Musik liegt in der Luft

Vor und nach all dem steppen, klatschen, trommeln und springen laufen in der Dunkelkammer seit einigen Tagen „Perlen der Kleinkunst“, womit Schlager, Chansons und Gassenhauer aus der Zeit zwischen 1910 und 1950 gemeint sind…
Der Sommer ist ausgebrochen. Kann man so sagen, denn der Wetterumschwung kam über Nacht. Das Thermometer steht stabil auf über 20° und dass der Himmel so blau sein kann, fast hätten wir das vergessen nach dem ewig währenden Regen. In den Strassencafés braucht man Glück um einen Platz zu ergattern und vor den offenen Kneipen tanzt abends der Bär. Unser Ziel war das Nationaltheater. Step Afrika! gastiert in der Hauptstadt. Die neunköpfige Truppe aus Pittsburgh setzte das Publikum im bis auf den letzten Platz ausverkauften Haus ordentlich in Bewegung. Da wurde geklatscht und gerufen was das Zeug hielt. Dass sich das Publikum derart mitreissen lassen würde, hatte ich nicht erwartet. Die Darbietungen waren beeindruckend auch wenn mir persönlich Michael Flatley in „Lord of the Dance“ besser gefiel. Das ist aber Geschmackssache.
Was mir während der Show einfiel war, dass im Schmelztiegel Nordamerika noch immer ein gewaltiges multiethnisches kreatives Potential brodelt. Einwanderer haben Spuren ihrer Herkunftskultur mit dem angereichert, was die neue Umgebung ihnen bot. Salsa wurde auf diese Weise ebenso erfunden wie die Balkan Beats oder Riverdance und die Liste der Beispiele liesse sich fortsetzen.
Beim anschliessenden Bier in einer Kneipe um die Ecke agierte ein Bekannter als DJ. Nach ich es schon vor einigen Jahren aufgab, den Überblick über sich inflationär vermehrende Musikrichtungen zu behalten, lernte ich Deep House kennen. Und selbstredend den Unterschied zu anderen Häusern. Alles nicht meine Welt. Interessant dagegen fand ich das Hantieren des DJs. Ein Laptop und davor ein Apparat von etwa gleicher Grösse, an dessen Knöpfen und Reglern er drehte, zog und schob. Mixen heisst das. Veränderungen bei der Musik hörte ich dabei nicht, dafür ein schönes buntes Gezappel und Gewackel auf dem Bildschirm des Laptops. Aber vielleicht dient das Mixen bzw. die optischen Effekte ja eher dazu, den DJ zu unterhalten. Auf die Musik achtete jedenfalls niemand.

Wer sich einen Eindruck von Step Afrika! machen möchte, kann das hier tun (Die Vorrede endet bei 0:52):
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6 Gedanken zu „Musik liegt in der Luft

  1. Michael Flatley? Ich entdecke da unvermutete Seiten an Dir *g*. Mir war das ganze Rivergetanze immer sehr suspekt, sicher gut gemacht, aber die „wir machen irisches Gedudel und tanzen ganz toll dazu“ Shows haben sich damals derart inflationär verbreitet, da leg ich lieber ne Platte der Dubliners auf, von wegen der street credibility *g*

    Hausmusik finde ich zu 90% ganz schrecklich, aber die restlichen 10% haben es in sich, auch da gibt es echte Perlen. Nur ist das halt nicht meine Baustelle, nichts was ich in den vier Wänden auflegen würde.

    Glückwunsch zu den 20°, hatten wir in der Woche auch. Rechtzeitig zum Wochenende sind die wieder auf 10 gefallen 😦

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  2. Ich habe Flatley in der originalen Riverdance Inszenierung leider nie gesehen. Und Lord of the Dance auch nur ein Mal. Damit wars genug. Ansonsten stehe ich rein musikalisches aus keltischen Urgründen *g*
    Ich drücke dir die Daumen Richtung Norden für bessere Temperaturen!

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  3. Also live und mit einem Publikum was mitgeht kann man sich die sehr gut ansehen/hören. Nur für zu Hause auf der Anlage wäre das wohl eher nix.
    Tröste Dich, wenn Du in seiner Anwesenheit an den Reglern im LR herumzuschrauben würdest, stände der DJ wahrscheinlich auch wie Ochs vorm Berge. Überhaupt House geht ja mal gar nicht, wenn dann mit sehr viel hochprozentigem intus.

    Dann wünsche ich Dir einen schönes Sommerwochenode 🙂

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  4. „aus der Zeit zwischen 1910 und 1950 „
    Witzig, hör ich grad rauf und runter. Habe mir zum Burzeltag nämlich Shantelss „Kosher Nostra“ schenken lassen. Teilweise altvertraute Lieder, inkl. dem Erstaunen „Was? das ist jüdische Musik?“ und dazu ein äußerst interessantes Booklet, in dem Inch staunend von der jüdischen Mafia liest.
    Lord of the Dance steht auch irgendwo in meinem CD-Schrank. Ein Fehlkauf. Absolut!

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  5. Kosher Nostra klingt gut, damit hast du mich neugierig gemacht 😉
    Ich höre eher die alten Sachen aus den (nicht immer ganz kosheren) UFA-Filmen und Berliner Kabaretts etc. Lord of the Dance war was zum ansehen. Eine Platte davon halte ich auch ohne Hörprobe für einen Fehlkauf.

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