eisregen und spiegelglatte Strassen sind vorhergesagt.
Bei einem feinen kleinen Imbiss entschliessen wir uns zu wetterentsprechend spontanen Entscheidungen. Um es vorwegzunehmen, es fällt eigentlich alles flach. Ins Wasser, in den Nebel und überhaupt. Dennoch fahren wir am kommenden Morgen ins Hinterland. Frankenwald. Ja doch, den gibts auch hier. Mit einer erstaunlichen Klosterdichte überdies. Eins davon möchten wir besuchen. Durch die verlassen winterliche Landschaft – flach und weit, weit und flach – fahren wir einsam bis die Landschaft hügelig zu werden beginnt. Trotz fehlender Schilder, oder wenn, dann in kyrillischen Buchstaben, finden wir das gesuchte Kloster. Ein Mönch begrüsst uns freundlich lächelnd und weist den Weg. Kreuzgänge kenne ich ganz anders. Wir besichtigen das Kirchlein. Hier erfahre ich erstmals (durch Zwengelmann) von der „dritten Hand“ Marias auf einer Ikone und ihrer Bedeutung.
Überhaupt Ikonen. Es gilt (eingefahrene) Bilder zu korrigieren. Das gilt nicht nur für den Schmuck von Kirchen und Klöstern. Ich bin seltsam mit meinen Bildern und Vorstellungen von und über Serbien konfrontiert. Das ganze Wochenende lang. Bilder, die seit zwei Jahrzehnten mitteleuropäisch mediengesteuert treffsicher in die Tiefen meiner Wertewelten versenkt worden sind. Dort lagert nun ein Arsenal an (Vor)urteilen. Mieter, die keine Miete zahlen und auf mein Kündigungsrecht pfeifen, um mit dem lebensklugen Herrn Sloboda zu reden.
Nach unserem Besuch schenkt uns der Mönch beim Abschied kleine Heiligenbildchen zur Erbauung. Wie können wir ihm danken? Ah, es gibt noch anderes zu kaufen als Kerzen und Broschüren. Die Flasche Slivovitz sieht verführerisch aus. Den Sinn des Holzgestells drumherum verstehen wir mehrmaliger Nachfrage nicht. Sprachbarrieren. Wir verlassen den frommen Ort und nehmen sofort eine kleine Kostprobe. Das macht Lust auf eine weitere Klosterbesichtigung.
Hier haben wir das Glück, dass der Priester uns einen Novizen zur Seite stellt. Der junge Mann spricht leidlich deutsch und wir haben erstmals Gelegenheit Fragen zu stellen und soweit der Novize schon eingeweiht ist, erzählt er wissenswertes. Leider darf ich in dieser Kirche nicht fotografieren. Im Kreuzgang steht ein leerer Getränkeautomat. Nach dem Mysterium der dreihändigen Maria vergass ich zu fragen. Aber immerhin, die weissen Flecken nehmen ab auf der bunten Karte vieler Fragen.
Auf dem Rückweg halten wir in einem Weingut mit Restauration Einkehr. Das Mahl ist opulent und die Weine wählt unser Gastgeber aufs passendeste. Als wir unsere Herberge erreichen, beschliessen wir, den Abend statt auf einem Donauschiff mit Zigeunermusik live lieber auf dem gemütlichen Sofa bei anregenden Gesprächen und Getränken zu verbringen. Morgen haben wir ja auch noch einen Tag… 
 

 

 

 

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8 Gedanken zu „Ein nasskaltes herzerwärmendes Wochenende

  1. Die beiden Holzarme (samt der Pulle) symbolisieren die Abschussrampe im russischen Weltraumbahnhof Baikonur. Zumindest früher sah das Ding so aus. Während der Zündung der Raketenmotoren neigten sich die beiden Arme langsam zur Seite und der Slivovitz erhob sich majestätisch gen Himmel.
    Achnee… die Rakete wars… ist ja auch egal ! *gg*

    Nasdrovje ! 🙂

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  2. Aaahh – das kann stimmen.
    Ich muss also, deinem hoffentlich hilfreichen Hinweis folgend, beide Kordelschlaufen um meine Ohren legen und darf alsdann kopfgesenkt, Gaumen & Gurgel quasi zum Himmelsgewölbe geöffnet, die Himmelfahrt des St. Slivovitz erwarten. Allmächtiger – die Welt ist gross

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  3. Die dreihändige Maria ist meines Wissens eine Erweiterung der „Dexiokratousa“, einem Ikonentyp, bei dem das Jesuskind auf dem rechten Arm sitzt. Die dritte Hand ist oft nachträglich angebracht, als Votivgabe, zum Dank für erwiesene Gefälligkeiten, oder so.
    Wird dann oft als „Tricheirousa“ bezeichnet.

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  4. Sehr gut – vielen Dank für den Hinweis. Ein erster schneller Blick erschliesst das Erwartete: Legendenlegendenlegenden – – – erste schriftliche Zeugnisse ab dem 17. Jhdt. Dennoch wie alles: interessant genug, um dem weiter nachzugehen

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  5. Ich kenne die russischen Kirchen in Wiesbaden und Darmstadt. Da scheint allerdings mehr russisches Geld verbaut worden zu sein. Von der Innenarchitektur sind es ja alle orthodoxe Kirchen, da fällt das Wiedererkennen von Strukturelementen leicht

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