Bischöfe und Gurkensalat

In entlegenen Ecken finden sich hin und wieder erstaunliche Funde: Parallel Or 90 Degrees – No More Travelling Chess (1999)…
 
Da hacken neuerdings viele (selbsternannte) Kritiker auf einem Bischof herum. Mit den Priestern und Klosterbrüdern fing es an. Aufschreie der Entrüstung gingen um im Land. Was ist beim  sensationslüsternen Publikum davon geblieben? Noch immer gehen die Skandale weiter, Täter werden überführt, Gerichte sprechen Urteile. Jede Woche kann man sich in einer beliebigen grösseren deutschen Tageszeitung darüber informieren. Die Leserkommentare zu den Meldungen indes bleiben inzwischen weitgehend aus.
Und nun der Limburger. Was stinkt denn da so sehr zum Himmel? Millionen werden verbraten. Auch in anderen Bereichen geschieht das tagtäglich. Die werden mit offen Händen für eine Hamburger Musikhalle hingeblättert. Der neue Berliner Flughafen ist ein zum Treppenwitz gewordenen bekanntes Millionengrab. Sanierungen anderer bischöflicher Ordinariate sind teurer gewesen als die jetztige in Limburg. Und als nach der Hoppla-Vereinigung der alten Bundesländer mit den Neuen ein immer teureres Regierungsviertel in Berlin gebaut worden ist, ging zwar ein Murren um im Land, aber…
Mir geht es weniger um den Bischof. Der muss selbst mit sich, seinem GOtt und der Welt fertig werden. Ich verteidige auch nicht die Herrschaftsstrukturen der katholischen Kirche.
Mir geht es um die Kultur, die bei derlei Aufregungen und Entrüstungen waltet. Jeder einigermassen aufgeklärte Mensch kann wissen, dass Bischöfe monatlich zwischen B6 und B11 verdienen. Dass fast alle in Dienstwagen der Oberklasse chauffiert werden. In feudalen Wohnverhältnissen leben. Aber eben nicht alle. Da gibt es den Bischof, der in einer Dreizimmerwohnung lebt und mit dem Fahrrad ins Büro fährt. Ein anderer bewohnt zwar eine herrschaftliche „Dienstwohnung“, versteuert dafür aber die Miete als geldwerten Vorteil. Weitere Beispiele wird finden, wer sich um Aufklärung in einem besseren Sinn bemüht. Dass die bayerischen Bischöfe noch immer den Eindruck erwecken, nach wie vor im 18. Jahrhundert zu leben, steht auf einem anderen Blatt.
Mich stört, wie undifferenziert die öffentliche Diskussion mittlerweile wird, wie sie immer mehr verkommt. Und die Ausrede, dass die Medien daran Schuld seinen, zieht bei mir nicht. Gewiss schüren die Medien derlei „Sensationen“. Vergessen wird dabei aber meist, dass die Medien sich in einem Markt befinden, der vor allem auf Nachfrage reagiert. Quoten und Auflagenzahlen werden letztendlich vom Publikum erzeugt. Und dieses Publikum will bedient werden.
 
Auf der anderen Seite ist da der Gurkensalat. Ich erinnere mich gerne an die verschiedenen Reiben, die in älteren Zeiten für die verschiedenen Arbeiten in der Küche verwendet worden sind. Viele sind mit den kleinen Haushaltswarenläden, in denen man stets eine Auswahl hatte verschwunden. In den modernen Megaläden wird meist diese untaugliche Vielzweck-Multi-Pyramide verkauft. Schlecht zu handhaben, umständlich zu reinigen.
Deshalb war ich froh, in der Plaste-Ausstellung eines Museums in Eisenhüttenstadt eine Gurkenreibe zu finden. Im Museumsshop. Seltsam verändert sich die Welt. Die Verkäuferin erklärte mir, dass es sich dabei um eine Art von Klassiker in der Ehemaligen gehandelt haben soll. Gestern fand das Jungfernreiben oder auch der Stapellauf der Gurken statt. Die Scheibchen angenehm dünn und schön gleichmässig. Ich bin begeistert.
 
      (Foto anklicken und Reibe samt Gurken gugge)

 

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5 Gedanken zu „Bischöfe und Gurkensalat

  1. Menschen, Tiere, Sensationen… war das nicht schon immer so? Ich hoble meine Gurken übrigens auch mit so einem Plastikteil. Meine Mutter dagegen besitzt noch einen schweren, alten Gurkenhobel aus Holz mit herausnehmbaren Messern. Mittlerweile wohl eine Antiquität.

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  2. „Menschen, Tiere, Sensationen“ – fast schon erstaunlich, dass diese Atrraktion fast sechs Jahrzehnte das Publikum anzog. Mch dagegen faszinierte „Sport, Spiel, Spannung“ viel mehr. Brot und Spiele, darüber wusste schon Cäsar Bescheid. Ob seine Köche wohl schon Gurken gehobelt haben mögen?

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  3. Hehe, nette Themenzusammenstellung und das Konzentrieren auf das wichtigen Dinge im Leben.
    Meiner Meinung nach ist es gut, solche „Skandale“ zu veröffentlichen. Nicht nur um die Sensationsgier einiger Bildzeitungsgucker zu befriedigen, sondern auch um Missstände anzuprangern. Nur so besteht die Möglichkeit etwas zu ändern.
    Apropos Gurken, ich habe auch noch so eine alte Salatreibe im Küchenschrank und nutze die auch regelmäßig 🙂

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  4. Ich habe mich immer gefragt wer diese dämlichen Pyramidenreiben kauft, die sehen doch schon unpraktisch aus und nehmen viel zu viel Platz weg.

    Und der Bischof, naja. Ich finde die Geschichte eher belustigend. Ich finde alles belustigend, was für vermehrte Kirchenaustritte sorgt *g*

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