Nach Nordosten und dann weiter bis zum Fluss

Die Geräusche der Umgebung machen die Begleitmusik…

Ganz oben links auf der Landkarte der Schwarzen Berge fliessen Tara und Piva zusammen. Der neu entstehende Fluss ist die Drina, der wir bis zu jener berühmten Brücke in Višegrad folgen wollen. Unsterblich – zumindest in den Gegenden des vormaligen Jugoslawien – wurde die Brücke durch den Roman von Ivo Andrić. Entlang der Strasse sieht man noch immer Spuren des Krieges in Bosnien-Herzegowina zwischen 1992 und 1995. Auffällig ist dabei, dass nicht alle Häuser zerschossen sind. Die Auswahl sieht eher zufällig aus. Die meisten dieser Häuser sind verlassen, bei manchen weist ein handgeschriebenes Schild daraufhin, das sie verkauft werden sollen. Anzunehmen, dass die Eigentümer der Häuser vertrieben oder ermordet worden sind. Das alte Bosnien-Herzegowina ist zweigeteilt. Nicht durch Ländergrenzen; es gibt eine gemeinsame Währung aber unterschiedliche Armeen. Wir befinden uns in der Republika Srpska. An den Kriegsverbecher Karadžić als ersten Präsidenten kann man sicherlich noch gut erinnern. Die kurvenreiche Strasse für durch die hügelige Landschaft. Viel Wald gibt es hier. Häufig warnen Schilder vor dem Betreten des Waldes. Noch immer sind nicht alle Minen geräumt.
Višegrad ist ein verschlafenes kleines Städtchen. Es erweckt den Eindruck, aus dem Buch eines Schriftstellers zu leben. Überall kann man Andenken mit entsprechenden Sinnsprüchen oder Zitaten aus „Die Brücke über die Drina“ kaufen. Übergosse Graffities zieren manche Hauswand.
Die Brücke über die Drina wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Die Stele in der Mitte erinnert an den Stifter. Gegenüber sassen in den alten Zeiten weise Männer verschiedener Ethnien bzw. Religionen und beratschlagten gemeinsam Lösungen bei eventuellen Meiningsverschiedenheiten. Dafür stand Ivo Andrićs Roman bildhaft. Für sein Werk erhielt er 1961 den Nobelpreis für Literatur. Morgen geht die Reise weiter.

      (Foto anklicken öffnet die Galerie. Einige Fotos sind aus dem fahrenden Auto aufgenommen, daher die mindere Qualität) 

 

 

 

 

 

 

 

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6 Gedanken zu „Nach Nordosten und dann weiter bis zum Fluss

  1. Es fehlt ein Nest in Deinem Text (wahlweise auch ein Kaff, aber das wolltest Du sicher nicht sagen). Die Brücke ist schon ein tolles Motiv, schade dass man in den Wäldern gezwungen ist auf festen Wegen zu bleiben (räumt da eigentlich jemand auf oder bleibt der Mist da liegen bis ihn jemand ungewollt „entschärft“?)

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  2. Nest? Kaff? – – Višegrad hab ich doch geschrieben…
    Es gibt internationale Hilfe, z.B. EUFOR, und natürlich lokale Akteure, die mit der Minenbeseitigung zugange sind. Ich habe allerdings keine Idee ob du eine Idee hast, wieviele Minen während der vier Kriege in Südosteuropa verlegt worden sind.

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  3. Višegrad ist ein verschlafenes. ?

    Keine Ahnung, nein, aber eine Ahnung, dass man auch nach 10 Jahren suchen und räumen nicht sicher ist in diesen Wäldern. Muss man ja nur nach Afrika oder Vietnam gucken, wo immer noch Kinder ihre Gliedmaßen verlieren, weil sie einem Ball hinterherlaufen.

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  4. „…Višegrad ist ein verschlafenes. ?…“
    Ich kaufe dann noch ein S und löse: kleines Städtchen :-))

    Vielen Dank für die neuerliche Nachfrage. Aber hier ist es ziemlich überwältigend…

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  5. „eine Währung, viele Armeen“ ist noch kein Garant für „keine Ländergrenzen“ oder auch „keine Staatsgrenzen“, wie die Eurozone beweist. 😉
    Aber wie schwierig Bruderkriege zu befrieden sind, sieht man zwischen Baden und Württemberg oder auch zwischen Lothringen und Elsaß: das geht auf viele Jahrhunderte zurück…

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