Alles im Fluss

Was imho eine gute Gruppe ausmacht: musikalisch oder textlich, irgendwas geht immer. Ton Steine Scherben – Keine Macht für niemand…
      Die kilometerlange schmale Narbe ist fast zehn Meter tief 
      und derzeit fast bis zum Rand gefüllt
Als junger Denksportler hat mich eine Aussage des Heraklit (jedenfalls wird ihm dieser Ausdruck zugeschrieben) auf eine unerklärliche Weise fasziniert – panta rhei – alles fliesst [πάντα ῥεῖ]. Wie konnte einer vor fast zweitausendfünfhundert Jahren darauf kommen, dass alle Gegensätze letztlich zu einer Einheit zusammen fallen. Inzwischen haben sich diese und andere Fragen durch konkretes Erleben beantwortet oder auch erweitert.
Auch hier auf den Schwarzen Bergen scheint alles im Fluss zu sein. Genauer in den Flüssen. Wenn starke Regenfälle und beginnende Schmelzwässer Bäche und Flüsse anschwellen lassen, sorgen steigende Wasserspiegel dafür, dass achtlos an die Ufer geworfene Abfälle in den Strömen mitgerissen werden. Sinken die Wasserspiegel dann kurzfristig, geben die Uferränder mitunter bizarre Bilder ab.
Nicht alles klären fliessende Wasser.

Alles im Fluss – manches fliesst, vieles hängt
Auch im Heimatland der vermeintlich bürokratisch perfekten Verwaltung und Verarbeitung jeglicher Abläufe scheint der Abfluss der Überflüssigkeit wieder einmal verstopft oder aber die Kläranlange ausser Betrieb zu sein. Wie schnell warnt man das gelegentlich gegen einen modernen Unsinn murrende Publikum vor dem drohenden Rückschritt ins Mittelalter.
Ich habe mir angewöhnt, bei derlei Drohattitüden vorsichtig zu sein.  Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter. Sollte man meinen. Wenn man sich jedoch weg von den landläufigen Vorurteilen und hin zum historisch verbürgten Wissen über das Mittelalter begibt, stellt man rasch fest, wie viel sich wirklich verändert hat. Oder eben auch nicht. Das Zunftwesen mit seinen Zwangsmitgliedschaften in Form von z.B. Handwerkskammern besteht noch immer. Kaum jemand weiss heute, wie die Regierungspräsidenten (das sind die, die uns von Strafzetteln grüssen) ins feudal anmutende Amt kommen. Selbst Raubritter und Wegelagerer sind mittlerweile fein organisiert. GEZ hiess das bis vor kurzem. Verbalkosmetisch umgeschminkt kommt diese an sich grundgesetzwidrige Abzockerei nun als „Beitragsservice“ daher. Wasserköpfige Verwaltungen, fette Intendanten- und Direktorengehälter und exorbitante „Kosten“ – für was eigentlich? Wie die zwangsweise eingetriebenen Gelder verwendet werden, ist auch durch sorgfältige Recherche kaum zu erfahren.  Noch weniger Transparenz geht kaum. Dem gläsernen Bürger, von den Meldeämtern an die TV- und Radioverwalter ausgeliefert, wird der demokratische Bildungsauftrag vorgegaukelt.  „Demokratieabgabe“ nannte die neue Fernseh- und Radiosteuer gar ein Mann vom WDR. Wieviele Sendungen Jauche müssen zwischen den Trommelfellen quirlen, um derartige Wortsülzen zu erzeugen.
Was bekommt man für das abgepresste Geld? Unschlitt bis einem Hören und Sehen vergeht? Was haben sinnfreie Endlosfortsetzungen oder -wiederholungen von nichtsnutzigen Serien mit Bildung zu tun? Ist es die viel besungene Demokratie, wenn das Publikum nach drei dümmlichen Kochsendungen Fischstäbchen und Fritten in der Mikrowelle versenkt? Hirn- und Empfindungsfäule verursacht durch immer primitivere Schwätzmeister, alberne Komiker und eitle Köche. Masslos überbezahlte Selbstdarsteller (und -rinnen), nach denen übermorgen kein Hahn mehr kräht.
Perlen gibt es auch, sowohl im Radio als auch im Fernsehen. Die erkennt man sofort daran, dass sie zu unsäglichen Zeiten gesendet werden. Alibiveranstaltungen für die letzten Querköpfe, die noch alleine denken können und sich dem medialen Massenunfug verweigern. Wahlfreiheit verkommt zur Phrase. Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten (schon der Titel ist nichts als Makulatur), denen nichts besseres einfällt, als in den Niveaulosigkeitswettbewerb zu den privaten Sendern zu treten. Dafür sind satte Gebührensteigerungen garantiert. Seit 1975 in immer kürzeren zeitlichen Abständen. Fortsetzung folgt! Schöne kunterbunte Wunderwelt, in der das glotzende und lauschende Medienvieh den Metzgern in den Sendeanstalten auch noch das mediale Bolzenschussgerät bezahlt.

Statt sich was vorgaukeln zu lassen, ergreift man lieber selbst die Initiative. Dann kann es geschehen, dass auch aus dem Dreck in den Flüssen dieser Welt noch ein Hauch von Kunst werden kann.

Allen Besuchern ein schönes frühlingshaftes Wochenende.
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16 Gedanken zu „Alles im Fluss

  1. Hätte man die Brücke im ersten Foto gesprengt könnte man fast von unberührter Natur ausgehen. Die Mengen am Dreck sind schon erschreckend, andererseits erinnere ich mich an das Elbufer vor dem Dosenpfand, das war streckenweise auch nicht vorzeigbar.

    Die Zwangsabgabe ist selbstverständlich eine Sauerei, es gibt genug Menschen die sich der Berieselung komplett verweigern, nur wer geht durch die Instanzen?
    Allerdings muss ich zugeben, wenn ich tatsächlich mal im Programm rumzappe, dann spielt sich das vorwiegend bei ARD, ZDF und ihren Nebensendern ab, den Regionalprogrammen, Arte, zdf.kultur oder 1Festival, da gibt es auch mal Perlen vor Mitternacht.
    Zum Beispiel den Münsteraner Tatort am Sonntag, den ich wohl in Dänemark sehe (oder später in der Mediathek).
    Der Privatfernsehschrott interessiert mich Null, da krieg ich Pickel nach 5 Minuten, aber die haben mit der Zwangsbeglückung ja nichts am Hut.

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  2. Was mich allerdings auch enorm ärgert, dass ich auf diesem Wege die (wahrscheinlich) exorbitanten Gehälter von Berufsjugendlichen wie Thomas Gottschalk, Laberbacken wie Reinhold Beckmann oder Nuscheltill Schweiger mitfinanzieren muss. Und von diesem Geld werden Sender bezahlt, die sich gegenseitig Schlagertanten und Jodelfreunde streitig machen und ihnen die Kohle hinterher werfen um bei dämlichen Einschaltquoten vorne zu liegen. Wer einen kulturellen Auftrag hat sollte sich von Quoten lösen, für die Doofen gibts immer noch RTL.

    Neulich übrigens (auf 1Festival afair) Kings of Leon. Ich weiß zwar nicht ob mir Tatort und Rockmusik 18 Euro im Monat wert sind, aber wenn ich das schon bezahlen muss..

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  3. Vermüllter Frühling! Er deckt mir meine Ohnmacht auf. Ich kann mich zwar Vielem verweigern, sehe aber doch meine Umwelt verblöden (und vermüllen). Schnell wieder zurück in meinen Turm! Ich will den Schnee vom vergangenen Jahr, der hat alles so schön zugedeckt.

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  4. Na, bei DEM Text hat dich aber auch ganz schon der Winterblues gepackt: Müll-TV kombiniert mit vermüllten Flüssen … aber es stimmt ja in den Augen von uns Halbjahrundertern auch. Ich finde nicht mal auf Arte und Co was Sehenswertes; inflationärer Nazi-Kram wird sozusagen dienstlich dann und wann geschaut, (Gäääähn)um dranzubleiben und hinterher richtigstellen zukönnen, was diesmal wieder bei der SMS Generation falsch ankam;(Deja vu übrigens, weil das jetzige Westfernsehen bezüglich antifaschistischer Dauerbeschallung dem alten Ostfernsehen ähnelt)inflationäre Krimis bleiben seit Jahrzehnten ungesehen, Otti hat den Schlachthof geschlossen – eine der letzten Oasen, abgesehen von der Heute-Show …

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  5. Müllfahnen an Zweigen in der Flussböschung? Klar, ne Umweltsauerei. Haben aber trotzdem einen interessanten Nebenaspekt: sie markieren eindeutig die Höhe des Hochwassers. Oft kann mans ja gar nicht glauben. Wenn da nicht diese Fahnen wären.

    Gruß
    Willi W

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  6. Najo, das Mittelalter hatte für die Natur wenigstens den Vorteil, dass der dort von Menschen produzierte Müll sich abbauen ließ und nicht wie das ganze Plastikgedönse Zerfallszeiten von Jahrhunderten hat.
    Zu dem Irrsinn GEZ ist ja genug geschrieben worden 😉

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  7. Diese Verunreinigungen in unserer Natur sind einfach unglaublich und gräßlich. Da stehen die Mülleimer und die Leute werfen ihren Dreck einfach 1 Meter daneben ins Grüne. Ich weiss nicht, wie ich reagieren werde, sollte ich einen dieser Dreckschleudern in flagranti erwischen. Wie wäre es hiermit? 8 Wochen lang muß der Übeltäter um 4 h morgens aufstehen und die Bahnhofstoiletten säubern oder im Wald und an den Autobahnraststätten den Dreck zusammenklauben. Und …last not least eine richti saftige Geldstrafe zahlen (ab 1.00 € aufwärts).

    Zum Thema Vermüllung durch unsere Fernsehsender. Ich habe schon öfter an die Zuschauerredaktionen unserer öffentlich-rechtlichen Sender geschrieben und die Programmauswahl und das Streben, das unterirdische Niveau der Privatsender zu erreichen moniert. Ebenso fraglich erscheint mir das Streben vom ARD und ZDF, eine deutlich jüngere Zielgruppe anzusprechen. Die gucken doch sowieso meist nur Pro 7 u.Ä. „Kacksender“.
    Was wirklich gut ist sind einige Kinderprogramme, die ich mir immer noch regelmäßig anschaue. Siebenstein, Löwenzahn und Die Sendungmit der Maus – das ist unterhaltsam, lehrreich, spannend, lustig und die Macher greifen spielerisch Themen auf, die ganz aktuell sind. Sollten diese Sendungeneingestellt werden, werde ich mich dem TV-Gucken gänzlich verweigern!

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  8. Laut schimpfen hilft. Oder half. Ich schrie mal einem Jungen hinterher, der, Fahrrad fahrend, seinen Müll in den Park warf. Erschrocken sprang er vom Gefährt, sammelte das Papier ein und wird sich in Zukunft zumindest umgesehen haben, ob ihn jemand bei der Müllbeseitigung zusieht. Jahre später sah ich einen, ebenfalls Jungen, den Müll aus einem Papierkorb zerren und verstreuen. Als ich ihn ansprach, maulte er zurück und ließ sich keineswegs dazu bewegen, den Dreck wieder einzusammeln. Gewaltanwendung oder auch nur die Androhung derer war nicht möglich. Heutzutage ist man nett zu Kindern. Er wird weiter, auch an einer von Menschen nur so wimmelnden Straße, Dreck verbreiten. Und niemand wird sich drum scheren. Tut es doch eine/r, muss er/sie mit dem Volkszorn rechnen. Letztendlich sind wir die Erzeuger/innen und Erzieher/innen der nach uns folgenden Generation.

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