Buchstabensuppe und Wortragout

Als Jugendlicher lachten wir über „Paulchen“. Wir sahen ihn in Fernsehshows und hatten keine Ahnung von seiner musikalischen Biografie. Das hat sich viel später grundlegend geändert. Seine letzte Platte swingt so wunderschön: Paul Kuhn – The L.A. Session (2013)…

     Wer die Fotografie noch grösser sehen möchte, klickt einfach drauf. F11 beim Firefox macht sie noch grösser


„Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse.“ Einen solchen Satz konnte nur ein Fuchs sagen. Und der Kleine Prinz erwiderte daraufhin nichts. Einer meiner literarischen Hausgötter, Arno Schmidt, sprachgewaltiger Wortmetz und menschenfeindlicher Solipsist gleichermassen, hätte ihm wohl geantwortet, dass gerade die möglichen Missverständnisse ja der Spass an der ganzen Sache seien. Klar, der hat mit fast niemandem gesprochen sondern alle seine Worte bloss aufgeschrieben. Und noch dazu vieldeutig. Hat sich neben seinen Mondmetaphern dafür sogar eine Etym-Theorie gebastelt. Ein Witzbold eben, aber ein blitzgescheiter.
Bei der Sprache gehen Sprachwissenschaftler davon aus, dass die Vokale das innere Erleben des Sprechenden abbilden und die Konsonanten das jeweilige Verhältnis zur Aussenwelt. „A“ bringt (normalerweise jedenfalls) Erstaunen zum Ausdruck, „E“ hat was abwehrendes und das „O“ vermittelt Freude. Naja und ein „I“, vielleicht sogar noch langgezogen ausgesprochen… Interessant finde ich, dass das „A“ ganz hinten im Hals gebildet wird und die nachfolgenden Vokale langsam aus dem Rachen nach vorn kommen. Selbstlaut für Selbstlaut. Bis sich ganz vorn das Schnütchen zum „U“ spitzt und rundet.   Macht Spass, das selbst einmal auszuprobieren.
Da frage ich mich natürlich, wie Vokale und Konsonanten in den verschiedenen Sprachen zu Wörtern zusammengesetzt sind. Wie sind die Verhältnisse von Vokalen zu Konsonanten und was folgt daraus. Spannende Fragen. Vielleicht sind Menschen, die vokalreiche Sprachen sprechen eher gefühlsbetont, während Sprachen mit starker Konsonantenhäufigkeit die Gefühle zu verbergen helfen. Ich bin Fotograf und Untertan und kein Sprachwissenschaftler. Folglich bewege ich mich auf dem schlüpfrigen Boden der Spekulation. Aber interessant finde ich das Thema dennoch. Hier auf dem Schwarzen Berg überwiegen die Konsonanten deutlich im Vergleich zur spanischen Sprache beispielsweise. Und wie ist das mit den Dialekten einer Sprache? Verändern sich da die Verhältnisse von Vokalen zu Konsonanten gegenüber der Hochsprache? Ich werde diese Fragen weder heute noch am Wochenende für mich zufriedenstellend beantworten können. Aber ich wüsste es halt doch zu gerne. Die Welt ist gross.

Ich wünsche allen Besuchern ein gutes Wochenende.
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11 Gedanken zu „Buchstabensuppe und Wortragout

  1. Ist das eine Fönwelle auf dem Bild ? Gar eine singende ?
    Doch halt, die singende Fönwelle heisst ja Dieter Thomas und nicht Paul Kuhn. Trotz alledem kam mir diese Assoziation beim frühmorgendlichen Betrachten Deines Bildes sogleich in den Sinn. *fg*
    Auch Dir ein schönes Wochenende !
    Hier solls nochmal richtig warm u. sonnig werden.

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  2. Fönwelle ist eine feine Assoziation. mal sehen, wem vielleicht noch etwas zu diesem Foto einfallen wird.
    Schönen Dank für das schöne Wochenende: mal sehen wie das werden wird. Warm ists hier ohnhin noch *g*

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  3. Spannende Fragen. Extrem vokalreich ist ja auch die italienische Sprache. Und die Italiener empfinde ich durchaus als wesentlich gefühlsbetonter als uns Deutsche. Das Foto wirkt so zart, leicht und flüchtig wie die Bilder, die manchmal beim Blick aus dem Fenster eines fahrenden Zuges verwehen, noch bevor man sie richtig wahrgenommen hat. Oder wie ein Traumgespinst, das uns im Moment des Erwachens unweigerlich flieht, so gerne wir es auch festhalten würden.

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  4. Zum schön per F11 vergrößerten Foto: Groove und Schwungsessel, mehr so Blues und der Film mit dem amerikanischen Literaturwissenschaftler: http://www.youtube.com/watch?v=7ORV1Gstkzw
    A love song for Bobby Long – einer meiner Lieblingsfilme.
    Zur Sprache noch: der Papa mit der dreijährigen Tochter sucht und sucht im Supermarkt nach der Creme fraiche. Die Kleine meint bald entnervt: dann nimm doch einfach Creme lieb.
    Prachtvolle Tage wünscht
    Sonja

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  5. Da fällt mir nichts zu ein, leider. Auch F11 enthüllt nur, dass sich in der Firma niemand für die Reinigung der Monitore verantwortlich fühlt. (Ich habe übrigens mehr über James Last gelästert, Paul Kuhn mochte ich immer gerne.)

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  6. Spontan schallend gelacht!!! Wie mit dem kleinen Buben (ca. 7 Jahre), der nörgelnd was haben und der Vater sagte: Wie heisst das Zauberwort mit 2 „t“? – „Flott“, antwortete der Kleine fix, „ich will das flott haben“…
    Danke für die guten Wünsche

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  7. Interessante These. Über die muss ich noch ein wenig nachsinnen. Das Deutsche ist ja eine Sprache mit vergleichsweise vielen Konsonanten. Aber der emotionale Gehalt der einzelnen Vokale ist nicht von der Hand zu weisen.

    Im Übrigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass die sprachliche Verständigung Missverständnissen eher vorzubeugen vermag als sie zu erzeugen. Natürlich gibt es Ausnahmen und man sollte nicht dem Fehler verfallen, dass jeder mit demselben Begriff auch dasselbe meint. Aber das Gute an der Sprache: Man kann nachfragen, wie etwas gemeint ist – und je sorgsamer man nachfragt, umso eher stellt sich ein gemeinsames Verständnis ein.

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  8. War halt der hausinterne Generationenkonflikt, Negermusik gegen Non Stop Dancing. Der Konflikt endete mit irgendeiner James Last Jubiläums LP, auf der er seine Lieblingsmusikanten benannte, u.a. Santana und Blood, Sweat & Tears. Wenn JL schon Negermusik hört…

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