Herr Ärmel allein in der Stadt

Wer spricht noch von Musik – die Geräuschkulisse der Stadt ist alles…
(0der vielleicht doch: Klaus Hoffmann – Was fang´ ich an in dieser Stadt)


Auf die wenigen Tage, die vor mir liegen, freue ich mich schon lange und vor allem wie ein Schneekönig. Denn erstens erwartet mich der best friend Don Blech und zweitens werde ich vorher den geschätzten Herrn Zaphod treffen. Zusammen durch die Hansestadt streifen, fotografieren, ein Bierchen, eine Currywurst (Mr. Zaphod gilt als die graue Eminenz der Currywurstkenner) und zum Abschluss vielleicht im Lightroom noch eine Hopfenkaltschale. So male ich mir das aus. Danach an den Nordrand Hamburgs zum Grenzübertritt ins Land zwischen den Meeren hin zu Don Blech. Best Friend seit Jahrzehnten, da ist man aneinander gewöhnt, kennt sich aus und hat seine Traditionen. Unsere heisst ganz schlicht Road Movie. Fahren, meist in Richtung Osten, reden, lecker Fisch oder auch Fischbrötchen werden gerne genommen; Bierchen zwischendurch muss sein zur Gesunderhaltung der alternden Physis sein. (Davon jedoch später).
Vor all dem Wohlleben und Plaisir steht die Hürde der Bahn. Fährt sie oder nicht und vor allem: hält sie ihren eigenen Fahrplan ein. Um fünf Uhr bin auf dem Perron des Bahnhofs Lummerland. Die Bahn fährt pünktlich ein, im Umsteigebahnhof Bembeltown jedoch will sie schon im Morgengrauen alle bösen Vorurteile redlich bestätigen. Kein Bahnsteiglautsprecher ohne die süsse Stimme der Verspätungsansagerin. Für jeden zweiten Zug wird eigens um Verständnis und Entschuldigung gebeten. Ich drücke der Stimme die daumen, bestimmt lässt sich die Verspätungsquote noch erhöhen.
Endlich im ICE. Leider sind ausser mir noch drei Passagiere im Wagen, so kann ich mich nicht frei über Sitze und Tische bewegen. Ich suche das optimale Licht für einige Versuchsreihen.
Der Zug läuft fast pünktlich am Ziel ein. Fast – immerhin. Ich ziehe meine elektronische Handfessel und wähle Herrn Zaphods Nummer. Vorgewarnt war ich immerhin. Als sich (s)eine Stimme meldete, vermutete ich ein kleines dürres Männchen in den letzten Zügen. Das Leben kann eine Ratte sein, aber Viren und Bakterien sind auch nicht ohne. Also ziehe ich alleine los, ich habe viele Stunden Zeit; Don Blech ist erst am Abend spassbereit.
Um es kurz zu machen und den Herren Hippolyte und Pappenheimer (aka xs) zu kund und Wissen. Eure Fotografien eures Hamburger Vergnügungswochenendes mit Herrn Zaphod sind wahrlich beeindruckend. Wo um alles in der Welt aber seid in Wahrheit gewesen? Auf fast allen euren Fotos ist Wasser zu sehen, von der Pfütze, über die Alster, Elbe bis hin zum Hafen. Ich sehe kein Wasser in dieser Stadt. Nichts als Backsteine und spiegelwirre Hauswände. Wo immer ich mich umsehe und wen immer ich um Auskunft bitte: Schiffe gibts und Fische – aber Wasser… Ich wünsche mir in all dem Lärm (Hamburg ist unheimlich laut!) und der optischen Wirrsal spontan ein Fahrrad.
Immerhin tröstet mich (und meine Füsse) nach Stunden eine Feuerlilie in Planten und Blomen. Bitter notwendig wird am späten Nachmittag der Besuch im Curry-Club. Die Worscht schmeckt doppelt so gut zu einem einsamen Astra. Die einzigen wellenwogenden Bewegungen, die mir zu Augen kommen sind in einem gelben Blumenmeer zu sehen. Am Ende des Tages sehen selbst die Treppen schief aus. Gerade rechtzeitig schlägt die elektronische Handfessel an. Don Blech empfiehlt ebenso mitfühlend wie lebenspraktisch das Landhaus Ohlstedt als Treffpunkt für ein gemeinsames erstes Abendbierchen. Nach dem sonnigheissen Tag genau das Richtige. Während wir noch überlegen ob es unter den Umständen ein zweites Bierchen sein dürfte, zieht jemand das grosse graue Tuch vor den hanseatischen Himmel. Es beginnt zu regnen. Die Wettervorhersage spricht von blauen Himmeln im Osten für den nächsten Tag. (besser als Versprechungen von blühenden Landschaften, die dann doch nicht eingehalten werden). Davon dann später mehr.
PS: Die Feuerlilie sei für Frau Waas gepflückt. 

      (Wer die Fotos gross gugge mag, soll einfach ein Foto anklicken)


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7 Gedanken zu „Herr Ärmel allein in der Stadt

  1. Wow. Großartige Fotos (8+9+Lily!!!!) in welcher Stadt warst Du noch gleich? *g*
    Hättest Du nicht eines der vielen Fahrräder ausleihen können? Angeblich gibt es in der Gegend haufenweise Leihräder.

    Es ärgert mich nur gerade, dass ich meine Rathausfotos noch im Kleinformat veröffentlicht habe damals.

    Nächstes mal klappt das, dann zeige ich Dir auch Wasser, den Curry Club nehmen wir als Treffpunkt, den muss ich eh noch testen. Ärgert mich alles enorm, ich hätte Dir auch gerne eine Runde erstklassigen Backfisch zum Astra ausgegeben, damit Du mal vom Wischer wegkommst, aber auf der Veddel machen sie sowieso gerade Urlaub.
    Ich bin derweil immer noch krankgeschrieben, fühl mich aber nicht so, was die Rumlungerei im Haus noch unerträglicher macht.

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  2. Nach einigen Stunden in der prallen Sonne rumlaufen und gugge mit satten acht Kilo auf der Schulter hatte ich den Namen der Stadt vergessen *g*
    Sie ist vom Grundgeräusch her jedenfalls deutlich lauter als Frankfurt.
    Die roten Fahrräder sind preislich kaum kalkulierbar, da hab ich das lieber gelassen.
    Daniel Wischer betreibt wohl einen neuen Laden auf der Spitaler. Zu Wischer geh ich traditionell nur in Begleitung von Don Blech. Ich bin also offen für Neues – beim nächstenmal dann auf alle Fälle. Curry Club als Treffpunkt passt sowieso. Da hab ich gemeinsame Erinnerungen mit Frau Waas. Aber die Worscht dort schmeckt mir auch so, ich bin allerdings auch kein solider Kenner der Materie 😉

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  3. Irgendwie witzig … diverse Leute zieht es scheinbar zur Zeit nach Hamburg … ich bin dann dort ab dem kommenden Samstag, den 24.06. … als Südstaatler hanseatische Luft schnappen …

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  4. Also trotz ohne Wasser ganz wunderbare Bilder! Und ich gebe dem Herren aus dem Krankenbett Recht, das sieht irgendwie anders aus als das, was ich letztens bei der Herrenrunde sah.
    Die Stadt, die Du vermutlich Bembeltown nennst, habe ich übrigens ausgelassen an dem WE, als Du in Hamburg warst. Bin direkt durch gefahren nach Elvisvillage, was ärgerlich war, denn dort trafen sich recht viele Elvisse, denen ich mich aber nicht widmen konnte, da ich bei der Party auf dem Berg hockte.

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  5. Oh, recht schönen Dank – es freut mich, wenn dir die Fotos gefallen.
    Von den merkwürdigen Elivs-Treffen habe ich auch schon gehört aber noch keines selbst besucht. (Ich bin kein Hüftenschwinger und nebenbei Brillenträger 😉

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  6. Na das schaut doch mal gut aus 🙂
    Klasse Bilder vor denen man teilweise nur den Hut ziehen kann. Mir kommen ein, zwei der Motive seltsamerweise bekannt vor, aber die können eigentlich doch nicht aus Hamburg stammen. Eine Hafenstadt ganz ohne Wasser wie das wohl angehen kann…

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