Fragen zum Jahresende

Das Wetter? So lalá…

 
Das Ritual ist bekannt. Zu Beginn eines neuen Jahres blubbern die frommen Wünsche zukunftsgerichtet. Drei Wochen später hat einen die Welle der liebgewordenen Gewohnheiten von hinten überrollt und alle guten Vorsätze in den Rinnstein der Belanglosigkeiten gespült. Vergessen und vorbei; höchstens ein schaler Nachgeschmack eigener Nachlässigkeit erinnert noch gelegentlich für eine kleine Zeit. Der wird dann schnellstens beim nächsten Shopping, einer flüchtigen Liebschaft oder einer anderen kurzfristigen Ablenkung weggegurgelt und gut ist.
Kenne ich auch aus vergangenen Zeiten. Ich lasse diese frommen Wünsche seit mir klar geworden ist, dass dabei oft die wichtigste Frage, wem oder was der gute Vorsatz gewidmet und versprochen sei, unbeantwortet bleibt, wahrscheinlich nicht einmal gestellt worden ist. Mir selbst, einem nahen Menschen oder fernwaltenden Göttern? Mit welcher Motivation wurde gelobt und auf welchem Altar anschliessend geopfert?
Ich habe eine Affinität zu Müllcontainern, Schrottplätzen und Ruinen.
Daher mag es kommen, dass ich mir lieber Fragen vor dem Ende des zur Neige gehenden Jahres stelle als sie am Anfang anbrechender Jahre wahrscheinlich zu vergessen. Ich frage mich beispielsweise nach meinen Wegen in den vergangenen zwölf Monaten des ausklingenden Jahres. Bin ich hier oder da von meinem Weg abgekommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben? Eins ist, eine Linie zu haben; ein anderes, auf den Strich zu gehen. Bin ich mir selbst treu geblieben, um so auch mir lieben Menschen die Treue halten zu können?
Haben mir Menschen geholfen auf meinen Wegen und ich habe es vielleicht erst später erkannt; mich im ersten Moment sogar gestört gefühlt. Es ist bekannt: wer nicht anstössig ist, gibt auch keinen Anstoss zu weiteren Entwicklungen.
Wichtig ist mir darüber hinaus, um den (Jahres-)Kreis zu schliessen und dem Bild einen würdigen Rahmen zu geben natürlich alles, was unwichtig geworden ist in diesem Jahr; abgestorben, überflüssig und somit auf zukünftigen Wegen wertlos und überdies lästig. Gelöste Probleme, überwundene Schwierigkeiten und bestandene Prüfungen. Dies und die erledigten Fälle von Menschen, deren verwirrenden Einflüsterungen und abträglichem Tun ich widerstanden habe, finden ihren Platz vorübergehend im Giftschrank der Erinnerung.
Mit Offenheit und Interesse sehe ich neuen Erlebnissen und Erkenntnissen entgegen, die auf mich warten. Wiedersehen und Begegnungen mit liebgewordenen und vielleicht liebwerdenden Menschen, neue Orte, Erfahrungen und vielleicht das eine oder andere kleine Wunder. Da kommt (Lebens-)Freude auf beim bilanzieren am Jahresende.
 
Das heutige Datum des in einem Mayakalender vorhergesagten Weltunterganges nehme ich gelassen. Zur Zeit dieses Kalender wurden unsere Tage noch nach dem Julianischen Kalender bestimmt. Demnach hätte der Weltuntergang bereits am 8. Dezember dieses Jahres stattfinden müssen. 
 
Somit wünsche ich allen Lesern ein schönes Wochenende und einen ruhigen Vierten Advent.
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12 Gedanken zu „Fragen zum Jahresende

  1. Das mit den guten Vorsätzen ist so eine Sache. Ich glaube Statistiken belegen, dass sie zu 95% gebrochen werden. Eben ein Grund warum ich mir dieses inzwischen auch verkneife.
    Dein Ansatz mit dem Hinterfragen eines abgelaufenen Jahres ist da schon eher ein taugliches Mittel. Nun hoffe ich, dass Du eine positive Bilanz ziehen konntest.
    Die auch ein schönes Wochenende und besinnlichen 4.Advent.

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  2. Du hasdt, wie immer, in alemm Recht! Nur, das mit dem 8. Dezember kann ich nicht bestätigen, weil ich von so was so gar keine Ahnung habe. Dafür habe ich mich gestern aber mal auf einschlägigen Seiten umgeschaut 😀

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  3. Gute Vorsätze habe ich meistens nur für die nächsten Tage und Wochen, völlig unabhängig von der Jahreszeit. Die lassen sich auch deutlich besser handhaben als so eine Jahresplanung.
    Frohes Kofferpacken und gute Reise 😉

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  4. Ich kann mich an meinen letzten „guten Vorsatz“ schon garnicht mehr erinnern, muss wohl einige Jahre zurückliegen.
    Koffer ist gepackt, schmerzlich allerdings, dass mir ein erwünschtes Wiedersehen nicht vergönnt sein wird. Prost auf die Feiergesellschaft !!

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  5. Gute Vorsätze habe ich schon lange aufgegeben, gibt's genau so selten wie gute Vorgesetzte.

    Wenn's kommt, dann kommt's. Das zu Ende gehende Jahr ist im Nachhinein das Jahr des „Brauche ich nicht mehr“ geworden. Ich hab mir fast sogar Weihnachtsgeschenke verbeten. Die brauche ich auch nicht mehr. Die Bierpreise haben sich erfreulich entwickelt, gestern eine Kiste Lieblingsweizen für unter 10 €, das ist okeo.
    Vor ein paar Tagen fiel mir auf, wie seltsam es eigentlich ist, Zeitungen zu lesen. Ich sitz da morgens am Frühstücksei und dann kommt's: Weltuntergänge haufenweise. Nicht nur am 21. Dezember, eigentlich jeden Tag irgendwie einer. Haben die Leute nicht genug eigene Probleme? Also doch ein guter Vorsatz für 2013: Das kann mir alles gestohlen bleiben!

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  6. Lieber Zeilentiger, Sie hier im Brunnen der Vergangenheit meines Blogs.
    Schon fast zwei Jahre ist das nun her und demnächst werde ich den nächsten Jahresrückblick halten. Meinen Gruss zum Neuen Jahr muss ich auch noch vorbereiten…
    Aber vorerst: Abendruhige Grüsse vom Schwarzen Berg

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