Die Zeiten ändern sich

Wenn der April unsterblich scheint, soll die Musik wenigstens freudig erklingen: 17 Hippies featuring Marc Ribot & Jakob Ilja – Play Guitar (2005)…
Familienurlaube verbrachte der kleine Herr Ärmel mit den Eltern mehrere Sommer lang in Italien. Adriaküste. Schon in der Antike wurden die Kaiser über die Abruzzen in Sänften hierher getragen zu den Bädern mit dem heilenden Wasser. Meine Badewanne war das flache Meeresufer. Vor mehr als vierzig Jahren war ich zum letzten Mal in Fano. Halt – auf der Rückreise einer Italienfahrt vor 26 Jahren habe ich in einer Gefühlswallung einen Umweg über den Ort meiner Kindheit eingeschlagen. Eigenartige Mischung aus Nostalgie und Sportsgeist, denn in jenen fernen Vergangenheiten vor zwei Jahrzehnten gabs weder Navi noch GPS. Reisende und Touristen gleichermassen fanden ihre Wege noch mit Hilfe von Landkarten. Eine kleine Rundfahrt am Ort unbeschwerter Kindheitserinnerungen, eine kleine Pizza auf die Hand und weiter gings Richtung Norden. Der Urlaub neigte sich dem Ende zu.
Vor ein paar Jahren erinnerte ich mich mit einem Freund an jenen Ort. Ich machte mich auf die Suche nach alten Fotos. Das kleine Hotel lebte von Stammkunden und jedes Jahr traf man die gleichen Menschen. Ich fand ein Foto im Internet und sah betrübt wie das Hotel sich nach all den Jahren verändert hatte. Das war 2011. Zur Zeit weilt Besuch auf dem Schwarzen Berg und das Gespräch kam wieder auf das „Giardinetto“ und Erinnerungen wurden dabei aufgefrischt. Dabei fiel mir das Foto von vor zwei Jahren wieder ein. Bei der neuerlichen Suche nach Informationen fand ich einen Zeitungsartikel des Fanoinforma.it. Ich traute meinen Augen nicht. Da wird neues geplant. Die derzeitigen Besitzer scheinen die Söhne der Familie zu sein, an die ich mich noch lebhaft erinnern kann. Wie schön, dass da eine alte Tradition wieder fortgesetzt werden soll. Dann musste ich jedoch feststellen, dass der Artikel bereits vom 8. Juni 2008 war. Danach verfiel das Hotel also weiter. Und das Google Foto zeigt offensichtlich den jetzigen Stand der Dinge. Zu gerne wüsste ich, warum in den letzten Jahren das neue Projekt noch nicht realisiert worden ist. Was allerdings erhalten ist, sind meine vielen Erinnerungen.

Zu den Fotos: 1 und 2 sind alte Ansichtskarten, die sich erhalten haben. 3 bis fünf zeigen den sehr jungen Herrn Ärmel in freundschaftlicher Verbundenheit. Foto Nummer 6 nahm ein Italiener auf, der es dann ins Internet stellte. Nummer 7 habe ich heute bei (c)Google-Streetview gefunden und das letzte zeigt die Vision des geplanten neuen Projektes in Fanoinforma.

     (Fotos anklicken macht die teils lausige Qualität der Aufnahmen noch größer. Hier gehts aber um die reine Dokumentation)

 





13 Gedanken zu „Die Zeiten ändern sich

  1. Das ist nicht der kleine Herr Ärmel. Das ist ein Fake !
    Der echte (auch kleine) Herr Ärmel hat ein Halstuch (das gleiche wie heute noch).

    Höhööö… haste gedacht es merkt niemand, gell ?

    ;-p

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  2. so you better start swimming or you'll sink like a stone, 'cause the times they ara a-chaaaaaanging*sing*

    Man hätte das Häusle auch einfach nur etwas schick anmalen können find ich.

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  3. Ich glaube kaum, dass zwei Eimer Farbe ausgereicht hätten. 1 Klo und 1 Dusche pro Etage für alle Zimmer – das würde heute wohl keiner mehr hinnehmen. Das Essen hingegen ~~~ dort habe ich gelernt, wie eine richtige Lasagne, Minestrone oder ein knusprig gegrilltes Hühnchen schmecken muss – fürs ganze Leben …

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  4. Bunt anmalen, nette Bar rein, gute Musik und als Backpackerhostel führen. Wenn es die richtig gute Lasagne dort heute noch gibt zieht das bestimmt 🙂
    Die Frage ist, wer da heute noch hinfährt? Orte verändern sich manchmal schrecklich, da werden aus alten Fischerdörfern Partyhochburgen, weil es da so urig ist im alten Hafen, wo die Fischer ihre Netze ausbreiten und man den netten Wirt mit dem leckeren Schwertfisch kennt. Bis von der ganzen Atmosphäre nichts mehr vorhanden ist, weil zu den ersten zehn Hotels inzwischen dreißig weitere gekommen sind, und die alten renoviert und ausgebaut wurden. Noch ne Disco.
    Der Preis des Massentourismus, wo es besonders schön ist wollen besonders viele hin, die das dann nicht mehr besonders schön machen.

    Richtig erschrocken habe ich mich, als ich nach 13 Jahren mal wieder nach Wiesbaden gekommen bin. Das Ausmaß der Veränderung wird einem erst dann bewusst, wenn man ihr nicht täglich begegnet.

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  5. Süß, der kleine Herr Ärmel..:-) – Vor einer Zeit suchte ich den Ort auf, an dem eigentlich alle meine Kindheitserinnerungen beheimatet sind. Interessant war, wie ich vom Stadtzentrum aus intuitiv die richtige Richtung einschlug. Meine Enttäuschung war allerdings groß, als ich feststellen musste, dass das Haus, in dem wir sieben Jahre gelebt hatten, mittlerweile abgerissen und einem Großparkplatz gewichen war. Die Abweichung in den Größenverhältnissen im Vergleichh zu meinen Erinnerungen – klar, ich war klein und die Umgebung groß – fand ich am merkwürdigsten. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, es bei den Erinnerungen zu belassen…

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  6. Ob es besser gewesen wäre oder nicht, darüber entscheidet die Motivation vorab. Rationale oder emotionale Spurensuche das ist die Frage. Ich bin mir sicher, dass ich da mittlerweile gut trennen kann. Bei emotionaler Motivation habe ich meistens mehr oder minder gelitten und doch im eigentlichen Sinn nicht wirklich verwertbares herausgefunden. Da ich an Verwertbarem aber interessiert bin, habe ich mich auf die Seite der Historiker geschlagen.
    Sonnige Grüsse vom Schwarzen Berg

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  7. Es würde sich mit Scherheit lohnen. Will ich in Erinnerungen „schwelgen“, d.h. positive Gefühle zutage fördern, bedeutet immer auch das Risiko ungute Gefühle aufkommen zu lassen. Reines Faktensuchen („wie war das eigentlich damals…? – in deinem Beispiel: wie sah der Ort damals aus, an dem ich gross geworden bin?…) erzeugt primär Wissen, hinter denen Gefühle meist nachrangig auftauchen. Der Vorteil: Erkenntnisgewinn als solcher. Die dabei auftauchenden Gefühle sind relativ schwächer, sie können einen berühren aber nicht erschlagen.

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