Das Wort zum Montag

Passt hervorragend: Brockdorff Klanglabor (mit schönem Dank an Jesper für den Hinweis)…

Das müssen grosse Vögel sein, die am frühesten Morgen so laut pfeifen. Beide Augen auf. Die Wirklichkeit des Morgens bricht sonnig strahlend herein. Aufgewacht. Klar, hier lebt man in der Einflugschneise. Früher war alles besser? Stimmt nicht. Früher setzte hier überm Häuschen in Spitzenzeiten nahezu alle zwanzig bis dreissig Sekunden ein Flieger zur Landung auf dem Frankfurter Flughafen an. Das ist vorbei. Nicht die Anzahl der Landungen, versteht sich – wollen wir nicht alle viel und vor allem billig fliegen?
Die alte Einflugschneise wurde zerpflügt in Korridore. Klingt neutraler und wer erinnert sich schon noch an den Zusammenhang von Flugkorridoren mit der Flak? Ist ja auch lange her. Man sitzt also in seinem Gärtchen und sieht die Landeanflüge. Mal wie gewohnt direkt übers eigene Dach und dann wieder ungefähr drei Strassen weiter südlich. Oder nördlich. Das ist eigentlich demokratisch, so wird niemand bevorzugt und jeder kriegt was ab.
Alles ist steigerungsfähig. Zum Beispiel die Schlagzeile heute morgen in einer überregionalen Tageszeitung. Weltweit wurden ganz bestimmte Botschaften geschlossen. Aus reiner Vorsicht wegen „gewonnen Erkenntnissen“. Das klingt wie die nachträgliche Rechtfertigung des selbsternannten Möchtegern-Weltsheriffs. Diese Mache ist ein alter Hut. Wer möchte, recherchiert mal schnell, wie Tirpitz das deutsche Volk von der Wichtigkeit einer starken Flotte überzeugen liess. Das Ergebnis seiner Taktik sollte historisch unter dem Begriff Erster Weltkrieg allgemein bekannt sein.
Und weil dieser sonnige Montag durchaus mehr zu bieten hat: Thema Doping. Auch wieder auf der ersten Seite. Also hat man doch nicht nicht nur in der DDR und im restlichen Ostblock. Nein, auch hier im heiligen Westen. Wer hätte das gedacht. Der heutige Befürworter des Überwachungsstaates, Jurist und Berufspolitiker Schäuble, hat (wieder einmal) offensichtlich vergessen, was er Ende der 1970er Jahre im Bundestag für alle (zumindest die, die es wissen wollten) deutlich aussprach: dass Doping unter ärztlicher Kontrolle notwendig sei, weil der ganze Ostblock Doping zur Leistungssteigerung verwenden würde. Und im allgemeinen Wetbewerb blablabla… Ich zitiere sinngemäss und nicht wörtlich – wer hat denn das Video mit seiner Rede vor dem Bundestag jetzt aus YouTube löschen lassen?
Und was mir vor allem als Besucher meines Landes auffällt. Die Zeitungen sind voll von den Wörtern Arbeitspatz und Arbeitsplätzen. Wo ist das Wort Arbeitslosigkeit geblieben? Stehen irgendwelche Wahlen an in nächster Zeit in diesem unserem Land?
Allen Lesern eine weiterhin vergnügliche Woche mit den allerschönsten Erkenntnissen. Und falls jemand hier übers Häuschen fliegen sollte, winkt mir bitte. Ich winke auch immer meinen Nachbarn.

      (Fotos anklicken und gross gugge)

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6 Gedanken zu „Das Wort zum Montag

  1. Deine Wünsche zu einer vergnüglichen Woche sind das erste positive heute. (Und auch Ägypten und Simbabwe haben mich heute schockiert. Fanatische Ideologien und korrupte Machterhaltung. Menschenleben zählen da nicht mehr)

    Was mich nachdenklich macht zu den geschlossenen Botschaften:
    Auch wir in unserer kleinen Familie haben ein Krisenmanagement. Funktioniert nicht immer so gut. Doch – das hätten wir heute nicht rausgehauen. Selbst, wenn es stimmen würde, dass eine Terrordrohung zu filtern war, bringt diese Entscheidung noch mehr Unsicherheit unter die Menschen. Das war für das Vertrauen Gift pur und hochkonzentriert.

    Natürlich würde ich auch einem international agierenden Krisenmanagement Fehler zugestehen, aber nicht, wenn diese für eine Entscheidung wie von heute soviel Geld dafür erhalten, dass wir beide mit unseren ganzen Familien bis ans Ende unserer Tage arbeitsfrei in Luxus leben könnten.

    Ich wage gar nicht den Bogen auf die Kompetenz zu spannen, den all die vielen „spezialisierten Experten“ haben, deren Entscheidungen wir handlungsunfähig ausgeliefert sind.

    Dann lieber doch noch einen Dujardin oder Äppelwoi.

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  2. Die „gewonnenen Erkenntnisse“ kommen rein zufällig jetzt zum Tragen, damit auch der letzte Blödi begreift, warum man uns alle abhören muss. Ist doch immer nur zu unserem Besten, warum begreift das nur keiner? *fg*

    Die Flugschneisenproblematik kenne ich, Freunde von mir wohnen in Fuhlsbüttel, da könnte man im Garten ganz tolle Aufnahmen machen von den Dingern. Wenn mans aushält.

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  3. Simbabwe? Ist doch jedesmal das Gleiche – da verstehe ich Deinen Schock nicht. Und der Unterschied zu unseren Verhältnissen ist doch nur formal. Inhaltlich sehe ich keinen Unterschied: Der soziale Staat ist nahezu demontiert, ganze Bevölkerungsgruppen sind mittlerweile exkludiert und die Politiker scheuen sich kaum noch, die Wahrheit zu sagen. Da sollten wir Simbabwe dankbar sein, daran können wir sehen, wohin unsere Herrschenden uns Beherrschte gerne hätten.

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