Den Sommer verlängern

Es soll noch Sommer bleiben. Vor allem, wenn sich ganz lieber Besuch aus dem Norden angesagt hat. Ween – Chocolate & Cheese (1994)…

Die Qualität der Fotos? Mit einer frühen digitalen Knipse aufgenommen. In jpg. Heute zählt allein der dokumentarische Wert. Anklicken hebt zwar nicht die Qualität, macht sie aber etwas grösser. 

 

Vielleicht war jemand schon mal im spanischen Hochland, in der Estremadura, oder auch in Mexiko. Oder eventuell auch in der Atacama in Peru oder sogar auf der grossen Ebene in Niederbayern. Dort gibt es diese merkwürdig staubigen Käffer durch die sich eine einzige Strasse hinzieht. Da hat man einfach keinen Antrieb anzuhalten, nix wie weg, nur nicht den Fuss vom Gas nehmen. Dreck, Staub und vermutlich irgendeine Hinterlist in einer der dunklen Ecken. Da steigen unwillkürlich Erinnerungen auf an irgendeinen WildWestFilm Und wenn man doch anhält an der Tanke oder in der Kneipe für einen schnellen Imbiss – – – – 
Träge und schwerfällig liegt der Schankwirt, der alte Fettsack vor der cantina vor sich hin schnarchend in der Hängematte und schaukelt dösend durch die Mittagshitze. Die alte Lucia hinterm Haus dreht einem Huhn den Hals um für eine plato de paisa zum Abendessen. Die restlichen Häuser scheinen leer und verlassen – nichts bewegt sich hier in der sirrenden Sonnenglut. Ausser den gelegentlichen Windstössen sind nur die Bohnenblähungen des trägen Dicken zu hören. Drinnen in der cantina greift sich der Typ die Gitarre von der Wand. Seit gestern sitzt er schon da, redet nichts, qualmt und nippt hin und wieder an seinem Glas mit den Fetträndern. Eine Scheibe im Fenster ist gesprungen. Staub flimmert im Sonnenstrahl. Die Bohlen des Fussbodens vor der gammeligen Bar sind fleckig. Vielleicht wartet der Mann auf jemanden vielleicht auch nicht. Auf dem Tisch vor ihm ein Teller mit angetrockneten Bohnenresten, die Branntweinflasche ist halbleer. Der Typ hat offenbar Zeit, unendlich viel Zeit. Der Gitarre fehlt eine Saite, wen störts weiter? Kann eh keiner gescheit spielen hier. Unheimliche Stille.Der Fremde rotzt den kalten Stummel seines cigarro aus dem Mundwinkel Richtung Theke. Wiegt die Gitarre prüfend in seinen Händen und fängt dann sachte an zu klimpern. Die ausgetretenen Treppenstufen führen nach oben ins Nichts. Der alte Fernando
drüben auf dem abgewetzten fadenscheinigen Sofa blinzelt verstört im Schlaf, leckt sich kurz über die Lippen, atmet einmal sehr tief durch und faltet die Hände überm Bauchspeck. Sein Hemd hat bessere Zeiten gesehen. Draussen redet Lucia beschwörend auf das Huhn ein, das kopflos noch immer mit den Flügeln schlägt. Am Horizont verwischt flirrendes Licht die Grenze zur Unendlichkeit. Lucia wischt sich mit dem Handrücken Schweiss und Haare von der Stirn.
Drinnen kommt langsam Leben in die Hand des Gitarrenspielers. Der fette Wirt vertreibt die Fliege vorm Gesicht, die heute nicht einmal mehr auf seiner fettverschmierten Schürze landen würde. Der Typ drinnen in der cantina zupft einfache Griffe auf der Gitarre und fängt leise an sein Liedchen zu trällern . . .

 

Buenas tardes amigo
 
Schönen Nachmittag Freund
Hallo, mein guter Freund
Der 5.Mai war ein Dienstag
und ich hoffte, wir würden uns wiedersehen

Du hast letzten Winter meinen Bruder getötet
Dreimal hast du ihm in den Rücken geschossen
Ich höre Mama noch immer in der Nacht weinen
Oh Mama, sie geht noch immer in Schwarz

Ich habe auf jeder fiesta nach dir Ausschau gehalten
Ich wollte dich begrüssen
Vielleicht hätte ich dir ein Hühnchen verkauft
Das Fleisch giftgewürzt

Du . . . du siehst aus wie mein Bruder
Mama hat ihn am meisten geliebt
Er war der Obergockel bei den Damen
Mama sagte immer, sie wäre selig

Das ganze Kaff stand um ihn rum
Die konnten nicht glauben, was sie da sahen
Ich sagte, dass du ihn umgebracht hättest
Und dass ich dich fände und für Gerechtigkeit sorge

Die Leute im Kaff, die glaubten mir
Mama . . . die wollte Rache
Ich sagte ihr, ich würde ihre Ehre wieder herstellen
Ich würde dich finden und ins Jenseits befördern

Gut jetzt . . . jetzt, wo dich gefunden habe
An diesem Freudentag
Ich sag dir, dass ich das war, der ihn niedergeschossen hat
Aber die Wahrheit werde ich nie sagen müssen

Buenas tardes amigo
Hallo mein guter Freund
Der 5. Mai war ein Dienstag
Und ich hoffte, dass wir uns wiedersehen würden
Ja, ich hoffte, wir würden uns wiedersehen
Ich hoffte, wir würden uns wiedersehen

(C) Original erschienen auf: Ween – Chocolate and Cheese (1994)
Ich wünsche allen Besuchern ein sonniges Wochenende
Advertisements

16 Gedanken zu „Den Sommer verlängern

  1. Pingback: Musikalischer Zwischenschritt | Herr Ärmel: Fotografie und Text

  2. Nachdem ich heute morgen schon flugs vorbeiflanierte und augenstaunte, möchte ich nun doch noch meinen Dank wortwärts hinterlegen für diverse Cowboys, die Famosmusikke machen. Derzeit laufen die gedopten so nebenher und fetzen ungemein. Ein weiteres Danke gilt Ihrer Geschichte hier, lieber Herr Ärmel. Begleitet durch die Aufnahmen und das Ween’sche Lied ein passiges Wortgemälde.
    Herzliche Grüße, fernnah zugetan, Ihre Frau Knobloch.

    Gefällt mir

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s