Bildermacher

Manfred Deix, einer meiner Lieblingszeichner kann auch singen. Am liebsten im Stil der Beach Boys. Deix & Die Good Vibrations Band – Musik aus Ameriga (1995) passt zum Wetter…

Wie beeindruckend die letzte Exkursion für mich war spüre ich an den Auswirkungen Nachwirkungen. Und zusätzlich auch an den Kommentaren zu den Posts und den Mails, die ich dazu erhielt.
Dabei fiel mir ein Buch ein, das mich in meiner späteren Kindheit an langen Winternachmittagen begleitete. Der Bertelsmann Lesering gab im Jahr 1960 den Band „Deutschland“ heraus. Die Ausgabe meiner Eltern wurde als eine Treuegabe für die zehn-jährige Mitgliedschaft im Bertelsmann Lesering kostenlos abgegeben. Bei einer schnellen Recherche fiel mir dieser Tage auf, dass jenes Buch im Lauf der Jahre mehrere Auflagen erlebt haben muss. Heute geht es antiquarisch meist für unter zehn Eurotaler über den Ladentisch.
Warum war es gerade dieses Buch aus der Bibliothek meiner Eltern? Es hätte auch ein anderes Grossformat sein können. Homers Odyssee und Ilias in der Prachtausgabe aus dem Askanischen Verlag beispielsweise. Oder der opulent bebilderte ganz spezielle Ratgeber, der Hesekiel 23 gut ergänzte.
Es war aber das Deutschlandbuch, in dem ich sehr häufig blätterte. Die Kapitel gliederten sich nach deutschen Ländern. Nicht Bundesländer sondern deutsche Länder. Neben den mir damals schon bekannten Ländern wie Bayern, Hessen usw. lernte ich weitere kennen. Thüringen, Sachsen-Anhalt bis über Pommern hin nach Ostpreussen. In einem Buch von 1960! Die Texte zu den jeweiligen Ländern waren von durchaus bekannten Autoren geschrieben worden. Eugen Roths Gedichte sind auch heute noch ein Genuss. Agnes Miegel allerdings mit ihrer völkisch tief verwurzelten Ackerbodenprosa – naja. Krämer-Badonis Text über Hessen ist treffend. Die Texte las ich als Kind nicht. Einige eingestreute Witze in der jeweiligen Mundart verstand ich nicht. Mich interessierte anderes. Die dem betreffenden Land vorangestellte Karte mit Städten und Sehenswürdigkeiten. Begleitend zu den Texten unzählige Fotografien, farbig und schwarz-weiss. Und am Ende jedes Kapitels die Galerie mit berühmten Töchtern und Söhnen des (Bundes)Landes.
Die Landkarten, Fotografien und die Galerien mit den herausragenden Persönlichkeiten warens. Die zogen mich an. Einzelne „Bilder“ habe ich noch immer jederzeit präsent im Kopf. Viel entzieht sich zwar im Lauf der Zeit den Zugriffen unserer Erinnerung, im Prinzip geht jedoch nichts wirklich verloren. Ich stelle mir die Frage, wie diese Bilder im Lauf unseres Lebens in uns wirken, während wir sie garnicht im Bewusstsein tragen. Wie beeinflussen sie unser Denken und Handeln, ohne dass wir davon etwas ahnen?
Hinter mir liegen zwei pralle Plastiktüten mit alten Fotografien. Demnächst werde ich sie mir ansehen. Längst vergessene Pollen aus Licht. Gänge, Treppen und Räume aus Erinnerungen werden sich auftun. Der Scanner ist bereit und manche kleine Anekdote soll hier erzählt werden.
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6 Gedanken zu „Bildermacher

  1. Der passende Soundtrack für „alte Bilder“ wäre dann Dan Fogelberg's „Innocent age“ Meisterwerk.
    So einen ähnlichen Tick wie du mit dem Bildband hatte ich mit alten Atlanten. Irgendwie wirkte die Europakarte vor 1914 aufgeräumter… „Guter alter Zeit Klaps“ eben. Mit 16 kaufte ich für 40 Mark antiquarisch einen quadratmeter großen „Andrees Handatlas“ von 1889. Zeitgleich gingen mir unter der Hand 2 Karl May Bücher ins Netz, der damals (1976) in der „Ehemaligen“ noch eine „Unperson“ war. Dann las ich „durch das Land der Skipetaren“ und den „Schut“ und hatte das passende zeitgenössische Kartenmaterial mit jungfräulich (fast)weißer Afrikakarte zur Hand. Wenn zwischen San Fessan und Kairo nix is, dann glaubste auch, dass de so'n Ritt auf einem „Zauberpferd“, wie Rhi eins war, in 2 Tagen schaffst…

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  2. Naja, Dan Fogelberg ist weniger mein Fall, aber anständige Musik befördert den Bilderfluss erheblich.
    Andrees handatlas gehört auf alle Fälle zu den besseren. Deine beiden Bände kannst du hin und wieder als Bilderbogen zu meinen Posts zur Hand nehmen: Skipetarenland heisst heute Republika e Shqipërisë, kann man gerne auch Albanien zu sagen 🙂

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