Bauernregeln für Fotografen

Man gönnt sich sonst nichts weiter. Vorgestern hatten die Stones in Oakland ihren Auftritt mit Leuten wie Tom Waits oder Mick Taylor und seis nur für je ein Lied. The Rolling Stones – Live in der Oracle Arena, Oakland…

Ich habe gerade mit einem überaus netten Menschen einen Briefwechsel über die praktischen Seiten der Fotografie begonnen. Ich mag Merksprüche und Eselsbrücken solange sie lebenspraktisch und hilfreich sind. Aus diesem Grund und um auch anderen fotografierenden Besuchern meines Blogs eine Freude zu machen, habe ich in meinen alten Unterlagen gewühlt und bin tatsächlich fündig geworden. Die Merksätze sind Allgemeingut und inzwischen auch im Internet hier und da zu finden. Ich habe die meisten in der Foto-Drogerie (sowas gibts heute leider nicht mehr) meines Heimatkaffs aufgeschnappt. Es geht eben nichts verloren im Leben, auch wenn wir nicht immer alles abrufbereit haben.

Die folgenden Weisheiten sind natürlich keine absoluten Wahrheiten, aber wenn man die drauf und drin hat, kann man sie auch relativieren. Oder, um mit dem Fotografen Detlev Motz zu reden: „Wer als Anfänger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie.“

 
Licht / Belichtung
 

– Zwischen elf und kurz nach drei haben Fotografen frei (weil schlechte Licht– bzw. Schattenverhältnisse).  

Stehst du auf, früh am Morgen, wird die Sonne schönes Licht besorgen.

Morgenstund hat Gold im Mund. (goldene Stunde!)
 
Mit dem Licht im Rücken den Auslöser drücken.
 
Vorder-, Ober-,  Seitenlicht, bringen Höhen und Tiefen ins Gesicht.
 
Größere Brennweiten, kürzere Verschlusszeiten (sonst verwackelts leicht).
 
Ob mit Cullmann, Gitzo oder Manfrotto, erst mit dem Stativ gelingt dein Langzeitfoto.

Blende / BLendenzahl

Kein Blitz dabei? Nimm Blende zwei.
 
Fast schon Nacht? – Blende 2,8.
 
Nimmst du Blende 2,8 erscheint das Bokeh in wahrer Pracht.
 
Für Mensch und Tier nimm Blende vier.
 
Blende vier im Zimmer – stimmt (fast) immer.
 
Wenn die Sonne lacht, nimm Blende acht.
 
Mit ‘ner größeren Blende nimmt die Schärfe gar kein Ende (Gemeint ist die Blendenzahl).
 
Ist die Schärfentiefe ranzig nimm doch Blende 22.
 
Wenns Feuerwerk kracht nimm Blende acht.
 
Ist das Makro Matsch und scheußlich nimm Blende 11 bis 32.

Bildkomposition (auch Objektive)

– Vordergrund macht Bild gesund. Mittelgrund tut Absicht kund. Hintergrund nicht kunterbunt.

– Der Amateur sorgt sich um die Ausrüstung, der Profi um das Geld, der Meister um das Licht.

 – Komposition ist die Kunst des Weglassens.

– Änderst du deine Position, wirkt das Bild ganz anders schon.

– Ist der Hintergrund kunterbunt wird das beste Makro Schund.

– Sollen alle nach deinen Fotos schmachten, musst auf den Hintergrund du achten.

– Wenn du denkst du bist nah dran, geh noch einen Schritt näher ran.

– Unterm Knie schneide nie!


– Nase wie ein Schwein – nimms Tele oder lass es sein. (Für Portraits)

– Tolle Sache – vereinfache.

 
Fotos?
Ach so, für den Bloggerkollegen Zaphod, der neuerdings Herr über verschiedene Filter ist, als kleinen Anreiz nochmals einige verlängerte Wasserlandschaften. Aufgenommen zwischen 6:30 und 7:30 am Morgen *fg*.
 
      (Foto anklicken und gross gugge)

)

18 Gedanken zu „Bauernregeln für Fotografen

  1. Ah jetzt erahne ich was bei mir falsch läuft^^

    Sehr schön zusammengetragen, werde mir die mal herauskopieren und ausdrucken.
    Klasse Licht und noch bessere Bilder, das Problem für den guten Zaphod dürfte da allerdings die Zeit sein 🙂

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  2. Ach Kinners, ihr seht doch schon an den Zeiten meiner Antworten, dass kann nie was werden mit mir als Frühaufsteher *g*
    Die Wolkenformationen auf den ersten Fotos begeistern mich trotzdem. Ich kenn ein paar Dauercamper an der Ostsee, die werd ich wohl noch mal aufsuchen müssen.

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  3. Genau, einfach durchmachen ! *g*

    Ach… btw, Herr Ärmel, der fehlt noch:
    „Ist das Bild nicht gut genug, warst Du nicht nah genug dran.“ (Robert Capa) 😉

    Starke Bilder übrigens.
    Nur #4 scheint etwas verwackelt. ;-p

    *duck+wech*

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  4. Wahre Worte. Vorallem gefällt mir „Komposition ist die Kunst des Weglassens.“ 🙂

    Einzig beim Punkt mit „dem Licht in Rücken“ denke ich anders – ich bin ein grosser Fan von Gegenlicht-Aufnahmen.

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  5. Deinen Fotografien sieht man an, dass Du Dich schon eine Weile mit dem Thema beschäftigst. Ich mag Gegenlichtaufnahmen auch. Man kann die obigen Bauernregeln natürlich auch „umkehren“, man sollte allerdings wissen, wie man das dann handwerklich bewerkstelligt. Insofern stimme ich Dir zu.

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  6. Zu den Fotolinks: p174 wirkt wie das Tor in einen Traum auf mich, die ätzende Perfektionistin in mir würde sich lediglich eine vollkommen waagrechte Wasserlinie wünschen, wenn ich das sagen darf. Was meinst Du? Architekturfotografie mag ich auch sehr gerne, und p197 ist ganz nach meinem Geschmack. Die erschlagende Wirkung, die von Menschenhand Erbautes leider nur allzu oft ausübt, bekommt hier durch die Farben fast etwas Streichelzartes.

    Schön auch diese Bojenbilder. Die schwimmenden Farbtupfen wirken wie eigens ausgestreut, um den Blick des Betrachters einzufangen.

    Die Bauernregeln zu Licht/Belichtung und Blende/Blendenzahl behalte ich im Hinterkopf für den Fall, dass ich mir irgendwann eine richtige Kamera zulege. Dazu brauche ich Zeit. Die zur Bildkompositon schreibe ich mir hinter die Ohren..;-) – Aber ein bisschen Intuition gehört auch dazu, findest Du nicht? Wenn ich mir die Bilderfluten im Netz so ansehe, nach allen Regeln der Kunst manchmal, und doch passiert da tausendmal nichts.

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  7. Detaillierter Kommentar -> detaillierte Antwort(en):
    – Würden wir darüber sprechen, wenn in p174 rechts der sanfte Landanstieg fehlen und die Wasserlinie durchgehend waagrecht wäre?
    – Wenn man Architektur „anders“ fotografiert, kann sich vor Ort der wahrnehmende Blick für Architektur erweitern. Wir sind hinsichtlich der Architektur von Bildern her meiste klare, scharfe Kanten oder Konturen gewohnt, die obendrein hart dargestellt (bei Fotos: entsprechend ausentwickelt) werden. Da haben sich Gewohnheiten eingeschliffen.
    – Die Bauernregeln sind nicht lediglich für „richtige Kameras“ anwendbar. Auch wenn Du eine technisch einfachere Kamera hast, können sie sehr hilfreich sein. Das Bild entsteht nicht in der Kamera, sie ist lediglich technischer Vermittler einer Kommunikation zwischen dem abzulichtenden Objekt und dem Fotografen. Auf jedem Foto ist auch die Persönlichkeit hinter der Kamera zu sehen.
    – Intuition ist immer hilfreich. Zum guten Gelingen sind darüberhinaus jedoch weitere Faktoren bedeutsam.
    – „Bilderfluten“ ist eine passende Metapher – siehe meine erste Antwort oben. Wem nutzt ein technisch perfektes Bild, dass mich nicht anregt zum Denken, Fühlen oder kommunizieren? Andererseits ist das Netz (und besonders Fotoblogs!) voll von miserablen Fotos, bei denen man sich fragt, warum die Akteure soviel Geld für so wenig Output ausgeben. Ich habe den Verdacht, es sind viele Leute unterwegs, die ihre Ausrüstung mehr lieben als die Objekte ihrer Aufnahmen.
    – Ich bemühe mich darum, dass meine Fotos den Text entweder dokumentarisch bzw. illustrativ unterstützen (die technische Qualität ist dabei sekundär) oder die Gedanken und Gefühle meiner Besucher anregen mögen.
    Ich schätze Deine Kommentare – Vielen Dank dafür.

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  8. Das freut mich und nimmt mir die Befürchtung, mich manchmal zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Danke. Aber wenn es nicht umgekehrt genau so wäre, hätten wir uns vermutlich nichts zu sagen.
    Ich habe mir p174 noch einmal angesehen und komme zu dem Schluss, dass dem sanften Landanstieg durchaus seine Existenzberechtigung gebührt..;-) – Wahrscheinlich gäbe es sogar diese traumportalhafte Wirkung nicht ohne den leichten Schwindel, den die vermeintliche Schräge in mir auslöst.
    Was die Bilderflutbetreiber angeht: Das ist wie in der Musik. Lang Lang zum Beispiel. Technisch versiert, dass es höher, weiter, schneller kaum geht. Aber irgendwie kommt da bei mir nichts an, wenn der seinen Flügel schindet wie ein Rennpferd. Technische Qualität wird, glaube ich, nur allzu gerne mit technischer Quantiät verwechselt und dazu noch überbewertet, zum Beispiel, was Schärfe angeht. Ein gestochen scharfes Foto macht noch lange kein Bild. Das denke ich oft.

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  9. Lang Lang kenne ich nicht. Aber die Musiken, bei denen ich ein wenig Bescheid weiss, stützen Deine Wagrnehmungen.
    Gestochen scharfe Fotos kommen immermehr in Mode. Früher waren die Leistungen der Optiken begrenzt, die heutigen ermöglichen ganz andere Ergebnisse. Schaut man sich Fotos der „alten Meister“ an, die sind technisch aus heutiger Sicht eigentlich inakzeptabel. Zu scharf gewürzt schadet dem Geschmackssinn.

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