Inventur – Bilanz – Was bleibt?

Frischer Wind…

Zum Jahresende wird aufgeräumt und durchgekehrt. Mein Umgang mit den „guten Vorsätzen“ ist bereits gepostet. Steht nur noch aus die Inventur mit abschliessender Bilanz.
Eine Revolution im eigenen Land angesichts der Vorbilder in anderen Weltgegenden sowohl von rechts als auch von links war nicht ernsthaft zu erwarten. Wünsche ich mir allerdings in den gezeigten Formen auch zukünftig nicht. Viel bedenklicher scheint mir die Unbeweglichkeit der breiten Mitte der Gesellschaft. Angesichts der offensichtlichen Leidensfähigkeit bei zunehmender Bevormundung, Überwachung und der Beschneidung individueller Freiheiten schwanke ich noch immer zwischen Mitleid und Bewunderung. Wielange wird diese träge Masse noch schweigen im Zeichen des Wolfs, sichtbar gestempelt auf ihren rechten Schultern?
Zur Zufriedenheit selbstherrlich unfähiger Politiker herrscht also weiterhin Ruhe im Land. Von daher ist in diesem Jahr alles beim Alten geblieben. Hinsichtlich der Wahlen im kommenden Jahr glimmt als Hoffnungsschimmer am Zeithorizont zumindest das Verschwinden der ohnehin überflüssigen Fast-Drei-Prozent Partei. Man wird bescheiden und erfreut sich bereits über kleine Schrittchen. Und wenn es sich überdies fügen wollte, dass Miss Merkel nach den nächsten Wahlen ihr dümmliches Mantra „same procedure as every year, Wahlvolk“ nicht gebetsmühlenartig weiterleiern könnte. Fromme Wünsche. Allerdings werden wir auch weiterhin von der Partei (macht der Name einen Unterschied?) regiert werden statt mit der Verfassung Ernst zu machen.
Die allerhöchsten Wahrsager im berliner Reichstag und ihre Bezahler in den Chefetagen der Konzerne – was sie heute nicht halten, werden sie uns morgen nicht mal mehr versprechen. Den Artikel 20.2 des Grundgesetzes fürchten sie zusehends weniger. Ich will nicht hoffen, dass sie demnächst beginnen, die Wahrheit zu sprechen; na dann gute Nacht.
Da halte ich mich lieber an Menschen, auf die dieses Wort in seinem ursprünglichen Sinn noch zutrifft: Menschen mit Ecken und Kanten, die sich redlich mühen auf ihren Lebenswegen. Menschen, denen die moralischen Grundsätze vom Geben und Nehmen im sozialen Umgang noch nicht abhanden gekommen sind.
Dankbarkeit und Freude wärmt die Seele beim Gedanken an diese Menschen. Besonders freue ich mich über Menschen, die ich kennenlernen durfte in diesem Jahr. Ich hoffe und wünsche mir, diese Begegnungen weiter intensivieren zu können.
Meine Frage des Jahres „cui bono?“ (wem nutzt es?) werde ich weiterhin pflegen. Nicht auf dem Boden (m)eines kleinlichen Egoismus – nutzt es mir? –  sondern im Hinblick auf mein Verhalten und das meiner Mitmenschen im Zusammenhang mit den sozialen Auswirkungen der jeweiligen Handlungen. In einem erweiterten Sinn bedeutet das auch zukünftig den weitgehenden Verzicht auf unnützen Konsum in jeglicher Form. Dabei geht es mir nicht um hehres Asketentum. Im Gegenteil vermag diese Frage das Leben enorm zu bereichern. Sie öffnet Augen und Ohren für den alltäglichen Wahnsinn, dem wir ausgeliefert sind. Immer häufiger stellt sich heraus, wie sehr wir schon bereit sind, jenen Irrsinn als Normalität zu akzpetieren und zu ertragen.
Herr Sleeper, dem ich mich nicht allein darin verbunden fühle, hat in seinem Blog einen feinen Post dazu geschrieben.
Mein Satz des Jahres ist eigentlich ein bedingender Nebensatz, den ich der guten Frau Mahlzahn verdanke. „Wenn die Klügeren immer nachgeben, regieren die Dummen die Welt!“
In diesem Sinne verloren einige sogenannte öffentliche Personen den letzten Rest meiner Achtung. Ausserdem verabschiedete ich neben einigen merk-würdigen(!) Zeitgenossen auch jenen Tragikomiker, der es nicht hinnehmen konnte und wollte, dass ich seiner eitlen Schwatz- und Geltungssucht die eingeforderte Bewunderung versagte. Meine Entscheidung krönte er seiner Attitüden gemäss damit, dass er in einer Radiosendung als Herr des Mikrofons unflätige Ausdrücke gegen mich ins Publikum lallte. „Betrunken im Dienst“ – da ist die Konsequenz der Ereigniskarte in einem bekannten Brettspiel ganz eindeutig.
Diese kleinen, nur im Moment unangenehmen Erlebnisse, beeinträchtigen meine Lebensfreude nicht. Sie sind mir dennoch wichtig als Peilstäbe auf meinem Weg. Sie machen aufmerksam auf die mir wirklich wichtigen Menschen in meinem Leben. Sie halten mich wach dafür, die positiven Seiten meines Lebens genügend zu schätzen und zu würdigen. In diesem Sinne freue ich mich auf das kommende Jahr.
Ich danke allen Lesern für das Interesse und die anregenden Kommentare und wünsche ihnen ein gesundes und erkenntnisreiches 2013er Jahr.
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4 Gedanken zu „Inventur – Bilanz – Was bleibt?

  1. Wertester Herr Ärmel,
    vielen Dank für diesen Post. Du sprichst mir in so ziemlich allen Punkten aus der Seele.
    Nur hätte ich es nicht so schön schreiben können.
    Besonders schmunzeln musste ich über den vorletzten Absatz; allerdings mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da ich mich, bedingt durch die ebensolche Verabschiedung von einem gewissen Tragikomiker, gleichzeitig von einem liebgewonnenen Hobby verabschiedet habe.
    Aber „wat mutt, dat mutt“, wie der Westfale zu sagen pflegt. Auch wenns weh tut und der Satz „Wenn die Klügeren immer nachgeben, regieren die Dummen die Welt!“ damit für mich -leider- eine ganz persönliche Note erhält. Shit happens.
    Man hat ja gottlob noch andere Hobbies und -noch wichtiger- reale soziale Kontakte und vor allem: gute Freunde ! 🙂
    In diesem Sinne möchte ich es nicht versäumen, noch einmal zu bekräftigen, daß es mich außerordentlich freut, Dich persönlich kennengelernt haben zu dürfen. War (m)ein (menschliches) Highlight des Jahres 2012.

    Die guten Wünsche fürs neue Jahr hatten wir ja vorhin schon am Telefon, sie seien hier aber nochmal bekräftigt.
    Und wenn Du die Tage nochmal reinschneien möchtest… Du weisst ja, wo Du mich findest. 😉

    Ein Schlafplatz auf der Holzpritsche im Kellerverlies und trocken Brot & Wasser zum Frühstück ist immer garantiert und reserviert !

    *duck & renn* :-)))

    Alles Gute Dir und Deiner Familie !
    Bleib, wie Du bist.
    Bis die Tage…

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  2. Hey xs4all,
    herzlichen Dank für deine Worte, die mich berühren. Und wenn irgend möglich, werde ich mich spontan in den Regenwald durchschlagen. Holzpritschen und Kellerverliese haben mich seit jeher magisch angezogen. Mehr allerdings „klore Leit“, wie wir Hessen sagen.
    Auch dir wünsche ich nochmals ein gutes Jahr, bewahr dir dein grosses Herz, deinen klore Kopp und vor allem deinen Humor.
    In diesem Sinne!!!

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  3. Muahahahaha, selten so gelacht. Dieser Hoffnungsschimmer bei der Fast-Drei-Prozent Partei glimmt schon zu lange. Der unwichtigste Laden in der deutschen Parteienlandschaft gehört schon lange in die Bedeutungslosigkeit, aber irgendwie haben sie es bundesweit immer noch geschafft. Geradezu erschreckend, dass die sogar mal ihr Projekt 18 beinahe verwirklicht haben. Nene, ich trau dem Wahlvieh nicht.

    Mir geht der ganze Kram auch zusehends am Arsch vorbei, wir Kälber können uns eh nur den Schlachter aussuchen, der Fleischmarkt ändert sich nicht. Da niemand weiß wie viel Zeit ihm bleibt werde ich jeden möglichen Tag nutzen, um zu leben wie es mir gefällt. Wenn der Laden vorher zusammenbrechen sollte kann ich immer noch sehen wie ich damit zurechtkomme.

    Ansonsten würde ich mich gerne den warmherzigen Worten meines Pappenheimers anschließen. Frohes neues Jahr!

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  4. Vielen Dank auch dir für den guten Wunsch und das Kompliment!
    Auch dir wünsche ich (leider habe ich deine Tel.-Nr. nicht) auf diesem Weg nur das Allerbeste und ich hoffe dringlich auf ein Wiedersehen.

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