In einem Raum die Welt entdecken

Ein frühlingshaft beschwingter und sonniger Tag…

Für die eintägige Winterreise zog ich ein ebenso interessantes wie amüsantes Buch aus dem Regal und verstaute es im schmalen Reisegepäck.
„Bernd Stiegler – Reisender Stillstand. Eine kleine Geschichte der Reisen in und um das Zimmer herum“ (S. Fischer Verlag, Frankfurt, 2010).
Erinnert wurde ich an das Buch, das mir für eine frühere Arbeit als Sekundärliteratur diente, durch den Post ein benachbarten Bloggers, der für sich entdeckte, wie man in den eigenen vier Wänden kurzweilig unterwegs sein und erlebnisreich auf Entdeckungsreise gehen kann.
Im Mittelalter kannte man zwar das Itinerarium, als eine Art Wegbeschreibung mit Kirchen, Herbergen und sonstigen wichtigen Wegmarken. Diese Handbücher waren jedoch vorwiegend für Kirchenleute auf ihren offiziellen Missionen und Pilger wichtig. Kaufleute benutzten solche, die ihren Zwecken angepasst waren. Später erweiterte sich im Zuge der europäischen Expansion (Entdeckungen) das Repertoire um die ersten Expeditionsberichte zu fernen Kontinenten.
Mit dem Aufstieg des Bürgertums im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich die literarische Gattung der Reiseliteratur sprunghaft. Das hing einerseits mit den klassischen Bildungsreisen (z.B. Goethes italienische Reise) und andererseits mit dem sich damit entwickelnden frühen Tourismus zusammen. Zu dieser Zeit schrieben immer mehr berühmte Autoren sowie weniger bekannte Persönlichkeiten über ihre Reisen. Die Nachfrage nach diesen Büchern war immens. Immer mehr Menschen gingen auf Reisen und 1832 gab Karl Baedeker den ersten der nachmals berühmten Reiseführer heraus. Wir Heutigen erleben den Drang hinaus in die Ferne am Phänomen des Massentourimus.
Aber wie immer im Leben gibt es Menschen, die es irgendwie anders machen. Ich selbst bin vor einigen Jahren auf ein merkwürdiges Werk gestossen, dessen Autor ein ganzes Subgenre innerhalb der Reiseliteratur angestossen hat. Zimmerreisen. Xavier de Maistre (1763-1852) duellierte sich 1789 oder 1790 was ihm als Strafe einen sechswöchigen Stubenarrest einbrachte. Da er ebenso intelligent wie lebensfroh gewesen soll, traf ihn die Strafe deshalb hart, weil sie genau in Karnevalszeit fiel. Er nutzte seine Zeit gut, denn er schrieb das Buch „Reise um mein Zimmer“, das 1792 anonym veröffentlicht wurde. Der enorme Erfolg veranlasste ihn zu einem weiteren Werk „Nächtliche Expedition um mein Zimmer“.
Er löste damit eine Lawine aus. In rascher Folge erschienen von Autoren und Autorinnen Werke, die die ihnen nächste Umgebung „bereisten“ und erkundeten und in Büchern Berichte ihrer Erlebnisse darüber niederschrieben. Man bereiste seinen Keller, den eigenen Schreibtisch, die Bibliothek oder sogar die eigene Hosentasche.
Gemeinsam ist all diesen Werken, welche aufschlussreichen Erkenntnisse die Reisenden auf ihren Reisen im Kleinen dabei gewannen. Nach der Lektüre von Stieglers Reisendem Stillstand erhebt sich die Frage, welche (Er-)kenntnisse wir durch Reisen in ferne Gegenden wirklich gewinnen können. „Wer seine Heimat nicht kennt, hat keinen Massstab für fremde Länder“. ein Sinnspruch von Goethe, den er allerdings erst in Weimar nach der Rückkehr von seiner italienischen Reise aufschrieb.
 
Anbei eine Versammlung spontan ausgewählter Fotos möglicher Ziele zur Erkundung von Räumen. Es empfiehlt sich die Vorstellung sich für einen längeren Zeitraum in jenen Örtlichkeiten aufzuhalten, ohne sie zu verlassen.
Die technische Qualität ist aufgrund der verwendeten Kameras und der Formate der Fotos durchaus unterschiedlich, für diesen Post jedoch durchaus passend.
     Ein Foto anklicken und die Galerie öffnet sich. Voilà, hereinspaziert.

 

 

 

 

 

 

 

 

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5 Gedanken zu „In einem Raum die Welt entdecken

  1. Jeder Raum ist eine Herausforderung …..

    Vieles, was ich da sehe, das kann ich nicht einmal benennen, weil ich das Wort dafür nicht weiss. Oder weil ich den Kontext und die Kultur nicht kenne.

    Da flippern nur noch Assoziationen im Hirn herum. Was könnte das denn um Himmels willen sein?

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  2. Alles Räume, in denen ich entweder gelebt oder sonstwie zu tun gehabt habe. Der Weinkeller im Wallis wäre mir zu unangenehm temperiert auf die Dauer von, sagen wir einer Woche. Da würde ich lieber zaubrische Sachen in anderen Räumen suchen *g*

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