Rettung durch den Tunnel

Wortgewaltige Texte mit Musik: Prinz Pi – Kompass ohne Norden…

Als der Flughafen von Sarajevo zwischen den Vereinten Nationen und der bosnisch-serbischen Armee 1992 verhandelt worden ist, wurden die zivilen Bewohner der Stadt vergessen. Von da an wurde von serbischen Scharfschützen auf Bewohner geschossen, die aus der Stadt über die Landebahn in das erweiterte bosnische Territorium fliehen wollten. Elektrizität, Wasser und die Lebensmittelversorgung kam langsam zum Erliegen. Mutige Menschen kamen in dieser Situation auf die Idee, einen Tunnel unter der Flugbahn hindurch zu graben. Ca. einen Meter breit, 1,60 Meter hoch und knapp 800 Meter lang. Durch diesen Tunnel konnte die Stadt versorgt werden. Anfangs mit Waffen und Lebensmitteln, später auch durch eine kleine Pipeline und eine Starkstromleitung mit Benzin und Strom. Dennoch war das Leben in Sarajevo während der 1425 Tagen der Belagerung die Hölle. Es war die längste Belagerung einer Stadt im 20. Jahrhundert. In besetzten Häuser lagen Heckenschützen (Snipers) auf der Lauer, um auf Menschen zu schiessen, die ihre Wohnungen verliessen, um Wasser, Lebensmittel, Brennstoff oder Medizin zu besorgen. Die grosse Verbindungsstrasse vom Flughafen in die Innenstadt bekam den Namen Sniper Alley. Das „gelbe Hotel“ beherbergte die internationalen Journalisten und Gäste während dieser Zeit. Gegenüber des Gelben Hotels (Holiday Inn) ist heute ein historisches Museum eingerichtet, das in eindrücklichen Zeugnissen, beklemmenden Bildern und unglaublichen Artefakten vom Leben während der Belagerung informiert. Das Foto des beschossenen Holiday Inn ist nicht von mir! Den Fotografen konnte ich nicht ermitteln.
Mein Bericht für diesen Post war eigentlich länger, meine Ergriffenheit will ich mir jedoch leisten. Stattdessen empfehle ich  interessierten Besuchern meines Blogs den Dokumentarfilm von Arte anzuschauen, der bei youtube in vier einzelne Teile gegliedert ist.

      (Klick auf ein Foto öffnet die Galerie)

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11 Gedanken zu „Rettung durch den Tunnel

  1. Man kann sich das ansehen, so wie man sich das damals im Fernsehen angesehen hat, so wie man sich die Vernichtungslager des Naziregimes angesehen hat oder den Genozid in Afrika, der ja heute immer noch stattfindet, mit Kindersoldaten, die kaum älter sind als die eigenen Enkel. Man kann sich das alles hundert mal ansehen, aber richtig begreifen wird man das nie. Der Mensch ist eine Fehlentwicklung der Natur, und wenn der Mensch sich nicht ändert wird die Natur den Fehler korrigieren.

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  2. Pingback: Sarajevo (Сарајево) | Herr Ärmel: Fotografie und Text

  3. Ach ja, achja, ich las schon im letzten Jahr. Herr Ärmel, Ex-Jugoslawien hat mich als Reiseland nie interessiert, ich war nur mal kurz im Winter in Slowenien. Du machst es mir spannend. Außerdem habe ich in den vergangenen Jahren einiges gelesen. Nun warte ich, was das Kind erzählen wird und dann… wie ist denn das Wetter da unten im November? Zum Beispiel? 😉 Nein, im Enst, ich trage mich seit längerem mit dem Gedanken einer selbst organisierten Bildungsreise. Ich muss nur noch die Zeit finden

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  4. Hier auf dem Schwarzen Berg geht Anfang November noch – vor zwei Jahren sogar noch in die Adria. Aber Sarajevo war Austragungsort olympischer Winterspiele und Städtereisen im Winter… usserdem sind dort manche Museen aus „politischen Gründen“ geschlossen…

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  5. Wie sich Ihr Tonfall seither verändert hat! Waren diese Texte noch für ein anderes Publikum, einen anderen Kontext bestimmt? Ein bisschen bin ich ja sauer auf Sie, Herr Ärmel. Einmal etwas gründlicher in Ihrem Blog gelesen und schon ist ein Abend rum. Sie werden meine Beschwerde bitte als Kompliment nehmen.

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    • Die eher distanzierte Beschreibung ist wahrscheinlich der Unfassbarkeit des Geschehens geschuldet. Würde ich heute so sagen.
      Welche Veränderung nehmen Sie denn wahr? Welchem Pol sich nähernd, dem positiven oder dem negativen?
      Ich freue mich natürlich und fühle mich geehrt, dass Sie sich im Ärmel´schen Kosmos festlesen 😉
      Nachmitternächtlichgrillenzirpende Grüsse vom Schwarzen Berg

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