Erlebenswertes Stralsund

Bluegrass und Cajun verwoben mit klassischen brasilianischen Musikstilen ergibt eine interessante Mixtur: Matuto – The Devil and the Diamond (2013)…

Obschon Stralsund sich damals in der ersten Nachwendezeit in einem leidlich besseren Zustand präsentierte als Wismar, machte die Stadt dennoch einen traurigeren Eindruck auf mich. Das hat sich gealtig geändert. Wir erreichen nach einer spätnachmittäglich stimmungsvollen Fahrt von Rügen her die alte Hansestadt am frühen Abend. Unser Hotel liegt gegenüber des Bahnhofs. Beim Gang in die Altstadt auf der Suche nach „Gerechtigkeit“ (Störtebeker – das Bier der Gerechten) durchstreifen wir den alten Stadtkern, der von Frankenteich und Knieperteich umgeben ist. Wir sind beeindruckt von den überaus mächtigen Kirchen, der Nikolaikirche am Alten Markt und der Marienkirche. Sehenswert ist auch das Rathaus. Schliesslich landen wir am alten Hafen. Dort liegt die Gorch Fock vor Anker. Wir finden eine solide Gastwirtschaft. Die Wahl ist genau richtig, der Dorsch auf Bratkartoffeln wäre eine eigene Geschichte wert. Wir geniessen die abendliche Stimmung. Sitzen und schauen. Reden, essen und trinken. Lange nach Einbruch der Dunkelheit stimmen wir überein, dass wir auf dem Weg zurück in unser Hotel noch einmal Gerechtigkeit walten lassen wollen. Am Neuen Markt hat eine Gartenwirtschaft noch offen und wir kommen rasch mit zwei Holländern ins Gespräch, die mit ihren Fahrrädern aus Rostock gekommen sind und am nächsten Tag die Insel Rügen erkunden wollen. Das Gespräch kommt schnell auf das Thema DDR-BRD. Interessant zu hören, wie unsere niederländischen Nachbarn diese Epoche unsere Geschichte sehen. Ein junges Paar hat aus einiger Entfernung unser Gespräch verfolgt und nimmt nun direkt teil. Sie ist nach Irland ausgewandert und hat dort ihre jetzige Freundin, die aus Thüringen stammt, kennengelernt. Die Freundin lebt und arbeitet ebenfalls seit einigen Jahren in Irland. Die junge Frau erzählt, dass sie erst von ihrer Freundin erfahren und gelernt habe, was sie bisher weder aus den Medien noch sonst über die ehemalige DDR gewusst habe. Zu guter Letzt gesellt sich ein Mann zu uns, der sich lebhaft an unserem Gespräch beteiligt und seinen Teil der eigenen Biografie beiträgt. Leider trippeln die Kellner etwas ungeduldig um unsere kleine Abendgesellschaft. Sie wollen das Lokal schliessen. So soll es denn sein, wir wollen nicht ungerecht sein. Dass einer neueren Umfrage zufolge 60% der Menschen aus den sogenannten alten Bundesländern es ablehnen, die sogenannten neuen Bundesländer zu bereisen spricht für sich. Dass sie auf die Frage nach dem Warum daraufhin in schöner Regelmässigkeit antworten: „Was soll ich da?“, offenbart eine schwer nachvollziehbare Ignoranz.
Allen Besuchern ein schönes Wochenende.   

     (Foto zum Öffnen der Galerie anklicken)

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9 Gedanken zu „Erlebenswertes Stralsund

  1. Ja Stralsund ist auf jeden Fall eine Reise wert.

    Die absolute Ablehnung gegenüber allem was aus dem Osten kommt, ist ein Gedankengut welches sich mir nicht erschließt und spricht in gewisser Weise von einer latenten Intoleranz.

    Schöne Serie, besonders Bild 10 hat es mir angetan 🙂

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  2. D´accord Maitre! Aber auch wenn andere intolerant sind, möchte ich mir meine Toleranz bewahren und mich weiterhin darin üben.
    Foto 10 fällt etwas aus der Reihe. Vielleicht spricht das eher Leute an, die auf s-w stehen 🙂

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  3. „Was soll ich da?“ ist wirklich eine exquisit dämliche Aussage. Obwohl ich mich (aus Gründen) weigere bestimmte Landstriche und Städte zu bereisen würden mir eine Menge Antworten einfallen. Bild 9 wäre zumindest ein ausgezeichnetes Argument dafür. Macht Durst. Furchtbaren Durst. Ich muss mal im Kühlschrank gucken eben…

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  4. Ach ja. Stralsund. Erinnerungen.
    Hotel gegenüber des Bahnhofs? Ich glaub, da war ich auch. Erinnerungen.
    Gorch Fock? Erinnerung.
    Und das Bier der Gerechten. Lecker. Erinnerungen.
    Fisch? Erinnere ich mich lieber nicht dran. Oder nur teilweise 😀

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  5. Restaurant „Esszimmer“ am Semlowerkanal – Dorsch auf Bratkartoffeln. Primaprima!!! Nette Bedienung und raisonable Preise.
    Das Hotel gegenüber des Bahnhofs ist ein ehrwürdiger Bau aus ganz alten Tagen und heisst sinnigerweise „Hotel am Bahnhof“

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