Manchmal gehts schneller als man denkt

Zwei verschiedene Orte an einem Tag, von 38° runter auf 22°, Fahrrad und Koffer plus Handgepäck und eine eiskalte Luftkellnerin im Flieger. Trost kommt von Leonard Cohen – Songs of Leonard Cohen (1968)…
 
      (Foto anklicken und gross gugge)
 
Gerade erst vorgestern schrieb ich hier über die Halbinsel Luštica. Über dünnste Besiedelung, unberührte Natur und ein schönes Wochenende. Und heute morgen regle ich auf dem Flughafen meine Anliegen und als ich endlich fertig bin, gehe ich nach draussen um noch eine Zigarette zu rauchen. Dabei schreit mir diese Spekulationsanzeige in die Augen. Man stelle sich undurchdringliche Maccia vor, von infrastruktureller Erschliessung keine Rede und dann diese Quadratmeterpreise schon jetzt. Einer der Grossgrundbesitzer auf Luštica soll der Bürgermeister von Moskau sein, dessen Frau ein Inselchen mit einem alten habsburgischen Festungsbau direkt vor der Küste besitzt.
Ich weiss von etlichen Expats folgendes. Sobald sie im Urlaub in ihrem jeweiligen Heimatland angekommen sind, verschaffen sie sich eine Art Weihnachtsgefühl. Im Verlauf zwischen zwei Besuchen wird einiges gekauft, was man im Aufenthaltsland nur teuer, schwer oder überhaupt nicht bekommt. Bücher, Filme, Musik oder auch Kleider – den Bedürfnissen und Leidenschaften sind kaum Grenzen gesetzt.
Ich kaufe auch dies und das und freue mich dann beim Auspacken. Vielleicht nicht unbedingt mit weihnachtlichen Gefühlen, aber immerhin, die Freude ist da.
Als wir die Stalinallee während jener denkwürdigen Exkursion besuchten, hatte ich zur besseren Anschaulichkeit auch Bildmaterial zur Hand. Dabei waren Werbungen, die die Bevölkerung zur Unterstützung des Prestigeobjektes animieren sollten. Für Kinder gab es z.B. einen Holzbaukasten. Zufällig (wenns denn Zufälle überhaupt geben sollte) wurde in der Bucht während der Exkursion gerade so ein Kasten angeboten. Nach meinen Recherchen sollen sie ziemlich selten sein, was sich schon dadurch erklären lässt, dass nach 1954 die Architektur im „Zuckerbäckerstil“ verpönt war. Die Baukästen kamen wahrscheinlich 1953 auf den Markt. Ich bekam den Zuschlag für kleinstes Geld und habe mir nach der heutigen Ankunft den Inhalt des Kastens angeschaut. Fein gearbeitete Buchenholzteile, denen man ihr Alter keineswegs ansieht. Eine genauere Sichtung ergab 297 einzelne Teile. Ein Baukastenspezialist vermutet auf seiner Internetseite, dass der Kasten 300 Teile gehabt haben müsste. Eine Kugel und ein Dreieck fehlen in meinem Kasten. Das letzte fehlende Teil werde ich an Weihnachten eruieren, denn dann werde ich mir einen Wohnblock bauen. Grundstücksspekulation ist mein Handwerk nicht.
 
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6 Gedanken zu „Manchmal gehts schneller als man denkt

  1. Auf dem Deckel stehen kann alles mögliche: Meine beiden Kindergärten hatten diese Holzklötze und einer meiner Freunde zu Unterstufenzeiten(auf westdeutsch: Grundschulzeit) gebaut haben wir damit viel und in anschließenden Schlachten auch wieder zerstört: Cowboy-Forts bzw. Indianerburgen (ahistorisch, aber fantasievoll) niemals Prachtstrassen nach Vorlage, das wäre eh zu langweilig und obendrein existierten zwar die Klötze- aber ohne Originalverpackung. Die Kindergärtnerinnen zwangen uns auch keineswegs zum Nachbau sozialistischer Musterbauten.

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  2. Dass die Originalverpackung nicht mehr produziert wurde, nehme ich stark an. Es muss die „offizielle“ Baukastenversion bis ca. 1955 gegeben haben, denn nach der „Allunionskonferenz der Bauschaffenden“ in Moskau 1954 war ein anderes städtebauliches Konzept angesagt. Dieses wurde in der DDR umgehend umgesetzt. Und deswegen musste man die bereits produzierten Bauklötzchen ja nicht dem Feuer anheimgeben.
    Was die konstruktive Phantasie kleiner Baumeister angeht, da verstehe ich dich gut. Mir fallen spontan meine Legokonstruktionen ein. Ach, und überhaupt: Ich habe auch die Häuschen für die Eisenbahn, obwohl vorgefertigte Pressteile, gerne etwas „umgebaut“. Mit teilweise merkwürdigen Ergebnissen zugegebenermassen 😉

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  3. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, Herr Ärmel! 🙂

    Übrigens: Falls Dich die fehlenden Teile sehr betrüben und Du ungefähre Maße oder Skizzen durchgeben kannst, drechsel ich Dir die Stücke.

    Noch eine Anmerkung: Dein Kommentar über die Grundstückswerbung bekommt noch mehr Wucht, wenn man auf dem Foto sieht, dass das Plakat anscheinend in der Ankunftshalle hängt…

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  4. Lieber Herr Hackentrick. Recht schönen Dank für Ihr freundliches Angebot. Ist doch klar, dass ich das für zwei einfache Teile gerne annehme. Das dritte fehlende Teil kenne ich noch nicht.
    Ankunfts- und Abflughalle gleichermassen – Der Lufthafen auf dem Schwarzen Berg ist übersichtlich 🙂

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