Ein Jahr ist vergangen

Sonnenschein?!! Das muss ein Versehen sein… – ? – – : aahh es regnet wieder wieder: alles in Ordnung! ….


Heute auf den Tag und just zu dieser Zeit habe ich die Buggelwutz durch Nebel und Regen über den Lovcen hier her in die Hauptstadt auf dem Schwarzen Berg getrieben. Ein Jahr – eine lange Zeit.
Viel zu kurz andererseits, um alles gesehen zu haben. Da bleibt weiterhin viel zu entdecken. Der dünnst besiedelte Norden steht ebenso auf der Wunschliste wie die Grenzgebiete zu Bosnien und Albanien. Und weiterhin natürlich die verwunschenen Ecken rund um den Scutari See.
Das Viertel um die Dunkelkammer hat sich an mich gewöhnt. Dort hat mein Friseur seinen Laden, gegenüber die Bäckerei. Das winzige Lädchen, in dem sich mit gutem Willen zwei Kunden gleichzeitig mit ihren Wünschen aufhalten können, hält die Zichten stangenweise bereit. Der Uhrmacher in seinem ältlichen Glasverschlag. Und die Verkäufer an den Ecken mit der Saisonware. Schirme, faltbare Regenmäntel und dicke Socken gibts derzeit im Angebot. Mein Laden für Obst und Gemüse. Der baumlange krumme Hüne mit den kopierten CDs und DVDs. Bettelnde Kinder aus Konik, viel zu dünn bekleidet für die Jahreszeit. RAE wäre auch ein Thema. Roma, Ashkali und Egypter. Zige…er darf man ja aus Gründen der political correctness nicht mehr sagen. Die durch die Post-Jugoslawienkriege immigrierten Minderheiten hier im Land leben vorwiegend im Stadtteil Konik unter widrigen Bedingungen.
Gelernt vor allem dies: Wer auf dem Bürgersteig einem oder einer Entgegenkommenden ausweicht hat verloren. Ich habs versucht. Leicht verbisseneer Blick voll drauf zu, dann weichen die anderen aus. Lächeln verwirrt die meisten Menschen auf der Strasse. Warum auch immer. Da bleibt die Antwort noch aus. In den Geschäften und Läden ist es gerade umgekehrt. Beeindruckende Freundlichkeit. Einzig der Bezahlautomat bei der Telekom, an dem die monatliche Rechnung zu zahlen ist zickt regelmässig. Lass stecken.
Verabredungen auf ein Bier oder einen Kaffee sind meist freundliche Möglichkeiten, mehr nicht. Handwerker hingegen kommen nach vorherigen Terminabsprachen zuverlässig. Fachliche Fähigkeiten und Ausführung der Arbeiten stehen auf anderen Blättern. Der Wechsel eines Radlagers an der Buggelwutz hingegen kann sich sehen lassen. Ausnahmen bestätigen die Regel hier wie anderswo.
Vorurteile aus den Nachbarländern gegen die Menschen hier im Land kann ich nicht bestätigen. Dafür braucht es genauere Kenntnis der Verhältnisse am Schwarzen Berg. Die wünsche ich mir für das kommende Jahr. Und das richtige Licht für gute und interessante Fotos natürlich.
Dem Land wünsche ich mehr interessierte Reisende.  Von einigen Orten an der Küste abgesehen gibt es viel erstaunliches zu sehen und zu entdecken. Der Weg lohnt sich allemal.
Advertisements

10 Gedanken zu „Ein Jahr ist vergangen

  1. Versteh ich nicht o0. Was passiert denn, wenn man ausweicht? Außer dass man ausgewichen ist? *g*

    Hätte ich mein Reisebudget und meine Zeit nicht für die nächsten drei Jahre für genaue Reiseziele festgelegt, wär ich schon längst am schwarzen Berg gewesen. Schon um Erinnerungen aufzufrischen, auch wenn das einige Kilometer weiter weg war, ich habe nur äußerst angenehme Erinnerungen an Land und Menschen.

    Sollte sich aber unversehens eine Chance bieten werd ich die zu ergreifen wissen. Vielleicht guck ich dann mal in Orebic, was aus der schönsten Frau der Welt geworden ist in den letzten 40 Jahren *g*

    Gefällt mir

  2. Das ist doch ein Lichtblick …. in einer richtig schönen Gegend. Und da stellt sich jemand rein, guckt sich das alles an, fasziniert laufend mit seinen Eindrücken. Klasse.

    Wir hatten es beim Abendbrot auch zum Thema „Reisen“ und wie das früher einmal war, als ich noch viel unterwegs war. Ich hatte eigentlich nie Probleme mit Land und Leuten. Konnte ich nichts davon berichten, es gelang sogar oft, bei den Einheimischen irgendwie anzukommen, man hat die Sprache ein wenig gelernt, sich um die Hintergründe bemüht, hat versucht, nicht mit aller Gewalt anzuecken und da gab es viele schöne Begegnungen. Es ist vielleicht eher eine Kunst, es andersrum hinzukriegen.

    Gefällt mir

  3. Na dann begehe den Jahrestag mal in aller Gemütlichkeit.
    Wenn man Deine Berichte und Fotos hier regelmäßig studiert, kann man zwischendurch richtig neidisch werden und bedauert das der Schwarze Berg für einen Kurztrip einfach zu weit weg ist.
    Für Deine künftigen Streifzüge dort wünsche ich Dir auf jeden Fall viel Spaß und allzeit gutes Licht.

    Gefällt mir

  4. Verloren? Das scheint ein kultureller Habitus zu sein. Ich hoffe im Lauf des kommenden Jahres tiefer in das Geheimnis einzudringen.
    In Orebic war ich auch mal. Abends allerdings im dunkeln. Da legt die Fähre nach Korcula ab. Die Frauen sahen ganz normal aus^^
    Nach Chancen muss man Ausschau halten, dann ergeben sie sich auch 😉

    Gefällt mir

  5. Diese Kunst scheinen aber viele Reisende zu pflegen. Desinteresse, eine gewisse Ignoranz gepaart mit Überheblichkeit ermöglichen da vieles.
    Mir persönlich ging und geht das wie dir. Ich lege nicht unablässig das deutsche Massband an und lasse mich gerne überraschen. Das zahlt sich in schönen Erlebnissen aus.

    Gefällt mir

  6. Ich tät mir das auch gern mal im Original ansehen, das Land, auf das Du hier ständig neidisch machst. Hätte sogar eine Woche übrig im Sommer, da ich wohl nur zwei Wochen in der Ukraine sein werde. Allerdings haben mich die alten Freunde aus Rumänien beim Gesichtsbuch gefunden. Und bestehen nun drauf, dass ich mich da mal wieder blicken lasse. Und die Italiener ließen in der letzten Email auch so eine Art Unmut durchschimmern. Ich werde mich also zwischen diesen beiden Ländern entscheiden müssen. Wo bleibt da noch Platz für Neues? Freunde können auch eine Belastung sein 😀

    Gefällt mir

  7. Nimms gelassen und freue dich, echte Freunde zu haben, die dich gelegentlich vermissen 😉
    Oder andersrum: fahr nach Italien und besuche deine Freunde, dann nach Ancona oder runter nach Bari. Nimm die Fähre nach Bar, durchquere das Land der schwarzen Berge und dann Richtung Osten (mit der Bahn über 400 Brücken und durch hunderte Tunnels nach Belgrad) und vor dort zu deinen rumänischen Freunden. Eine nette Rundreise, oder?!

    Gefällt mir

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s