Wer vorm Glashaus steht

Ruhe kehrt ein am Abend und überhaupt. Für Auflockerung sorgt Boban i Marko Markovic Orkestra – Golden Horns (2013) …

Lange genug gedauert hat es bis man sich an Adorno in Form einer würdigen (Ge)Denkstätte erinnern kann. Konzipiert und gestaltet wurde die Installation von Vadim Zakharov. Ein Kubus aus Glas mit einem Schreibtisch auf dem Parkettboden und dem Stuhl davor. Auf der Arbeitsplatte des Tisches einige Papiere, ein Metronom und eine Lampe, die nachts leuchtet. Angeblich soll sich der Metronom unausgesetzt bewegen. Die letzten Male als ich ihn sah, stand er jedesmal still. Was würde T.W. Adorno dazu sagen? Umgeben ist der gläserne Würfel von einem schwarz-weissen Mäander, auf dem Zitate aus der Ästhetischen Theorie und den Minima Moralia wiedergegeben sind.
Ein ungemein beruhigender Ort zwischen Messe und der Universität. Der Platz hat zwei Bänke und ist von hohen alten Bäumen umstanden. Eine würdevolle Atmosphäre ist spürbar selbst an einem heissen Tag. Der geschwätzige Lärm der geschäftigen Stadt verebbt auf den Strassen in der Nähe und so bleibt dem Platz eine gewisse Reinheit erhalten.

Ich lese: „Der Zweck des Kunstwerks ist die Bestimmtheit des Unbestimmten“ oder auch „Kunstwerke sind die vom Identitätszwang befreite Sichselbstgleichheit“. Sätze, die ihre gedankliche Klarheit wie auch ihre ästhetische Schönheit schwerelos in sich selbst tragen und sich unerlöst in die Welt verschenken. Meinen Dank an Theodor Wiesengrund Adorno (1903-1969).

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6 Gedanken zu „Wer vorm Glashaus steht

  1. Mit Adorno kann ich zwar nichts anfangen, weil ich bei vielen vom Identitätszwang befreiten Sichselbstgleichheiten das Gefühl habe, man wolle mich verkackeiern, aber das Denkmal find ich gut.

    Allerdings auch sehr anfällig für Vandalismus.

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  2. Dachte ich anfangs auch, aber die Aura des Ensembles scheint das in den zehn Jahren seines Bestehens verhindert zu haben. Außerdem wiegt jede der fünf Scheiben 350kg, Vandalismus bdeutet also richtige Arbeit, um da was kaputt zu machen

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  3. Diese Metronome haben die unangenehme Eigenschaft, erstens die Federn zu ermüden und zweitens sich gern mal zu verklemmen, speziell auf langsamen Takten, wenn der Zeiger weit ausschlägt.

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